Familie : Bis einer heult

Raus aus der Schmollecke: Richtig streiten will gelernt sein.
Raus aus der Schmollecke: Richtig streiten will gelernt sein.

Streit ist an sich gar nichts Schlechtes, er darf aber nicht verletzen. Nur: Wie geht das? Sieben Fehler, die Paare vermeiden sollten.

svz.de von
03. Dezember 2014, 17:02 Uhr

Weihnachten steht vor der Tür. Das Fest der Liebe. Da soll es zu Hause natürlich harmonisch zugehen. Was passiert? Umso mehr wird gestritten. Wenn Paare sich dann vor den Augen der Kinder oder Eltern in die Haare kriegen, kann das schnell peinlich werden. Dabei ist Streit an sich nichts Schlimmes – wenn sich beide an die Regeln des Fair Play halten. Die sieben Todsünden rund ums Streiten:

Todsünde Nummer eins: nur nicht streiten wollen

Kein Streit ist auch keine Lösung. Probleme nur unter den Teppich zu kehren, geht auf Dauer nicht gut. Streit ist generell nichts Schlechtes, erklärt der Paartherapeut David Wilchfort aus München. Schlecht ist er nur, wenn es bloß darum geht, wer recht hat oder schuld ist. Paare bräuchten eine konstruktive Streitkultur, ergänzt Paarberater Ferdinand Krieg aus Berlin. Der Grundsatz sollte lauten: Wir können über alles reden. „Viele haben das nie gelernt.“

Todsünde Nummer zwei: Gewinnen wollen

Wenn es gut läuft, heißt es bei einem Streit nicht: Ich will gewinnen. Sondern: Wir wollen gewinnen. Wilchfort veranschaulicht das so: Beide Partner sind mit einem Seil verbunden. Wenn einer den Spielraum zu sehr ausreizt, spürt der andere, wie sich das Seil spannt. Und reflexartig zieht er daran. Schon entwickelt sich ein handfestes Tauziehen. Und dann? Der Klügere gibt nach? Nein, sagt Wilchfort. „Es muss heißen: Die Klügeren geben gleichzeitig nach.“ Erst wenn beide aufeinander zugehen, löst sich die Spannung im Seil.

Todsünde Nummer drei: Aus der Mücke einen Elefanten machen

Es ist der Klassiker: der Streit um eine offene Zahnpastatube oder die liegen gelassenen Socken. Warum dabei aus der Mücke so schnell ein Elefant wird? Es ist der Gedanke: Der andere respektiert meine Wünsche nicht, erklärt Wilchfort. Hinzu kommt die Angst, etwas immer wieder erdulden zu müssen. „Es ist ja nicht die eine Socke, die der andere liegen lässt. Man sieht dann vor sich gleich die 1000 Socken, die der andere in den nächsten Jahren liegen lassen wird.“ In so einem Fall kann es helfen, eine Woche lang genau Buch zu führen. Dann sieht man, wie oft der andere seine Socken eben nicht liegen lässt.

Todsünde Nummer vier: Pauschalvorwürfe

„Immer lässt du deine Sachen herumliegen“ oder „Nie gehst du einkaufen“ – solche Verallgemeinerungen sind „Killersätze“, sagt Krieg. Denn Pauschalvorwürfe lassen dem anderen keinen Spielraum übrig. Besser sei es, ein positives Beispiel zu nennen. Etwa: „Früher hast du jeden Abend den Müll heruntergebracht.“

Todsünde Nummer fünf: Du-Botschaften

Ob etwas verletzend wirkt oder nicht, hängt auch davon ab, wie man etwas sagt. Eine Du-Botschaft wie „Du bist so ein schlampiger Typ“ klingt schon von der Formulierung her aggressiv. Denn so wird eine sachliche Kritik zum persönlichen Angriff, erklärt Krieg. Besser sind Ich-Botschaften wie: „Ich fühle mich unwohl, wenn das Wohnzimmer unordentlich ist.“

Todsünde Nummer sechs: Vor anderen eine Szene machen

Die Eltern sind zu Besuch? Die Freunde sind zum Essen da? Beste Bedingungen dafür, dass ein Streit so richtig peinlich wird. Wenn ein Partner dem anderen dann eine Szene macht, stellt er ihn bloß vor den Gästen, erklärt Krieg. Es gibt zwei Wege, die Situation zu retten. Entweder man sagt ganz offen: „Wir beide haben jetzt ein Hühnchen zu rupfen und gehen mal nach nebenan. Wir sind gleich wieder da.“ Oder man nimmt den anderen zur Seite und macht im Stillen aus: Wir haben noch ein Hühnchen zu rupfen, aber das machen wir morgen.

Todsünde Nummer sieben: Laut werden

„Wer schreit, hat Unrecht“, heißt ein Sprichwort. Warum wird es dann im Streit so oft laut? Weil Paare dabei schnell in eine Streitspirale geraten, erklärt Paartherapeut Krieg. Jeder zückt seine Waffen, und der Kampf steigert sich immer mehr. Bald hat sich der Streit so hochgeschaukelt, dass keiner mehr einen Ausweg weiß. Gut sei dann eine Streitpause, rät die Psychologin Felicitas Heyne. „Dann sagt man: Pass auf, ich glaube, wir können gerade nicht mehr vernünftig miteinander reden. Wir treffen uns in 20 Minuten wieder und sprechen dann in normaler Lautstärke weiter.“ Auch ein Ortswechsel hilft – Krieg empfiehlt einen gemeinsamen Spaziergang.

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