Gesundheit : Ein tödliches Quartett

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Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und schlechte Blutfettwerte bilden das metabolische Syndrom. Mehr zu diesem tödlichen Quartett in unserer Serie auf:

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19. Juni 2012, 11:12 Uhr

Schwerin | Für sich genommen sind Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und schlechte Blutfettwerte nicht lebensbedrohlich. Kommen aber mehrere dieser Krankheitsbilder zusammen - Mediziner sprechen dann vom metabolischen Syndrom - bilden sie ein möglicherweise tödliches Quartett. Geschätzt könnte jeder Vierte in Deutschland im Laufe seines Lebens davon betroffen sein. Die Einzelerkrankungen sind meist durch den Lebensstil bedingt. Karin Koslik hat Fakten zum Metabolischen Syndrom, das unter anderem als Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall gilt, zusammengetragen.

Übergewicht begünstigt Bluthochdruck, Diabetes und schlechte Blutfettwerte. Wie häufig ist es?

"Eine Analyse in Hausarztpraxen in der Bundesrepublik hat im Ländervergleich ergeben, dass in Mecklenburg-Vorpommern jeder vierte Patient im Alter zwischen 18 und 80 Jahren Adipositas der Stufe I, also einen Bodymaßindex über 30 hat", so Privatdozent Dr. Stefan Zimny, Chefarzt der Abteilung für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie/Diabetologie und Rheumatologie an den Helios Kliniken Schwerin. "Jeder Dritte hatte Übergewicht, also einen BMI zwischen 25 und 29." Eine Mehrzahl der Übergewichtigen und Adipösen hätten zugleich Bluthochdruck und ein hohes Risiko für Diabetes mellitus. Mehr als zwei Drittel der Patienten mit einem metabolischen Syndrom leiden bereits unter einem Diabetes. Auch der Anteil der Übergewichtigen mit Fettstoffwechselstörungen sei sehr hoch, so der Schweriner Mediziner. Allerdings seien Übergewicht und die damit zusammenhängenden Erkrankungen nicht allein ein Problem der Mecklenburger und Vorpommern: "In Brandenburg und Niedersachsen ist die Situation ebenso dramatisch, in Sachsen-Anhalt sogar noch schlimmer", weiß Dr. Zimny.

Gibt es darüber hinaus Werte, die für Patienten ein Achtungszeichen sein sollten?

Den Blutdruck messen mittlerweile viele Patienten zu Hause - hier sind Werte ab 140/90 mmHg nicht mehr in Ordnung.

Bei der Bewertung des Körpergewichts wird vielfach auf den Bodymaßindex (Gewicht geteilt durch die Größe im Quadrat) verwiesen. Aus medizinischer Sicht ist der Taillenumfang viel aussagekräftiger, betont der Experte, denn gefährlich ist das Bauchfett. Kritisch wird es für Frauen mit einem Taillenumfang über 80 Zentimeter, richtig gefährlich bei mehr als 88 Zentimetern. Bei Männern beginnt der kritische Bereich bei 94 Zentimetern, gefährlich wird es bei mehr als 102 Zentimetern.

Die Fettstoffwechsel-Werte muss der Arzt bestimmen. Sie werden, wenn Übergewicht oder Bluthochdruck vorliegen, fast immer gestört sein, so Dr. Zimny. Das heißt, die Triglyceride sind erhöht, das HDL-Cholesterin ist vermindert.

Bewegen sich alle oder auch nur zwei der vorstehend genannten Werte im kritischen Bereich, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene dann auch einen Diabetes bekommen, deutlich erhöht.

Wie häufig ist Diabetes?

