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Eltern und Kind

21. November 2017 | 02:03 Uhr

Scheidungskinder : Am besten im Wechsel

vom
Aus der Onlineredaktion

Scheidungskindern, die abwechselnd bei Mutter und Vater leben, geht es besser als denen, die nur bei einem Elternteil wohnen. Das zeigen neue Studien aus Schweden.

svz.de von
erstellt am 01.Okt.2017 | 09:00 Uhr

Im deutschsprachigen Raum ist es noch immer relativ selten, dass Scheidungskinder wechselweise bei beiden Elternteilen leben. Oft ist es die Mutter, die nach einer Scheidung die Hauptlast trägt. „Nur in relativ progressiven und gebildeten Gegenden wie etwa im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg ist das gewöhnlicher“, sagt die bekannte schwedische Kinderpsychologin und Wissenschaftlerin Malin Bergström vom die Nobelpreise vergebenden „Karolinska Institut“ in Stockholm. Im emanzipierten Schweden hingegen sei es eine Regelung, für die sich schon seit langem viel mehr geschiedene Eltern entscheiden, und dies auch in unterschiedlichen sozialen Schichten, so Bergström.

Dementsprechend ist es kein Wunder, dass in Schweden viel darüber geforscht wird, wie es diesen Scheidungskindern geht. In einer gerade veröffentlichten Studie hat Bergström 3656 Kinder zwischen drei und fünf Jahren je nach Wohnsituation verglichen. Bei der Beobachtung durch Eltern und Pädagogen, die Fragebögen ausfüllten, zeigte sich, dass es Scheidungskindern, die wechselweise wohnen, deutlich besser geht als jenen, die bei nur einem Elternteil leben.

Erstaunlicherweise ergab die Studie auch, dass es den wechselweise wohnenden Trennungskindern genauso gut oder fast so gut geht wie Kindern, deren Eltern nicht geschieden sind. Dies, obwohl für die beobachteten Kinder die Scheidung, aufgrund ihres niedrigen Alters, relativ unmittelbar zurücklag. „Unsere Studie ist die erste weltweit für so kleine Scheidungskinder“, sagt Bergström.

Bergström und ihr Team haben schon zuvor umfangreich zu Scheidungskindern geforscht, und etwa Schulkinder zwischen zehn und 18 Jahren verglichen; die Ergebnisse gehen in die gleiche Richtung. Auch älteren Kinder, die wechselweise wohnen, gehe es genau so oder fast so gut wie solchen aus Kernfamilien und stets viel besser als jenen, die hauptsächlich bei nur einem Elternteil aufwachsen.

Laut einer gerade veröffentlichten Untersuchung des Soziologen Jani Turunen von der Universität Stockholm ist wechselweises Wohnen für Kinder sogar dann noch besser als nur bei einem Elternteil zu bleiben, wenn das Kind mit einem von ihnen nicht gut klarkommt oder die getrennten Eltern sich viel streiten.

Darüber, warum wechselweises Wohnen für Trennungskinder besser ist, gibt es viele Vermutungen. Zum einen gehe es den Eltern besser, weil sie die Last teilen, psychologisch, zeitmäßig und wirtschaftlich, meint Bergström. Die Kinder hätten zudem nicht das Gefühl, von Mutter oder Vater verlassen zu werden. Die Trennung schlage weniger auf das Selbstbewusstsein der Kinder, so Bergström. „Für das Wohlbefinden der Scheidungskinder ist es nicht wichtig, immer am gleichen Ort zu wohnen. Wichtig ist die tiefe kontinuierliche Beziehung zu beiden Eltern im Alltag, und nicht nur bei kurzen Wochenendtreffen mit einem der Elternteile. Da kann die Beziehung schnell äußerlich werden“, sagt sie. „Gerade bei kleinen Kindern, die sich sehr schnell weiterentwickeln, verliert der nicht mit ihnen wohnende Elternteil in kurzer Zeit den wirklichen, tieferen Anschluss“, sagt Bergström.

„Natürlich muss man immer individuell entscheiden, Wissenschaftler gehen von Durchschnitten aus. Alle sich trennenden Eltern müssen auf ihre spezielle Situation und die Eigenarten ihrer Kinder achten, bevor sie sich entscheiden, wie die Kinder wohnen sollen“, unterstreicht Bergström. Dennoch sollten geschiedene Eltern auch in Deutschland das wechselweise Wohnen erwägen. Auch in Schweden habe man lange befürchtet, dass dies die Kinder rastlos und traurig mache. Aber dem sei nicht so. Im Gegenteil.

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