Familie : Ein Vorschuss an Sympathie

Nicht immer versteht man sich als Eltern mit dem Partner des Kindes. Senioren können Probleme mit dem Schwiegerkind besonders belasten.
Nicht immer versteht man sich als Eltern mit dem Partner des Kindes. Senioren können Probleme mit dem Schwiegerkind besonders belasten.

Probleme mit den Schwiegerkindern lassen sich meistens mit Kompromissbereitschaft lösen.

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20. Juni 2015, 16:59 Uhr

Seine Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen - das Sprichwort gilt auch für Schwiegerkinder. Nicht immer versteht man sich als Eltern mit dem Partner des Kindes. Erziehung der Enkel, Leben unter einem Dach oder Pflege: Senioren können Probleme mit dem Schwiegerkind besonders belasten. Zunächst aber eine gute Nachricht: Mit dem Lebensalter steigt die Häufigkeit der Spannungen zwischen Schwiegerkind und Schwiegereltern nicht, weiß Prof. Frieder Lang, Psychogerontologe von der Universität Erlangen-Nürnberg. Aber die Probleme zu lösen, wird mit dem Alter nicht leichter.

Viele Konflikte treten schon in den ersten Jahren auf, wenn der neue Partner ins Leben des Kindes tritt. Unausgesprochen können Spannungen aber lange schwelen. „Je länger ein Groll gehegt wird, desto schwieriger wird dessen Beilegung.“ Trotzdem - und gerade deshalb - sollten Senioren Ärger nicht einfach runterschlucken. Spricht man ein Problem an, sollte das ein offener Dialog sein, sagt Psychologin Susanne Guski-Leinwand. „Damit ist gemeint: Fragen stellen und versuchen, den anderen zu verstehen, statt nur seine eigene Sicht der Dinge vorzutragen.“ Ohne gegenseitiges Verständnis werden zwischenmenschliche Konflikte nicht gelöst – da sind Schwiegerbeziehungen keine Ausnahme.

„Vor den klärenden Gesprächen stellt man sich am besten die Frage: Was stört mich genau am Gegenüber?“, sagt Lang. Sind es bestimmte Eigenschaften des Schwiegerkindes? Denkt man, dass es regelmäßige Besuche ablehnt? Sind die Antworten gefunden, bespricht man die Probleme. „Dafür braucht es Lösungsbereitschaft und den guten Willen, auch mal Kompromisse einzugehen.“ Es hilft in solchen Situationen, Schwiegersohn oder Schwiegertochter „einen bisher vielleicht nicht gewährten Vorschuss an Sympathie zu geben“, sagt Guski-Leinwand.

Oft sind Probleme mit dem Schwiegerkind konkret und handfest. Stichwort Einmischung. Senioren haben eine Menge Lebenserfahrung gesammelt. Die geben sie gerne an ihre Kinder und deren Partner weiter. Erfahrungsgemäß haben die mit der Einmischung manchmal ihre Probleme. Klar sei es nicht verboten, die Meinung zu äußern, sagt Ursula Lenz. Aber: „Wenn eine Einmischung bei bestimmten Themen nicht gewünscht ist, akzeptiert man das besser“, ergänzt die Expertin von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (Bagso). „Ich weiß, dass das nicht immer einfach ist.“

Schwierig kann es werden, wenn Senioren mit den Kindern zusammenwohnen und sich die Lebensumstände ändern, etwa im Fall einer Pflegebedürftigkeit. Ein Beispiel: Man selbst will trotz Pflegebedürftigkeit lieber in den vertrauten vier Wänden wohnen bleiben, während das Schwiegerkind einen Pflegeheim-Platz bevorzugt. Solche Konflikte können sich schnell verhärten, erklärt Lenz. Sie rät zu einem unabhängigen Mediator, der vermittelt.

Das können Freunde der Familie sein, der Pfarrer der Gemeinde oder ein Mitarbeiter einer Sozialstation. Lenz betont: „Auf beiden Seiten hat jeder das Recht, über sein eigenes Leben zu entscheiden.“ Nicht immer ist das Schwiegerkind verantwortlich für den Unmut, den es auf sich zieht. Manchmal bildet der Partner des Kindes nur ein Ablassventil für die eigene Unzufriedenheit. Gerade im Alter scheint das eigene Leben mitunter unerfüllt. „Das wird unter Umständen am Schwiegerkind festgemacht“, sagt Lenz. Neue Aufgaben, etwa ein Ehrenamt, können dies ein Stück weit beheben, weiß Lenz.

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