Es gibt in Deutschland gegenwärtig etwa acht Millionen Diabetiker, jeder Zehnte ist also bereits erkrankt. Der Körper der Betroffenen kann Kohlenhydrate wie Zucker nur ungenügend verwerten - die Folge ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Mehr als 90 Prozent der Erkrankten sind Diabetiker vom Typ 2. Die Veranlagung, an diesem Diabetes-Typ zu erkranken, ist erblich. Wenn nahe Verwandte Typ-2-Diabetes haben, nimmt die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens ebenfalls zu erkranken, deutlich zu. Gefördert wird das Entstehen eines Typ-2-Diabetes durch Übergewicht und Bewegungsmangel. Beides leistet einer Insulinresistenz Vorschub, die eine der wichtigsten Ursachen dieses Diabetes-Typs ist.

Besorgniserregend aus medizinischer Sicht ist, dass die Typ-2-Diabetiker immer jünger werden. Es gibt sogar schon Kinder, die an dieser Form des Diabetes leiden. Und auch ihre Zahl nimmt permanent zu. Eine US-amerikanische Studie ergab, dass schon zwei Stunden Fernsehkonsum pro Tag das Risiko Jugendlicher, an Diabetes zu erkranken, vervierfachen.

Was kann der Einzelne tun, um sich zu schützen?

"Die Ernährung ändern, sich mehr bewegen und dadurch Übergewicht abbauen", zählt Dr. Zimny auf. "Denn wenn das Gewicht sinkt, sinkt auch der Bluthochdruck, der Blutzuckerspiegel und die Blutfettwerte normalisieren sich." Zehn Kilogramm weniger Gewicht seien gleichbedeutend mit einem um zehn Messpunkte niedrigerem Blutdruck - aus 150/100 würden also 140/90. Doch diese zehn Kilogramm sollte man nicht zu schnell verlieren - Crash-Diäten führen zu keinem dauerhaften Gewichtsverlust, warnt der Arzt. "Wenn monatlich 0,5 bis ein Kilogramm abgebaut werden, ist das optimal." Sein Tipp: Statt mit der Waage kann man auch am Gürtel messen. "Kann man den Gürtel um ein Loch enger schnallen, wiegt man etwa 2,5 kg weniger. Denn der Abstand der Löcher im Gürtel ist genormt ein Inch." Auf das hier gebräuchliche Maßsystem übertragen heißt das: Ein um zwei Zentimeter verringerter Taillenumfang ist gleichbedeutend mit einem Gewichtsverlust von zwei Kilogramm.

Aber wie nimmt man kontinuierlich und dauerhaft ab?

"Am Anfang sollte ein Tagebuch stehen, im dem man sowohl an einem normalen Arbeitstag als auch an einem klassischen Wochenende alles auflistet, was man isst und trinkt", so Dr. Zimny. Werden diese Aufzeichnungen ausgewertet, könnte sich z. B. schnell herausstellen, dass es gar nicht die Schokolade, sondern vielmehr die Limonade oder Cola ist, die sich auf der Taille niederschlägt. Fallstricke in der Ernährung seien auch Fertig- und angeblich fettarme Produkte, die sehr viel Zucker enthalten, sowie Alkohol mit seinem hohen Kaloriengehalt.

Ziel der Ernährungsumstellung muss sein, täglich 600 kcal einzusparen. Am effektivsten ist das mit gesunder Mittelmeerkost möglich - sie beinhaltet überwiegend pflanzliche Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Salat; Olivenöl statt Butter, Sahne und anderen tierischen Fetten; eher Fisch als Fleisch. "Ohne gleichzeitig körperlich aktiv zu werden, wird man aber kaum Gewicht verlieren" , warnt Dr. Zimny. "Der Energieverlust muss mit Bewegung angekurbelt werden." Dabei ginge es, zumal bei starkem Übergewicht, gar nicht darum, Sport zu treiben. Jede Form der Bewegung, auch Gartenarbeit, wandern oder Holz hacken, hilft. Allerdings braucht man einen langen Atem: "7000 kcal müssen verbrannt werden, um ein Kilogramm abzunehmen", macht Dr. Zimny deutlich.

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