YouTuber faszinieren Millionen

Gronkh“ (links) ist auf YouTube ein Star mit 3,3 Millionen Abonnenten
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Gronkh“ (links) ist auf YouTube ein Star mit 3,3 Millionen Abonnenten

Die Online-Videoplattform YouTube bringt neue Selfmade-Medienstars in Reihe hervor Die Szene wird stetig professioneller

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12. Dezember 2014, 20:15 Uhr

Den Bildschirm füllt die bunte Animations-Welt eines Computerspiels. In einem kleinen Fenster wird der Spieler eingeblendet: Erik Range, 37 Jahre, Vollbart, lange Haare. Per Kopfhörer und Mikrofon kommentiert er, was er gerade tut. Redet ein wenig über Gott und die Welt, tauscht sich mit Mitspielern aus. Es wird gelacht, geballert, erklärt, gebrüllt. Und gefilmt. Später wird Range das entstandene Video, ein sogenanntes „Let’s play“, auf seinen Kanal auf der Online-Plattform YouTube laden – und Zehntausende Menschen werden es ansehen. Denn dort ist Erik Range „Gronkh“. Und „Gronkh“ ist auf YouTube ein Star.

Genau genommen ist er mit rund 3,3 Millionen Abonnenten der reichweitenstärkste deutsche YouTuber von allen, ergab eine am Dienstag veröffentlichte neue Rangliste der Plattform. Doch es boomen nicht nur seine „Let’s plays“ und die anderer Gamer. Kaum veröffentlicht, werden auch die Comedy-Videos von „Y-Titty“ oder „iBlali“, die peppigen Nachrichtenclips von „LeFloid“ und „Was geht ab?“ oder die Schönheits- und Schminktipps auf den Kanälen „daaruum“ und „Bibis Beauty Palace“ zehntausende Male geklickt. Ihre Schöpfer haben allesamt ein Millionenpublikum, meist im Alter zwischen 12 und 20 Jahren.

Dabei sind viele YouTube-Stars selbst kaum älter als ihre Zuschauer, produzieren alle Inhalte selbst - und verdienen oft viel Geld. Laut YouTube-Sprecherin Mounira Latrache gibt es in Deutschland mittlerweile mehrere hundert hauptberufliche YouTuber. Seit einigen Jahren werden sie an den Werbeeinnahmen beteiligt. „Mehr als die Hälfte der Einnahmen gehen an die Videomacher“, sagt Latrache. Laut Experten bleiben pro 1000 Abrufe zwischen zwei und vier Euro bei den YouTubern hängen.

Dazu haben viele von ihnen Werbeverträge. „LeFloid“ ist im TV-Spot einer Krankenkasse zu sehen, andere bekommen Geld, weil sie in ihren Videos bestimmte Produkte zeigen. Die Telekom sponserte eine Tour von YouTubern durch Deutschland. Treten bekannte Videomacher außerhalb der Online-Welt auf, werden sie von Autogrammjägern belagert, von kreischenden Teenies bejubelt. Was steckt hinter dem Erfolg? Ist YouTube gar das neue Fernsehen?

Der Medienpädagoge Andreas Hedrich sieht einen Grund für den Hype im hohen Identifikationspotenzial der Clips. „Wenn sich Videospieler in ,Let's plays“ beim Spielen unterhalten, kommt das so gut an, weil viele Jugendliche einen Teil ihres Alltags eben auch so gestalten: Mit Kumpels vor dem Bildschirm“, sagt er. Hinzu komme die einfache technische Umsetzung und das dadurch vermittelte Gefühl: „Das kann ich auch!“. Es ist das Prinzip des Stars von nebenan.

Zudem können Zuschauer die Videos sofort in sozialen Netzwerken mit Freunden teilen. Und anders als Fernseh-Beiträge stehen die Clips „on demand“ zur Verfügung, können also jederzeit abgerufen werden. Das entspricht der Daueronline-Lebenswirklichkeit der jungen Generation.

Im Fernsehen dagegen wird sie heute nicht mehr wirklich bedient, findet der Online-Videoexperte Bertram Gugel. „Gaming wurde im Fernsehen oft versucht und ist immer gefloppt. Hip-Hop, Rap, Musikvideos – all die Themen, die einmal im Fernsehen stattgefunden haben und jetzt nicht mehr - die funktionieren gut auf YouTube“, sagt Gugel in Anspielung auf längst bedeutungslose Jugend-Kanäle wie Viva oder MTV.

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