Online- Produkttests : Wie Pseudo-Tests in die Irre führen

Nicht immer werden die Testgeräte wirklich auf Herz und Nieren geprüft.
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Nicht immer werden die Testgeräte wirklich auf Herz und Nieren geprüft.

Die Suche nach seriösen Produktbewertungen im Internet führt oft zu schwarzen Schafen. Sie urteilen nur anhand technischer Daten

svz.de von
15. Mai 2017, 21:00 Uhr

Smartphone-Tests, Kaffeemaschinen-Tests, sogar Seiten für Betonmischer-Tests finden sich im Netz: Scheinbar gibt es kaum etwas, was Experten noch nicht auf Herz und Nieren geprüft haben – aber nur auf den ersten Blick. Denn oft sind es nur Vergleichsseiten mit Fotos und Tabellen voller Produktdaten, die den Anschein eines Tests erwecken. Einen Wert haben die Ergebnisse solcher Seiten nicht, warnen Verbraucherschützer. Sie dienen den Betreibern einzig dazu, Verkaufsprovisionen einzustreichen. „Man weiß nicht, welche Kriterien zugrunde gelegt wurden“, erläutert Kerstin Hoppe, Referentin im Team Rechtsdurchsetzung beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) die Problematik der Pseudo-Tests und ihrer Bewertungen.

Fünf solcher Seiten hat der vzbv schon wegen Vortäuschung von Produkttests abgemahnt. „In den meisten Fällen haben die nicht ein Produkt in den Händen gehalten, alles hübsch aufbereitet und einen Link hinterlegt.“ Der Link führt zu Online-Marktplätzen und Händlern, die eine Provision zahlen, wenn das Produkt dann bei ihnen gekauft wird.

Bei der Handvoll Abmahnungen wird es wohl nicht bleiben. „Ich glaube, das Problem ist sehr viel größer“, sagt Hoppe. Mindestens 15 Seiten, die vorgeben, zu testen, hat sie gerade auf ihrer Prüfliste: „Ein versteckter Hinweis, dass es sich nur um einen Vergleich oder eine Zusammenstellung handelt, reicht nicht.“ Die abgemahnten Vergleichsseiten machen weiter mit ihren Daten-Tabellen und intransparenten Fantasie-Urteilen. Nur küren sie nun eben keine Testsieger mehr, sondern Vergleichssieger. Auffällig, aber wenig überraschend: Das teuerste Produkt erhält meist die beste Note. Schließlich winkt der Seite so eine höhere Provision. „Dem Verbraucher wird vorgegaukelt, dass das Produkt gut ist“, kritisiert Hoppe.

Eine andere Kategorie Seiten sind sogenannte Test-Aggregierer, die verschiedenste Testergebnisse zusammenfassen. Mit solchen Angeboten hat sich die Stiftung Warentest abfinden müssen, sagt Heike von Laak von der Stiftung Warentest: „Man kann rechtlich nicht dagegen vorgehen, das fällt unter das Zitatrecht.“ Die Aussagekraft sei begrenzt, weil allen Tests andere Kriterien zugrunde liegen.

Der Erkenntnisgewinn aus solchen Produktdatenvergleichen, in den oft noch frei verfügbare, teils veraltete Ergebnisse echter Tests oder auch im Netz eingesammelte Kundenbewertungen eingestreut werden, tendiert gegen null.

Aussagekräftig ist ein Test am Ende nur dann, wenn man nachvollziehen kann, wie das Urteil zustande gekommen ist, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Die Schwerpunkte und Bedingungen des Tests müssen bekannt sein.“ Dann hat auch jeder Kaufinteressent die Chance, gezielt nach Teilnoten für Produkteigenschaften zu schauen, die ihm besonders wichtig sind.

Diese gelte es aber erst einmal zu identifizieren: „Man muss sich Arbeit bei der Kaufentscheidung machen.“ Und es schadet auch nie, mehrere valide Tests miteinander zu vergleichen. „Es gibt enorme Unterschiede, wenn etwa verschiedene Zeitschriften dasselbe Produkt testen.“ Und längst nicht alle Testorganisationen seien seriös. „Es gibt einige wenige, an denen ich mich orientieren sollte“, sagt Tryba. „Stiftung Warentest etwa. Die kaufen die Produkte im Handel und arbeiten nach wissenschaftlichen Kriterien.“

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