SVZ auf der Cebit : Zwischen Robotern und VR-Brillen

Ganz in Magenta: der Messestand der Telekom
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Ganz in Magenta: der Messestand der Telekom

Wir waren für Sie auf der weltweit größten Computermesse. Auf der Cebit zeigen auch zwei Firmen aus MV ihre Produkte.

svz.de von
16. März 2016, 21:00 Uhr

Der Weg zur Cebit wirkt futuristisch. Ein sicher hundert Meter langer Tunnel, komplett verglast, und wie im Flughafen werden die Besucher auf Rollbändern Richtung Messe befördert. Doch voll ist es keineswegs: kein Warten vorm Eingang, keine Schlangen an der Garderobe. In der ersten von fünfzehn Messehallen ist es verhältnismäßig ruhig. Drei weiße Roboter tanzen im Takt zur Musik vor einem großen Bildschirm und ziehen direkt alle Blicke auf sich.

Ansonsten gibt es auf den ersten Blick wenig technische Highlights zu entdecken. Zwar wimmelt es nur so von Bildschirmen, Tablets und Handys, doch die dienen lediglich dazu, die Software der Aussteller zu präsentieren. Das Bild der Cebit ist geprägt von riesigen und aufwendig gestalteten Messeständen, auf denen bekannte Namen wie Microsoft, GData oder ARD prangen.

Schnell wird klar, auf dieser Messe geht es nicht darum, neue Produkte zu verkaufen, sondern um Fachgespräche. Fast jeder Stand hat eigene Sitzgelegenheiten, viele sogar eine eigene Bar, um die Gesprächspartner mit Getränken zu versorgen.

Je größer der Name, desto imposanter der Auftritt. Die Telekom hüllt beinahe eine halbe Halle in kräftiges Magenta. Doch viel zu entdecken gibt es auch hier nicht: Eine Kletterwand ist aufgebaut, darauf steht in pinker Schrift „Karriere“ geschrieben. Ein junger Mann klettert hoch, betätigt am Ziel den Buzzer und erhält als Andenken ein Selfie. Was für ein Erfolg.

Dass sich die Cebit in erster Linie an Unternehmen und weniger an den einzelnen Kunden richtet, spiegelt sich auch im Publikum wieder: Anzugträger aus aller Welt dominieren das Bild. Gesprochen wird fast ausschließlich Englisch. Gastland ist in diesem Jahr zwar die Schweiz, doch insgesamt sind vor allem asiatische Firmen, die riesige Serveranlagen, finigrane Technik oder ultrasichere Software präsentieren, anwesend. Immer wieder fallen Schlüsselbegriffe wie Security, Cloud oder Networking. Die Vernetzung alltäglicher Gegenstände (Internet of Things) ist zusammen mit SmartCities (vernetzte Städte) ein eindeutiger Fokus in diesem Jahr.

Doch neben Technikriesen präsentieren sich auf der Cebit hier auch innovative Startups wie PipesBox aus Rostock. Das junge Unternehmen wurde 2012 von Informatikabsolvent Elmar Zeeb ins Leben gerufen, der zu der Zeit an der Uni Rostock promovierte. „Anstatt für den Doktortitel, habe ich mich für eine Firmengründung entschieden“, erinnert sich der 37-jährige Rostocker. Sein Produkt ist die Smarthome-Zentrale Naon, die mit Geräten unterschiedlichster Hersteller kommuniziert. Das funktioniert auch über Wlan und Bluetooth, aber in erster Linie mit Hilfe sogenannter Z-Waves. Eine Technik, die namhafte Anbieter wie Philipps bereits für ihre Lampen nutzen.

Smarte Technik aus Rostock

Naon kann zum Beispiel das Licht anschalten, die Heizung aufdrehen oder das Fenster öffnen. Zusätzlich erkennt das Gerät Gesten, misst die Temperatur und braucht nicht mehr als Strom und Internetzugang, um seinen Dienst zu starten. „Uns war es wichtig, dass wirklich jeder Naon bedienen kann, deshalb haben wir es so einfach wie möglich gestaltet“, erklärt Zeeb. Doch verkauft wird auf der Messe nicht, Business-Partnerschaften mit Osram oder Philipps seien das Ziel.

Nur vier Stände weiter haben zwei weitere Rostocker ihren kleinen Stand. Es sind Frank Thiessenhusen und Andre Schütz von Wegtam. Ihre Software „Tensei-Data“ hilft dabei, Daten von einem System in ein anderes zu übertragen. Dabei erkennt das Programm die Datenstruktur automatisch und ermöglicht, Dokumente verschiedener Typen zusammenzuführen.

Dass Wegtam aus Mecklenburg-Vorpommern kommt, ist anhand ihres Standes nicht erkennbar. Anders als andere Bundesländer gibt es für MV keinen eigenen Gemeinschaftsstand. Stattdessen finden sich Wegtam, wie auch PipesBox auf der sogenannten Startup-Base wieder.

Warum so wenig andere Firmen aus MV präsent sind, erklärt Thiessenhusen: „Es gibt hier kaum Konsumenten. Die Messe richtet sich eher an Unternehmen.“ Neue Smartphones, hippe Give-Aways und Stände zum Ausprobieren gibt es auf der Cebit kaum. „Hier wird nicht über Geld gesprochen, es geht nur um reine Markforschung“, bestätigt auch Besucher Peter Wendig. Er ist für die IT-Netzwerke der städtischen Schulen in Schwerin verantwortlich. „Ich möchte mir einen Überblick verschaffen, was der Markt für Bildungseinrichtungen zu bieten hat“, sagt er. Ihm gehe es vor allem um spezielle Funknetze und professionelle Sicherheitslösungen. „Schüler sollen von Zuhause auf die Daten zugreifen, aber gleichzeitig auch eigene Projekte hochladen können. Das muss sicher und eindeutig voneinander getrennt sein.“ Software, die diese Funktionen ermöglicht, gibt es bereits, doch eine zentrale Verwaltung und hohe Sicherheitsstandards, bieten die wenigsten. „Ich will nicht an jedem Teil einzeln schrauben müssen“, erklärt Wendig. In Schwerin soll noch in diesem Jahr eine Schule mit einer professionellen Sicherheitslösung ausgestattet werden.

Während Wendig nach neuer Sofware Ausschau hält, stellt das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern in Halle sieben das neue Online-Wohngeld vor. Dieses kann, wie der Name verrät, online beantragt werden und spart so Behördengänge. Außerdem wird eine zentrale Vermittlungsstelle für Gewerbeanzeigen eingeführt, die Firmenanmeldungen vereinfachen soll. Bereits in diesem Jahr sollen beide Tools verfügbar sein.

Da der Aufenthalt auf der Messe schnell mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann, ist auch für die Verpflegung gesorgt. Dafür gibt es eine eigene Halle, die komplett im Oktoberfeststil eingerichtet ist. Auf der Karte stehen Weißwurst, Haxe und Leberkäs. Eine Band spielt Volkslieder, bedient wird in Lederhosen und Dirndl. Die internationalen Besucher sind begeistert - Cebit und Oktoberfest an einem Tag.

Tatsächlich werden auf der gesamten Messe außer Lebensmitteln so gut wie keine Produkte verkauft. Dennoch gibt es auch für Normalverbraucher einiges zu sehen. Interessant ist beispielsweise „ActiWait“, eine Technik die an die Ampelschaltung gebunden ist. Wartende können sich während der Rotphase mit einem Mini-Spiel die Zeit vertreiben. Publikumsmagnet Pepper, der kleine weiße Roboter, der Mimik und Gestik erkennen soll, präsentiert sich jedoch zurückhaltend und interagiert tatsächlich eher wenig mit den Besuchern. Wer möchte, kann sich auch eine Auszeit in einem der supermodernen Massagesesseln von Boyfriend gönnen, bevor man sich wieder auf Rollbändern aus der Halle befördern lässt.

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