Ratgeber: Minijobber in Privathaushalten : Dumpinglöhne sind tabu

<strong>Für das Putzen</strong> engagieren viele Verbraucher eine Haushaltshilfe. Wer sie bei der Minijobzentrale anmeldet, kann sich einen Teil der Kosten vom Finanzamt zurückholen. <foto>Kai Remmers, dpa</foto>
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Für das Putzen engagieren viele Verbraucher eine Haushaltshilfe. Wer sie bei der Minijobzentrale anmeldet, kann sich einen Teil der Kosten vom Finanzamt zurückholen. Kai Remmers, dpa

Ob zum Putzen, Kochen oder für die Kinderbetreuung - immer mehr Haushalte holen sich eine bezahlte Hilfe. Aber auch Minijobber haben Anspruch auf Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Mindestlohn.

svz.de von
29. Januar 2013, 10:47 Uhr

Ob zum Putzen, Kochen oder für die Kinderbetreuung - immer mehr Haushalte holen sich eine bezahlte Hilfe. Ende 2012 waren erstmals mehr als 250 000 Minijobber in Privathaushalten gemeldet. So viele Arbeitsverhältnisse zählte die Minjob-Zentrale in Essen. Tatsächlich dürften noch weit mehr Menschen als Haushaltshilfen arbeiten: "Wir gehen bei Privathaushalten von einer Schwarzarbeitsquote von weit über 50 Prozent aus", sagt Christian Schirk von der Minijob-Zentrale.

Steuerliche Abzugsfähigkeit

Auch um die hohe Schwarzarbeitsquote zu senken, hat der Gesetzgeber eine großzügige steuerliche Abzugsfähigkeit von haushaltsnahen Dienstleistungen vorgesehen: "Der Arbeitgeber kann 20 Prozent seiner Kosten direkt von seiner Steuerschuld abziehen", sagt Schirk. Bis zu 510 Euro könnten Privathaushalte so jährlich absetzen. Für Kinderbetreuung könnten sogar zwei Drittel der Aufwendungen, maximal jedoch 4000 Euro pro Kind und Jahr, als Sonderausgaben geltend gemacht werden. "Unterm Strich bringt das mehr als die Sozialabgaben, die für einen Minijob abgeführt werden müssen", sagt Elke Wieczorek, Geschäftsführerin des Berufsverbands der Haushaltführenden (DHB) in Bonn. Dafür müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt werden: "Haushaltsnahe Dienstleistungen sind Tätigkeiten, die man auch selbst erledigen kann", erläutert Wieczorek. Also beispielsweise Reinigungs- oder Gartenarbeiten, nicht aber die Reparatur des Dachstuhls. Als Minijob gilt eine Arbeit, wenn dabei nicht mehr als 450 Euro im Monat verdient werden.

Meldeverfahren

Ein Vorteil von Minijobs ist das vereinfachte Meldeverfahren für Privathaushalte: "Wer auf 450-Euro-Basis im Haushalt beschäftigt ist, muss an die Minijob-Zentrale gemeldet werden", sagt Schirk. "Wir melden den Beschäftigten dann bei den Sozialversicherungen an." Das gelte auch für die Reinigungskraft, die nur 100 Euro im Monat bekomme. Dafür gibt es auf der Website der Minijob-Zentrale ein Formular, den Haushaltsscheck, den Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam ausfüllen und unterschrieben einschicken müssen.

"Wir machen im Grunde die komplette Buchhaltung, die sonst der Arbeitgeber übernehmen würde", erklärt Schirk. Im Gegenzug erteilt der private Arbeitgeber der Minijob-Zentrale eine Einzugsermächtigung für alle fälligen Abgaben. Dieser Arbeitgeberanteil beträgt etwa 14 Prozent des Lohns. Darin enthalten sind Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung, eine Pauschalsteuer und der Beitrag für eine Unfallversicherung, die die Minijob-Zentrale abschließt. Der Arbeitnehmer muss nichts weiter zahlen.

