Ein falscher Fingerzeig

von
18. Mai 2011, 07:47 Uhr

"Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh": In Deutschland würde sich daran wohl niemand stören. Im Gegenteil. Füße zu Hause oder bei Freunden für andere sichtbar hochzulegen, ist ein Zeichen von Lässigkeit und Wohlfühlen - gleichwohl auch hierzulande diese Geste nicht an jedem Ort angebracht ist.

Auf politischem Parkett haben Füße allerdings schon für mächtig Ärger gesorgt. Der US-Kongressabgeordnete Bill Richardson wollte 1995 mit Saddam Hussein im Irak über die Freilassung zweier Amerikaner verhandeln. Er soll beim Sitzen allerdings seine Beine so gehalten haben, dass Hussein dessen Schuh- und damit symbolisch die Fußsohle sehen konnte. Ein großer Fehler. Wo der Schuh drückt? Er gilt in vielen arabischen - wie auch asiatischen - Ländern als schmutzigstes Kleidungsstück, der Fuß als das schmutzigste Körperteil. Das eine oder andere offen zu zeigen, wirkt beleidigend und verachtend. Es heißt, Hussein habe das Gespräch abgebrochen. Die beiden Amerikaner seien am Ende allerdings doch freigekommen.

Auch Montasser al Saidi hätte nach einem Kugelschreiber greifen können, nach seinem Notizblock oder etwas anderem aus seiner Tasche. Doch der irakische Journalist entschied sich, seine Schuhe nach George W. Bush zu werfen. Der damalige US-Präsident nahm die Attacke auf einer Pressekonferenz im Dezember 2008 augenscheinlich mit Humor, witzelte zweideutig darüber, dass er schon immer gut im Wegducken gewesen sei. Offenbar war auch ihm nicht bewusst, wie tief al Saidis Verachtung war.

Gerade im Urlaub sind Hände und Füße wichtig für die Verständigung, wenn die Sprache allein dafür nicht ausreicht. Doch Vorsicht: Andere Länder, andere Gesten. Sylvia Parton hat mögliche Fettnäpfchen zusammengetragen.


Piepvogel
Was ist an einem Zeigefinger, der an die Stirn tippt, missverständlich? In Amerika kann er je nach dem, welches Gesicht man dazu macht, auch ein Kompliment sein und signalisieren, dass jemand sehr schlau war.

Fingerkreis
Wer in Belgien oder Tunesien beim Essen gefragt wird, ob es schmeckt, sollte auf keinen Fall mit Daumen und Zeigefinger in Kopfhöhe einen Fingerkreis formen und auf Nachschlag hoffen. In diesen Ländern steht das Zeichen anders als in Europa, Nordamerika und der Tauchersprache nicht für "alles bestens". Es bewertet die bezeichnete Sache vielmehr als "wertlos".

In Spanien, Malta, Griechenland und Frankreich symbolisiert sie die Körperöffnung zwischen den Pobacken und kommt dem Stinkefinger gleich. In Japan hingegen ist es ein Zeichen, dass es nun Zeit ist, über Geld zu sprechen.
Daumen hoch
Wenn man im Nahen Osten den Daumen nach oben streckt, ist überhaupt nichts gut, toll oder super. Ganz im Gegenteil, dann kann der andere einen gerade mal. Auch als Tramper würde man dort mit dieser Geste nicht weit kommen. Ebenso wie beispielsweise in Australien. In Down Under drückt sie Geringschätzung aus - kein gutes Zeichen, um voranzukommen.

In China sollte man in Restaurants mit dem Daumen vorsichtig umgehen. Außer, man möchte wirklich fünf Getränke bestellen. Und wer in der Türkei Einheimischen damit vielleicht einfach nur signalisieren möchte, dass ihm das Land gefällt, lädt sein Gegenüber damit möglicherweise ungewollt zu homosexuellen Praktiken ein.

Zwei Finger
Die Kneipe ist voll, der Lärmpegel hoch, da reichen auch zwei Finger, um der Kellnerin zu zeigen, dass man von dem Wein gern noch zwei Gläser hätte. Also Daumen und Zeigefinger hoch. In China sollte man so dagegen am besten nichts bestellen - es sei denn, man ist sich wirklich sicher, dass der Kellner acht Gläser Wein bringen soll. Dort steht diese Geste nämlich für ebendiese Zahl. In Italien wiederum kann sie ein Zeichen dafür sein, dass etwas nicht gut ist.

Fingerkreuzen
Ich schwöre. Oder nicht? Wer seinen Zeige- und Mittelfinger kreuzt, meint es mit seinem Schwur nicht ernst. In Kanada und Brasilien wünschen sich die Menschen auf diese Art hingegen viel Glück. In China symbolisiert das die Zehn.

Victory-Zeichen
Wer sich in einer Kneipe in Großbritannien, Australien, Neuseeland oder auf Malta mit Zeige- und Mittelfinger - in hierzulande üblicher Geste also - zwei Bier bestellen möchte, sollte aufpassen, in welche Richtung die Handinnenfläche zeigt. Sonst kann es passieren, dass es statt des Bieres mächtig Ärger gibt. Zeigt sie nicht zum Kellner, hält er die Geste für eine Beleidigung ähnlich dem Stinkefinger. Die ebenfalls mit diesen Fingern im Victory-Zeichen symbolisierte Siegesfreude könnte in diesen Ländern dann auch ganz schnell zur Niederlage werden.
Kopf schütteln
Das weiß doch jedes Kind: Wenn man etwas nicht möchte, schüttelt man den Kopf. In Ländern wie Bulgarien, Sri Lanka oder Pakistan würde man die abgelehnte Sache dann aber erst recht bekommen. Die Äthiopier sagen hingegen Ja, indem sie ihren Kopf in den Nacken legen. Die gleiche Geste steht zum Beispiel in Griechenland, der Türkei, im Süden Italiens oder in arabischen Ländern für nein. Vielen Asiaten kommt ein "Nein" nur selten über die Lippen. Bei ihnen kann zum Beispiel ein zögerliches "Ja" ein höflich verpacktes "Nein" sein.
Augen schließen
Unhöflicher geht es wohl kaum: Da hat man nächtelang an der Präsentation gearbeitet oder die richtigen Worte für eine wichtige Rede gesucht und dann das: Die Zuhörer sitzen mit geschlossenen Augen vor einem. Ist der Vortrag wirklich zum Einschlafen langweilig? Nicht, wenn er in Japan auf Gehör stoßen soll. Dort ist es ein Zeichen von großer Aufmerksamkeit und Konzentration, beim Zuhören die Augen zu schließen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen