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Medienerziehung : Zwischen Laptop und Glotze

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kinder wachsen mit Medien auf. Doch was dürfen sie wann und wie oft konsumieren? Experten erklären, worauf Eltern achten sollten.

svz.de von
erstellt am 04.Okt.2014 | 15:00 Uhr

Kinder sind umgeben von elektronischen Medien. Vater surft mit seinem Notebook im Internet, Mutter macht Fotos mit dem Smartphone und der Fernseher läuft. Umso wichtiger ist die Frage, der sich keine Elterngeneration je zuvor so drängend stellen musste: Wie gehe ich damit um?

In einem sind sich Experten einig: Für Kinder unter drei Jahren sollten Fernseher und Co. tabu sein. Keine Teletubbys, keine Spiele auf dem Smartphone und auch kein Hörspiel zum Einschlafen. „Medien überfordern Kinder in dem Alter“, sagt Medienpädagoge Uli Tondorf.

Die Kleinen können sich noch schlecht konzentrieren, Fiktion kaum von Realität trennen, Zusammenhänge nicht einordnen.

Ab etwa drei Jahren kommt dann alles auf das Wie an: Denn Eltern sollten den Medienkonsum ihrer Kinder steuern und begleiten.

Je nach Wesen des Sprösslings sind für Drei- bis Fünfjährige eine Viertel- bis Dreiviertelstunde täglich in Ordnung. Wichtiger als der Zeitfaktor aber ist, dass Eltern ihre Kinder nicht damit allein lassen. „Die Wirkung von Medien hängt vom Umfeld ab“, weiß unser Medienexperte Henning Fietze. „Je mehr Zeit die Eltern haben, über Medien zu reden, desto weniger können diese in eine Person eingreifen.“ Außerdem sollten Eltern transparente Regeln schaffen, die sie begründen, aber auch diskutieren lassen. Und sie sollten darauf achten, dass sie ihrem Sprössling nur Sendungen und Spiele zumuten, denen es gewachsen ist.

Da Kinder nicht selbst reflektieren können, ob ihnen etwas gut tut, ist es wichtig, sie zu beobachten und sich das Gesehene nacherzählen zu lassen.

„So merkt man, wie es angekommen ist und wie das Kind dabei empfindet“, erklärt Uli Tondorf. Schnelle Schnitte, Gefühlsachterbahnen, zu lange Filme oder mehrere Erzählebenen sind für kleine Kinder meist ungeeignet. „Gucken Sie sich dasselbe „Pingu“-Filmchen auf Youtube zusammen mit Ihrem Kind ein paar Mal miteinander an, erklären sie es und sprechen sie darüber“, schlägt Henning Fietze vor.

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, sein Kind komplett von Handy, Fernseher und Computer fern zu halten.

„Ein Kind ohne Medien kann sich natürlich toll entwickeln“, sagt Henning Fietze. Denn, darin sind sich die Experten einig: Medien schaden – richtig dosiert – dem Kind nicht. Aber sie nützen ihm auch nicht besonders.

Allerdings sollten Eltern bedenken, dass in einer Zeit, in der Computer & Co. zum Alltag gehören, jedes Kind früher oder später ihre Nutzung lernen muss. „Da ist es womöglich besser, sich mit seinem Kind schon früher aktiv damit auseinanderzusetzen, als dass es beim Einstieg in die Grundschule davon überrollt wird“, gibt Fietze zu bedenken.

Übrigens: Wie bei allem ist die Vorbildfunktion der Eltern wesentlich. Wer den Nachmittag mit dem Laptop auf den Knien oder vor dem Fernseher verbringt, kann schwerlich von seinem Kind erwarten, dass es all dem kein Interesse schenkt.

Und: „Wenn ich die Glotze den ganzen Tag laufen habe, kann ich davon ausgehen, dass die Kinder Sachen konsumieren, die für sie nicht geeignet sind. Ich setze Grundschüler auch nicht dem Lernstoff von Gymnasiasten aus“, sagt Henning Fietze.

Und dann ist da noch etwas, von dem Eltern ihre Finger lassen sollten. „Von Lernspielen rate ich ab“, stellt Fietze klar.

„Jedes Spielzimmer beim Arzt ist besser als ein Computerspiel, bei dem man geometrische Figuren zusammenfügen muss.“ Denn, so der Medienexperte: „Für unter Sechsjährige gibt es kein Lernspiel. Für sie gibt es den Spielplatz!“

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