„Schule der Zukunft – alles digital?!“ : Zwischen „viel Lust“ und Skepsis

Tablets im Unterricht gehören noch in wenigen deutschen Schulen zum Alltag
Tablets im Unterricht gehören noch in wenigen deutschen Schulen zum Alltag

Lehrer in der digitalen Welt: Sind Deutschlands Klassenzimmer immer noch eine digitale Wüste?

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22. November 2015, 16:34 Uhr

LeFloid (28) weiß, wie Jugendliche in der digitalen Welt von heute ticken. Deshalb soll der YouTube-Videoblogger bei der Berliner Konferenz „Schule der Zukunft – alles digital?!“ erklären, warum Computer, Smartphone und Tablet ein wichtiger Teil des Unterrichts sein können, ja müssen.

Stimmt es, dass viele Lehrer mit digitalen Medien nicht zurechtkommen?
LeFloid betont, dass manche Pädagogen „unglaublich viel Lust“ haben, mit digitalen Medien zu arbeiten - doch viele wollten sich auf ihre alten Tage eben nicht mehr darauf einlassen. Das entspricht bei aller Zuspitzung den Ergebnissen der Lehrer-Studie „Schule digital“, die von der Deutsche Telekom Stiftung präsentiert wurde. Laut Umfrage bei bundesweit 1250 Lehrern setzt kaum die Hälfte (47,6 Prozent) mindestens einmal pro Woche im Unterricht Computer ein. Knapp jeder dritte Pädagoge (30,2 Prozent) entwickelt zusammen mit Kollegen computergestützte Unterrichtsstunden. Andererseits: Fast sechs von zehn Lehrern (57,9 Prozent) wünschen sich mehr Unterstützung für eine digitale Offensive im Klassenzimmer.

Wie erklärt sich die Skepsis vieler Lehrer?
Am häufigsten hörten die Bildungsforscher um Wilfried Bos bei ihren Lehrerbefragungen für den „Länderindikator 2015“, dass der Einsatz von Computern die Schreibfähigkeiten der Schüler verschlechtere. Außerdem befürchten viele Pädagogen, dass die Kontrolle über den Unterricht verloren geht. Dass Schüler sich Informationen nur noch unreflektiert per „Copy and Paste“ aus dem Netz ziehen – auch dieser Verdacht ist bei Lehrern besonders verbreitet.

Sind gutwilligen Lehrern durch miese IT-Ausstattung die Hände gebunden?
Nur etwas mehr als die Hälfte der befragten Lehrer gaben an, an ihrer Schule stehe eine ausreichende IT-Ausstattung bereit. Aber: Immerhin fast zwei Drittel sind mit Geschwindigkeit und Stabilität der Internetverbindung zufrieden. Der „Länderindikator“ zeigt, dass derzeit fast die Hälfte der Lehrer Zugriff auf mobile Geräte wie Laptops oder Notebooks hat. Ebenfalls etwa jeder zweite Pädagoge gibt an, dass seine Schüler für den Unterricht eigene Geräte nutzen dürfen.

Fühlen sich Lehrer konzeptionell gut gerüstet?
Lediglich etwa ein Drittel hält die pädagogische Unterstützung für ausreichend. Am besten sieht es dabei in den Stadtstaaten Bremen und Hamburg aus, die ansonsten bei Bildungsvergleichen wie PISA schwach abschneiden. Insgesamt kann bundesweit knapp die Hälfte der Lehrer auf schulinterne Medienkonzepte zurückgreifen.

Und was tut die Politik?
Verfechter einer digitalen Bildung wie der Unions-Fraktionschef Michael Kretschmer, fordern mehr Anstrengungen für echte Computer-Kompetenz an den Schulen. Der CDU-Mann verweist auf die ICILS-Studie, wonach Achtklässler in Deutschland mit ihren Computer-Fähigkeiten nur im Mittelfeld liegen. Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe, Sprecher der rot-grün geführten Länder in der Kultusministerkonferenz, räumt ein, „dass alle Bundesländer in diesem wichtigen Themenfeld erst am Anfang stehen“. Und er versichert: Man sei dabei, „ein konkretes Handlungskonzept zum Thema digitales Lernen zu erarbeiten“ - besonders für bessere Bildungspläne und mehr Lehrerfortbildungen.

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