Urlaub : Wie wirksam ist Digital-Detox?

Das Smartphone hat Pause: Digital-Detox gibt es jetzt auch als Urlaubskonzept.
Das Smartphone hat Pause: Digital-Detox gibt es jetzt auch als Urlaubskonzept.

Urlaub ohne Smartphones, Internet, Apps. Besonders Bergregionen werben mit digitaler Einsamkeit

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06. März 2018, 05:00 Uhr

Mit dem Begriff Detox, Englisch für Entgiftung, wird schon seit Längerem in der Tourismusbranche geworben. Es gibt Yoga-Camps, Wellness-Aufenthalte und Fasten-Reisen. Neuerdings wird das Thema Entgiftung auch mit Technologie und digitalen Medien verknüpft.

Immer mehr Freizeitangebote und Urlaubsformate kommen seit ein paar Jahren auf den Markt, deren Fokus auf digitaler Abstinenz liegt. Der Gedanke dahinter: Selbst im Urlaub fällt es vielen schwer, auf Computer und Handy zu verzichten, es braucht also jemanden, der einem das Smartphone gezielt wegnimmt.

Die Urlaubsdestinationen sind dann oft auch solche, die aufgrund ihrer Abgeschiedenheit und des fehlenden Funknetzes schon prädestiniert sind für Smartphone-freie Zeit. „Thailändische Inseln und Schottland funktionieren prima, weil man da sehr schlechten bis gar keinen Empfang hat“, sagt die selbst ernannte Digital-Therapeutin und Autorin Anitra Eggler, die in ihren 30ern ein Start-up gründete und Erfahrung mit Offline-Urlaub hat. „Die Urlauber müssen ohne Hilfe des Internets zurechtkommen: ein Lagerfeuer anzünden, sich Rezepte ausdenken, an fremden Orten ohne Routenplaner zurechtkommen. Der Detox-Urlaub hilft dabei, ein neues Gleichgewicht zu entwickeln. Man erlebt die Dinge wieder viel intensiver, wenn nicht alles abfotografiert und auf Instagram gepostet wird.“

Im deutschsprachigen Raum inszenieren sich vor allem Bergregionen als Digital-Detox-Destinationen. Allein in der Steiermark bieten 14 Hotelbetriebe Offline-Urlaub an. In einem Hotel in den Allgäuer Alpen gibt es ein „Funkstille“-Angebot. Der Gast kann beim Reiseantritt sein Handy freiwillig am Empfang abgeben und bekommt zum Austausch Bergkäse dafür, wie es auf der Website heißt. Auch wenn vermutlich in 1044 Meter Höhe der Handyempfang sowieso nur mäßig ist. Auch Postkarten-Schreiben gehören als Offline-Übung dazu. In Südtirol erreicht der Gast ein Hotel nur per Seilbahn. Die fernsehfreien Zimmer werden nachts vom W-Lan abgekoppelt.

Bezeichnenderweise ist das Silicon Valley in Kalifornien nicht nur Herkunft bedeutender Innovationen aus der IT-Industrie und Standort von Unternehmen wie Google und Facebook, sondern auch Ursprung der „Digital Detox“-Bewegung. Eines der ersten Camps war das Camp Grounded, das seit Juni 2013 regelmäßig über mehrere Tage im kalifornischen Wald etwa 200 Kilometer nordöstlich von San Francisco stattfindet. Bei dem als Sommercamp für Erwachsene beworbenen Event werden elektronische Geräte wie Smartphones oder Tablets außerhalb des Geländes weggesperrt. Die Zeit dürfen sich die Teilnehmer mit Bogenschießen, Yoga, Klettern und Malen vertreiben.

Ob ein „Digital-Detox-Urlaub“ wirklich hilft, um die Smartphone-Nutzung dauerhaft einzuschränken, müssten Studien erst noch zeigen, sagt Psychologe Christian Montag von der Universität Ulm. „Digital Detox kann für das Thema Smartphone und die Übernutzung aufmerksam machen. Um aber nachhaltig den eigenen Umgang mit dem Smartphone zu verbessern, müssen wir im Alltag einige Dinge verändern“, sagt der Professor. Montag rät dazu, jeden Tag kleine Smartphone-Pausen einzulegen. „Statt immer auf alles sofort digital zu reagieren, sollten wir uns besser feste Zeiten nehmen, an denen wir E-Mails beantworten oder die Messenger auf dem Smartphone überprüfen“, sagt er.

Claudia Scholz

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