Elektroauto nimmt Fahrt auf

Noch ein ungewohnter Anblick, auch für die Kanzlerin: Tanken an der Steckdose.Soeren Stache
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Noch ein ungewohnter Anblick, auch für die Kanzlerin: Tanken an der Steckdose.Soeren Stache

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28. Mai 2013, 10:30 Uhr

Bis 2020 - so das ehrgeizige Ziel - sollen eine Million Elektro-Autos auf Deutschlands Straßen fahren. "Wir werden es schaffen", so Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gestern bei einem Elektromobilitäts-Gipfel von Regierung und Wirtschaft. "Leere Versprechen", heißt es von der Opposition. Riesen-Flop oder doch eine Erfolgsgeschichte?

Hintergründe zur Debatte über die Mobilität der Zukunft.

Wie viele Elektroautos sind schon unterwegs?

Zugelassen sind etwa 8500 reine Elektrofahrzeuge. 2012 gab es 4157 Neuzulassungen. In den ersten vier Monaten 2013 waren es etwa 1500. Vom Ziel, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen, ist Deutschland aber meilenweit entfernt. "Wenn wir das Ziel ein oder zwei Jahre später erreichen, wäre das auch kein Beinbruch", so Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Entscheidender sei, dass die Deutschen bei Technologieentwicklung und Marktanteil führend seien.

Sind die deutschen Hersteller im Rückstand?

Ja. Renault, Peugeot, Nissan, Toyota - die Konkurrenz hatte frühzeitig Serienmodelle auf dem Markt - sei es mit Hybrid-Technik oder reinem Elektro-Antrieb. Jetzt starten die deutschen Hersteller ihre Aufholjagd, wollen 2014 mindestens 14 E-Auto-Modelle auf den Markt bringen. Die Unternehmensberatung McKinsey prophezeit, dass die deutsche Autoindustrie 2018 voraussichtlich mehr als 300 000 Elektroautos produzieren wird.

Was sind die Probleme?

Ein hoher Anschaffungspreis bei geringen Reichweiten von höchstens 150 Kilometern - bisher schneidet das E-Mobil im direkten Vergleich mit herkömmlichen Fahrzeugen schlechter ab. Noch gibt es in Deutschland keine flächendeckende Infrastruktur mit Ladestationen. "Der Preis für die Batterien muss sinken, der Benzinpreis steigen und der Strompreis stabil gehalten werden - dann ist das Elektroauto trotz hoher Kaufpreise und geringer Reichweite attraktiv", erklärt Henning Kagermann, Chef der Nationalen Plattform Elektromobilität.

Wie fördert die Bundesregierung?

In den letzten Jahren hat die Bundesregierung die Elektromobilität mit 1,5 Milliarden Euro gefördert - unter anderem mit Mitteln für die Batterieforschung. Für neuzugelassene E-Fahrzeuge gilt vorerst noch eine Befreiung von der Kfz-Steuer. In vier "Schaufenster-Regionen" werden Pilot-Vorhaben zur Elektromobilität vorangetrieben. Projekte, die mitunter für scharfe Kritik sorgen. So bemängelte der Steuerzahlerbund jüngst Pläne zur Förderung eines Fahrdienstes mit Elektrofahrzeugen für Gäste von Luxushotels.

Was fordert die Industrie?

Eine Kaufprämie von 5000 Euro wird immer wieder ins Gespräch gebracht - die Bundesregierung wies diese Forderung auch gestern wieder zurück. Solche Prämien würden "Strohfeuer" entfachen und keinen großen Sprung bringen, so Wirtschaftsminister Rösler (FDP). Ungeachtet dessen verlangt die Industrie von der Politik weitere Impulse. "Die Anreize für Elektromobilität können wir sicher noch erweitern", so VDA-Präsident Wissmann. Er fordert besondere Parkmöglichkeiten, Finanzierungsprogramme über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und Sonderabschreibungen für Firmenflotten.

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