Hotline eingerichtet : Kinderschutzbund bietet Familien in Isolation Beratung an

Druck und Stress in den eigenen vier Wänden

Druck und Stress in den eigenen vier Wänden

In manchen Familien spitzt sich die Lage zu, weil die Kinder nicht mehr raus dürfen.

von
29. März 2020, 05:00 Uhr

Kleine Kinder dürfen nicht mehr auf die Spielplätze, Jugendliche sind von ihren Freundeskreisen ein ganzes Stück abgeschnitten. Eltern müssen all das auffangen, außerdem zu Hause den Schulstoff vermitteln und sich zugleich um ihren eigenen Job kümmern. Dazu kommen oft Existenzsorgen in Corona-Zeiten – eine brisante Mischung, wie der Deutsche Kindschutzbund (DKSB) befürchtet.

„Wenn Familien jetzt 24 Stunden, sieben Tage die Woche aufeinander hocken, kann man sich vorstellen, dass da der Druck im Kessel steigt“, sagt DKSB-Sprecherin Juliane Wlodarczak. Je länger die Zeit andauert, desto schwieriger werde es. Der Kinderschutzbund rechnet auch mit einem Anstieg häuslicher Gewalt gegen Frauen und Kinder.

Gespräche können entlasten

Lidija Baumann ist Leiterin des Kinderschutz-Zentrums Kiel in Trägerschaft des Kinderschutzbundes. Noch verzeichnet sie keinen erhöhten Andrang, allerdings rät sie Eltern, sich frühzeitig zum Beispiel bei der zentralen Hotline des Kinderschutzbundes zu melden. „Gespräche können entlasten“, sagt die Kinderpsychologin. „Es ist gut, mit Fachleuten zu sprechen, die Menschen in Krisenzeiten verstehen. Wir als Kriseneinrichtung können deeskalierend einwirken.“

Unter der Rufnummer 0800/111 05 50 stehen montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr ehrenamtliche Berater zur Verfügung. Auch regional ist der Kinderschutzbund zu erreichen. Kinder und Jugendliche können die Rufnummer 116 111 anwählen, kostenlos und anonym vom Handy und Festnetz aus, montags bis samstags zwischen 14 und 20 Uhr.

Das Eltern-Stress-Telefon des Kinderschutzbundes Mecklenburg-Vorpommern unter der Nummer 0385-4791570 ist montags bis freitags zwischen 14 und 17 Uhr geschaltet.

Viele Eltern haben sich auf die Zeit bis zum Ende der Osterferien eingerichtet, glaubt Baumann. Sie macht sich Sorgen, wie es danach weitergeht. Gefährdet seien gerade Familien, die zum Beispiel durch eine psychische Erkrankung oder materielle Sorgen hoch belastet sind: „Dann können Kinder schnell in alltäglichen Situationen zum Blitzableiter werden.“ Diese Kinder lebten in einer Grundanspannung, die Belastung durch die Corona-Maßnahmen treffe sie nun umso härter.

Kinder nicht sich selbst überlassen

Die Psychologin rät Eltern, ihre Kinder nicht sich selbst zu überlassen. In Kombination mit einem hohen Medienkonsum sei das nur kurzfristig eine Entlastung. „Aber längerfristig wird es zu einem Teufelskreis. Man sollte deshalb frühzeitig überlegen: Wie strukturieren wir die Zeit?“, empfiehlt Baumann. Wer einmal aus Strukturen heraus sei, finde viel schwerer wieder in sie hinein.

Feste Zeiten, orientiert an der Normalität vor dem Coronavirus, entsprechen dem Bedürfnis von Kindern nach Struktur: „Vormittags Lernzeit für Schulkinder, am frühen Nachmittag eine Ausruhzeit für Kindergartenkinder“, rät Baumann. Bei der Tagesplanung, in der auch Spiel und Bewegung enthalten sein sollten, dürfen sich die Kinder einbringen: „Kinder sind wunderbare Planer. Und wer mitentscheiden darf, ist auch eher bereit, sich an Vereinbarungen zu halten.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen