Schwackendorf : Barfuß die Welt erkunden

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Glibschiger Schlamm, kitzelnde Kiesel und pieksende Hölzer: Den Barfußpark Schwackendorf entdecken Kinder ohne Strümpfe und Schuhe.

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27. Juni 2015, 16:00 Uhr

Das Beste ist der Schlamm. „Matschepampe!“ ruft Veit (3) begeistert und quapscht mit seinen nackten Füßen ohne zu zögern in den braunen Modder. Weich, kühl und glibschig fühlt er sich an, danach kommt hart getrockneter Lehm. „Aua aua aua“, schimpft Veit leise, und dann: „Nochmal!“

Im Barfußpark Schwackendorf (Kreis Schleswig-Flensburg, Schleswig-Holstein) erfahren die Gäste mit ihren Füßen: Durch 2,5 Hektar idyllisches Gelände schlängelt sich ein anderthalb Kilometer langer Tastpfad, den an diesem Vormittag Ein- bis Vierjährige der Kita Kieholm ohne Schuhe und Strümpfe erkunden. Sie waten durch kaltes Wasser, laufen über pieksige Holzschnitze, kühle Natursteine und weichen Filz; spüren anschmiegsame Holzbohlen, rauen Waschbeton und eine warme Eisenplatte. Da sind blaue Glassteine, die das Fußbett massieren, kitzelnde Kiesel und ein trockener Bachlauf zum Durchklettern.

„Das piekst!“, beschwert sich Jonna auf den Holzschnitzen und nimmt lieber den Weg über das noch taufeuchte Gras, wo sie auf Zehenspitzen zwischen Gänseblümchen hindurchstakst. „Das Barfußlaufen macht den Kindern wahnsinnig viel Freude“, weiß Britta Greve, Leiterin der Kieholmer Kita, aus der oft Gruppen in den Barfußpark kommen. „Kinder laufen nicht mehr viel barfuß, höchstens noch am Strand oder zu Hause im Garten. Für viele ist es eine neue Wahrnehmungserfahrung. Einige trauen sich erst nicht, aber wenn sie es mal gemacht haben, wollen sie es nochmal machen.“

Und das ist auch gut so – denn Barfußlaufen ist gesund: Es hilft nicht nur gegen Fehlstellungen der Füße, sondern regt auch die Fußreflexzonen an, reguliert den Blutdruck, stärkt Abwehrkräfte und Kreislauf, fördert Sinneswahrnehmung und Bewegungsgefühl und setzt Glückshormone frei.

Jonna ist das herzlich egal. Sie hat gerade ganz andere Dinge festgestellt: „Da ist warm, aber da ist wieder kalt“, sagt sie, während sie mit ihrer Freundin Mia an der Hand von sonnenbeschienenen auf schattige Steine wechselt. Emily (2) sitzt derweil am Wegrand zwischen zwei Disteln und untersucht ihre schmutzigen Füße. Sie deutet auf ein paar kleine Stellen und kommentiert sie mit „Aua“, dann klaubt sie ein Klettenlabkraut von ihrem Bein und tappelt unverdrossen weiter.

Auf den Korken verliert sie zwar zwei Mal das Gleichgewicht, die Kastanien und Tannenzapfen passiert sie dann aber gekonnt. Doch der Park bietet nicht nur etwas für die Füße: Zwischendurch locken Stationen wie ein Weidentunnel, eine Wackelbrücke, Balancierseile, eine Wippe und Palisadenstelzen. Außerdem gibt es einen kleinen Streichelzoo und und Spielplätze. Aber am besten ist natürlich der Matsch. „Ich hab Stiefel an!“ ruft Lie (3) begeistert und deutet auf ihre Waden, an denen dunkler Lehm klebt. Emily (3) zieht einen Flunsch, weil ihr T-Shirt schmutzig geworden ist, während Veit mit seinen Freunden seine dreckigen Beine feiert. „Guck mal, wie meine Füße aussehen!“ ruft Jonna und streckt sie entzückt in die Luft. Und wie findet Jonna das Barfußlaufen? „Schön“, sagt sie, während sie lächelnd ihre schmutzigen Zehen ins feuchte Gras schiebt.

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