Erziehung : Wie viel Handy darf Mama?

Dieses Plakat will Eltern anregen, das Handy mal aus der Hand zu legen.
Dieses Plakat will Eltern anregen, das Handy mal aus der Hand zu legen.

Die Stadt Frankfurt am Main will Eltern dazu bringen, über ihre Handynutzung nachzudenken

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04. März 2015, 13:22 Uhr

„Papa, Papa, guck mal!“, ruft das kleine Mädchen auf dem Spielplatz. Der Vater lacht, winkt kurz, telefoniert aber weiter. Mit großen Augen verfolgt der kleine Junge an der roten Fußgängerampel die vorbeisausenden Autos, seine Hand fest in der seiner Mutter. Die junge Frau bemerkt die Mischung aus Angst und Neugier bei ihrem Sohn aber gar nicht, denn sie spricht gerade auf dem Handy mit einer Freundin. Immer häufiger telefonieren Eltern auch beim Kinderwagenschieben und simsen oder surfen beim Spiel mit ihren Kleinen. Fachleute sehen das kritisch.

Mit Plakaten und Postkarten will die Stadt Frankfurt am Main daher Eltern zum Nachdenken anregen. „Wir wollen keinen erhobenen Zeigefinger. Die neuen Medien haben natürlich auch viele Vorteile“, sagt eine der Initiatorinnen der Aktion, Astrid Kerl-Wienecke vom Netzwerk „Frühe Hilfen“.

Hebammen, Erzieherinnen, Sozialarbeiterinnen und Pädagoginnen machten aber unisono die Beobachtung: Eltern legen das Smartphone kaum noch aus der Hand. Tipps für Mütter und Väter zur Handynutzung ihrer Kinder gebe es zuhauf, sagt Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). „Wenig wird bisher jedoch drüber gesprochen, welche Auswirkungen der eigene Handygebrauch auf die Entwicklung von Kindern haben kann.“ Studien fehlen dazu.

Wo ist das Problem? „Kleine Kinder können überhaupt nicht einschätzen, mit wem die Mutter spricht und warum sie dabei lacht, aufgeregt, traurig oder böse ist“, sagt Kerl-Wienecke. „Kinder denken, das hat etwas mit ihnen zu tun.“ Sie könnten auch den Eindruck gewinnen: „Das Handy ist wichtiger als ich.“

Bernhard Kalicki vom Deutschen Jugendinstitut verweist auf die Erkenntnisse der Bindungsforschung. „Kinder brauchen in den ersten beiden Lebensjahren – besonders in den ersten zwölf Monaten – eine erwachsene Bezugsperson, die sehr dicht mit ihnen kommuniziert und interagiert.“ Dies gebe ihnen Sicherheit und sei wichtig für ihre Entwicklung. „Vieles an Kommunikation läuft von Anfang an über Blickkontakt und geteilte Aufmerksamkeit“, betont Kalicki. Wenn Eltern ständig mit ihrem Smartphone beschäftigt seien, vergäben sie wichtige Gelegenheiten, das aufzugreifen, was ihr Kind gerade beobachtet und seine Handlungen im Alltag sprachlich zu begleiten.

„Viele junge Mütter und Väter sind intensiv über das Smartphone mit anderen in Kontakt, aber nicht mit ihrem eigenen Kind“, sagt der Kindheitsforscher Norbert Neuß. „Das Kind ist dann Beiwerk. Das ist auf Dauer für die Beziehungsqualität nicht besonders gut“, ist der Wissenschaftler aus Gießen überzeugt.  

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