Hackathon in Hamburg : Wie NOZ und mh:n Medien Formate für junge Leser entwickeln

Teilnehmer des Hamburger Hackathons haben ihre Ideen ganz analog auf eine Flipchart gemalt.
Teilnehmer des Hamburger Hackathons haben ihre Ideen ganz analog auf eine Flipchart gemalt.

Wie sehen die Medien der Zukunft aus? Dieser Frage haben sich NOZ und MHN Medien bei einem Hackathon gewidmet.

svz.de von
12. April 2019, 15:54 Uhr

"Wenn die Nachricht wirklich wichtig ist, wird sie mich schon irgendwie finden."

Hamburg | So sieht die Mediennutzung junger Menschen heute aus – das behauptet zumindest Dr. Stephan Weichert, Studiengangsleiter "Digital Journalism" an der Hamburg Media School. Und derjenige, der sich das Motto für den ersten Hackathon von NOZ Medien und m:hn Medien überlegt hat.

Partner aus der Medienbranche

Gemeinsam mit dem NDR, dem Next Media Accelerator und dem Master-Studiengang Digital Journalism der Hamburg Media School haben sich die beiden großen Medienhäuser aus Norddeutschland ein Wochenende lang mit der Frage beschäftigt, wie sich junge Mediennutzer von den eigenen Produkten überzeugen lassen.

Foto: Benjamin Hüllenkremer
Benjamin Hüllenkremer
Foto: Benjamin Hüllenkremer

Ziel für alle Teilnehmer dieses sogenannten "Hackathons" ist es, Medien einmal aus der Sicht des Konsumenten zu betrachten. Welche Darstellungsform könnte also einer explizit jungen Zielgruppe gefallen? Mit dieser Aufgabenstellung werde ich, gemeinsam mit mehr als 60 anderen Teilnehmern, auf Flipcharts, Post-Its und Textmarker losgelassen.

Wir bilden gemischte Teams: Journalisten gemeinsam mit Produktentwicklern und Programmierern. Innerhalb von 48 Stunden sollen wir unsere Ideen vor einer Jury präsentieren. Im Idealfall lässt sich das neue Produkt schon als Prototyp vorführen.

Als Neuling zum Hackathon

Für mich ist das eine völlig neue Erfahrung. Ich habe noch nie an einem Hackathon teilgenommen, kann nicht programmieren und habe mir bisher auch um die Produktentwicklung in unserem Unternehmen wenig Gedanken gemacht. Normalerweise bin ich diejenige, die die unterschiedlichen Produkte der NOZ – die gedruckte Zeitung oder das ePaper, das Abendmagazin, die Newsapp und die verschiedenen Kanäle in den sozialen Netzwerken – mit Inhalt füllt. Ich bin Volontärin in der Redaktion, das heißt, ich schreibe vor allem Texte und bereite sie möglichst ansprechend auf.

Foto: Benjamin Hüllenkremer
Benjamin Hüllenkremer
Foto: Benjamin Hüllenkremer

Dementsprechend gehe ich auch an meine Aufgabe heran: Ich habe mir vorher vor allem überlegt, welche Themen für Jugendliche interessant sein könnten. Andere haben sich vorgenommen, unsere Nachrichten durch spielerische Anwendungen spannender zu machen. Die Jury interessiert vor allem, wie groß die potenzielle Zielgruppe ist und womit sich möglichst viel Geld verdienen lässt. Das Zauberwort heißt "user centric approach".

Foto: Benjamin Hüllenkremer
Benjamin Hüllenkremer
Foto: Benjamin Hüllenkremer

Also versuchen wir, alles zusammenzubringen: Wir wollen eine App entwickeln, die der "Fridays for Future"-Bewegung hilft, sich zu organisieren, und ihr Informationen zum Thema Klimaschutz zur Verfügung stellt. Gar nicht so leicht, wenn sechs Gruppenmitglieder unterschiedliche Vorstellungen und Ideen mitbringen. Manchmal gibt es bei uns tatsächlich auch so etwas wie eine Sprachbarriere: Unser Programmierer benutzt ganz einfach andere, viel technischere Begriffe als ich. Gleichzeitig sagt er über mich und meine Kollegin:

"Wahnsinn, worauf ihr Journalisten so achtet."