Minijob in der Gleitzone

Beiträge zur Pflege- und Arbeitslosenversicherung fallen erst an, wenn die Verdienstgrenze überschritten wird: "Ab 450 Euro greift die volle Sozialversicherungspflicht", sagt Lutz Tillack von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten (NGG) in Hamburg. Der Arbeitgeber muss die Haushaltshilfe dann bei einer Krankenkasse anmelden und alle Sozialversicherungsbeiträge abführen. Bis zu einem Gehalt von 850 Euro gibt es eine Gleitzone, in der die Beiträge langsam steigen. "Es ist dann sinnvoll, einen Steuerberater mit der Angelegenheit zu betrauen, um nichts falsch zu machen", sagt Elke Wieczorek.

Entlohnung

Fallen lauern auch noch an anderer Stelle: So muss auch Beschäftigten im Haushalt eine Art Mindestlohn gezahlt werden. Zwar gebe es keine offiziellen Mindestlöhne oder Tarifverträge für Privathaushalte, erklärt Christian Schirk. "Eine Lohnuntergrenze ergibt sich allerdings aus dem Konstrukt der Sittenwidrigkeit." Werden weniger als zwei Drittel eines vergleichbaren Tariflohns gezahlt, liegt ein sittenwidrig niedriger Lohn vor, urteilte das Bundesarbeitsgericht 2009. Dann können auch Sozialbeiträge nachträglich erhoben werden. Das kann schnell teuer werden: "Werden die 450 Euro rückwirkend überschritten, können schnell saftige Rentennachforderungen auf Sie zukommen", sagt Wieczorek. "Viele Privathaushalte fragen uns daher: Was muss ich denn zahlen, damit ich keinen Fehler mache?"

Eine Richtschnur sind die von der Gewerkschaft NGG ausgehandelten Tarife. "Unsere Tarifverträge geben eine Orientierung, was für die verschiedenen Tätigkeiten gezahlt werden sollte", sagt Tillack. In Nordrhein-Westfalen reichen die vereinbarten Stundenlöhne beispielsweise von 9,76 Euro für eine ungelernte Kraft bis zu 17,13 Euro für einen Meister der Hauswirtschaft. Die jeweils geltenden Tarife können gegen eine Gebühr bei den Landesverbänden des DHB erfragt werden.

Arbeitnehmer, die sich ungerecht behandelt fühlen, können sich zudem von der NGG beraten lassen: "In unserer Beratung prüfen wir, ob Lohnwucher vorliegt", sagt Tillack. Dafür existiere ein spezieller Prüfkatalog, der auch den ortsüblichen Vergleichslohn berücksichtige.

Arbeitsvertrag

Daneben gebe es noch weitere Punkte, auf die es beim Beschäftigungsverhältnis ankomme, sagt der Gewerkschafter Tillack. "Der Arbeitnehmer hat auch im Haushalt ein Recht auf einen Arbeitsvertrag." Doch auch für die Arbeitgeberseite kann ein solcher Vertrag wichtig sein: "Der Arbeitnehmer darf nicht mehrere Minijobs haben und damit auf über 450 Euro kommen", warnt Wieczorek. Sonst werde die Verdienstgrenze überschritten. "Das sollte man sich vorher immer schriftlich bestätigen lassen."

Urlaub und Krankheit

Auch beim Minijob haben Arbeitnehmer das Recht auf Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, erklärt die DHB-Geschäftsführerin. Der Urlaubsanspruch beträgt jährlich mindestens 24 Tage. Da das Bundesurlaubsgesetz aber von sechs Werktagen pro Woche ausgeht, muss der Urlaub auf die vereinbarten Werktage umgerechnet werden. Ein Beispiel: Einer Putzhilfe, die einmal pro Woche kommt, stehen vier Urlaubstage zu.

Wer diesen Verwaltungsaufwand scheue, für den sei ein Dienstleistungszentrum die bessere Alternative. "Die schicken jemanden auf Anfrage und übernehmen alle Versicherungsleistungen." Wie bei einem Handwerker gibt es eine Rechnung.

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