Natur : Bäume spüren den Frühling

Die Buchen erwachen erst zum Leben, wenn die Tage lang sind.
Die Buchen erwachen erst zum Leben, wenn die Tage lang sind.

Woher wissen Pflanzen, wann es Zeit ist, neue Blätter sprießen zu lassen? Sie kennen einige Tricks.

svz.de von
25. März 2019, 15:31 Uhr

Im Frühling werden die Tage länger und die Temperaturen steigen. Dann treiben viele Bäume ihre Blätter aus und blühen. Woher wissen sie, dass es Frühling wird? Damit kennt sich die Biologin Susanne Renner aus. Die Professorin hat sich viel mit Bäumen beschäftigt. „Bäume reagieren auf ganz unterschiedliche Reize“, sagt sie. Worauf ein Baum anspringt, hängt davon ab, zu welcher Art er gehört.

Im Frühling gibt es mehr Tageslicht als im Winter. Die Tage werden dann länger. Einige Baumarten reagieren darauf, zum Beispiel Buchen. „Sie treiben erst dann aus, wenn der Tag 13 Stunden lang ist“, sagt Susanne Renner. Je nach Region in Deutschland ist das etwa am 23. April der Fall. „Es kann noch so lange schon im März warm sein, eine Buche wird vorher nicht austreiben“, erklärt die Expertin. Andere Pflanzen reagieren dagegen sehr stark auf warmes Wetter, zum Beispiel Heckenkirschen. „Einige warme Tage reichen schon aus, damit sie bereits Ende Februar ihre Blätter herausschieben“, sagt Frau Renner.

Auch Flieder zählt zu diesen Arten. Wenn eine bestimmte Anzahl warmer Tage aufeinanderfolgt, dann treiben diese Baumarten aus. Selbst wenn die Tage noch recht kurz sind. Dadurch kann es zum Beispiel auch einmal passieren, dass ein Obstbaum schon im Dezember blüht. Wenn es mehrere Tage lang warm ist.

Diese Strategie ergibt aber nicht für alle Baumarten einen Sinn. Manche stammen aus Gegenden, in denen der Frühling nicht sehr verlässlich ist. Das ist zum Beispiel bei vielen Arten der Fall, die aus dem Osten des Landes USA stammen. „Dort kann es einige Tage lang richtig warm sein. Dann kann die Temperatur aber schlagartig fallen und ein Schneesturm einsetzen“, sagt Frau Renner. Bei einem Baum, der dann schon ausgetrieben hätte, würden seine Blätter oder Blüten abfrieren. „Einige Bäume, die aus dieser Gegend stammen, zählen deshalb regelrecht die Länge der kalten Wintertage“, erklärt die Expertin.

Erst bei einem bestimmten Wert verlassen sich die Bäume darauf, dass kein Nachtfrost mehr auftritt. Dazu zählen zum Beispiel einige Ahornbäume. „Sie treiben bis zu 14 Tage später aus als verwandte Arten bei uns“, sagt Frau Renner.

Manche Bäume kombinieren auch mehrere Strategien: Sie nehmen zum Beispiel die Tageslänge wahr, spüren aber auch der Temperatur nach. Sind diese Reize zusammen groß genug, dann zeigen die Bäume ihre Blätter.

Autorin: Maria Berentzen, dpa

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