Den anderen Gruppen geht es offenbar genauso. Sie diskutieren und formulieren ihr Projekt noch mal neu, sie suchen den gemeinsamen Nenner und teilen sich in Untergruppen auf. Manche programmieren bis spät in die Nacht. Alle setzen dabei ihre eigenen Schwerpunkte: Ein Team will die Arbeit der Journalisten vereinfachen und ihnen Werkzeuge an die Hand geben, um etwa Internettrends besser zu erkennen. Ein anderes überlegt sicht, wie sie Jugendlichen einen besseren Überblick über die vielfältige Medienlandschaft bieten können.

Wir kommen nach den ersten Startschwierigkeiten gut voran. Am Freitag steht für uns eine Mentoring-Session an, am Samstagmorgen gibt es noch ein obligatorisches Pitch-Training. Und dann sind wir gleich die ersten, die ihre Idee der hochkarätigen Jury vorstellen dürfen. Mit dabei: Dr. Stephan Weichert von der Hamburg Media School, Leif Kramp vom Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung an der Universität Bremen, Anna-Lena Keeve von NOZ Medien und m:hn Medien, Sofie Donges, die stellvertretende Programmleiterin von N-JOY, und Nyasha Busse von der Initiative nextMedia.Hamburg.

Foto: Benjamin Hüllenkremer
Benjamin Hüllenkremer
Foto: Benjamin Hüllenkremer

Jedes Team hat für seine Präsentation nur drei Minuten Zeit. Das ist sehr wenig, wie sich im Laufe des Workshops zeigt. Alle Teilnehmer scheinen sich geradezu in ihre Projekte verliebt zu haben: Sie haben versessen an den Details gearbeitet und möchten jetzt am liebsten jeden Gedankengang nacherzählen. Die Jury muss eine schwere Entscheidung treffen.

Die Jury kürt die Sieger

Und das Ergebnis: Wir haben gewonnen! Unsere "Klimaretter-App" bewertet die Jury als zielgruppengerecht und nah an den Problemen der jungen Generation. Dafür bekommen wir – Anna Scholz, Anna Behrend, Louisa Riepe, Christian Mogendorf und unsere beiden Mitstreiter Marlene Borchardt und Holger Blumberg, ein gemischtes Team von NOZ Medien und m:hn Medien – einen riesigen Scheck über 1.500 Euro überreicht.

Foto: Benjamin Hüllenkremer
Benjamin Hüllenkremer
Foto: Benjamin Hüllenkremer

Ein zweiter Scheck geht an das Team "Textmining", das sich mit seinem Hilfsprogramm für Journalisten den Preis in der Kategorie "Best Innovation" gesichert hat. Das Team "Smart News", das sich überlegt hat, wie Sprachassistenten Nutzern Nachrichten näherbringen können, geht als dritter Sieger nach Hause und darf sich über einen Workshop bei der NOZ freuen, bei dem diese Idee weiterentwickelt wird.

Im Rückblick war dieses Wochenende für mich sehr wertvoll – nicht nur wegen des Preises. Viel wichtiger war für mich eigentlich der Austausch mit den Kollegen aus anderen Redaktionen – ganz entspannt bei Pizza und Bier. Außerdem habe ich sonst im Arbeitsalltag selten die Chance, meinen Gedanken einmal ganz freien Lauf zu lassen. Mit der Produktentwicklung hatte ich wie gesagt ohnehin bisher nichts zu tun. Insofern hatte ich ein tolles Wochenende und bin beim nächsten Hackathon gerne wieder dabei.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen