Verbraucher : Dispokredit weiter in der Kritik

Ein Dispokredit ist teuer.
Ein Dispokredit ist teuer.

Die jüngste Untersuchung der Stiftung Warentest rügt hohe Zinsen sowie undurchsichtige Preispolitik der Geldinstitute.

von
18. August 2015, 23:08 Uhr

Seit Jahren stehen die hohen Dispozinsen in Deutschland in der Kritik. In ihrer jüngsten Untersuchung legt die Stiftung Warentest das Augenmerk auf die Klarheit der Angaben. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema zusammengefasst.

Wer braucht eigentlich einen Dispokredit?

Gedacht ist er für die kurzfristige Überziehung des Girokontos. So kann ein Bankkunde zum Beispiel eine Rechnung bezahlen, auch wenn vorübergehend kein Guthaben vorhanden ist. Üblicherweise räumen Banken und Sparkassen das Zwei- bis Dreifache eines Monatseinkommens als Dispokredit ein. Wer längere Zeit Geld braucht, fährt mit einem Raten- oder Abrufkredit besser.

Wie bewerten die Tester das Niveau der Dispozinsen?

Den durchschnittlichen Dispozins von 10,25 Prozent – 0,4 Punkte weniger als vor einem Jahr – hält die Stiftung Warentest noch immer für zu hoch. Denn die Geldhäuser könnten sich bei der Europäischen Zentralbank Geld derzeit fast umsonst leihen. Zudem sei das Ausfallrisiko gering. Die Deutsche Kreditwirtschaft nennt dagegen einen durchschnittlichen Dispozinssatz von 8,83 Prozent, das sei der tiefste Wert seit mindestens zehn Jahren.

Was missfällt der Stiftung Warentest besonders?

Mangelnde Klarheit lautet der Vorwurf an eine Reihe von Banken und Sparkassen. Bei 56 Kreditinstituten sei es schwer gewesen, die genaue Höhe der Dispozinsen herauszufinden. Ein Teil gab einen Referenzzinssatz mit einem Aufschlag von x Prozent an. Andere Banken verlangten unterschiedliche Zinssätze je nach Kontomodell. Wieder andere machten die Höhe des Dispozinses von der Bonität des Kunden abhängig.

Wie bedeutsam ist der Dispozins?

Die Höhe des Dispozinses sollte nicht das einzige Kriterium für die Auswahl eines Girokontos sein. „Bankkunden müssen auch andere Kosten und Entgelte beachten“, sagt der Finanzexperte des Verbands der Verbraucherzentralen, Frank-Christian Pauli. „Ein niedriger Dispozins geht häufig mit hohen Kontoführungsgebühren einher.“ Das erschwere einen Vergleich. Die Kreditwirtschaft hebt hervor, eine große Zahl der deutschen Bankkunden nehme den Dispokredit überhaupt nicht in Anspruch und nur wenige Kunden nutzten ihn dauerhaft.

Was plant die Bundesregierung?

Kreditinstitute sollen gesetzlich verpflichtet werden, die aktuellen Zinssätze gut sichtbar auf ihre Internetseite zu stellen. Zudem müssen Banken und Sparkassen jenen Kontoinhabern künftig ein Beratungsgespräch anbieten, die ihren Dispokredit ein halbes Jahr lang zu durchschnittlich mehr als 75 Prozent ausgeschöpft oder ihr Konto über das eingeräumte Limit hinaus überzogen haben. Einen entsprechenden Entwurf hat das Bundeskabinett am 15. Juli beschlossen. Die Ergebnisse der Warentester zeigten, dass die Regelungen für mehr Transparenz dringend geboten seien, stellte das Justizministerium gestern fest. Ein weiterer Gesetzentwurf zur Vergleichbarkeit von Girokonto-Konditionen werde vorbereitet.

Autor: Bernd Röder

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen