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Nach Amoklauf in München : Wie gefährlich sind Ballerspiele?

vom
Aus der Onlineredaktion

Nach dem Amoklauf von München wird wieder über Computerspiele diskutiert. Sie sind ein guter Sündenbock, sagt ein Wissenschaftler

Ein 18-Jähriger schießt in einem Münchener Einkaufszentum um sich, tötet neun Menschen und sich selbst. Bei seinen Taten habe er sich vermutlich an Killerspielen orientiert, heißt es. „Mein Eindruck war, der hat sich wie in einem Computerspiel bewegt“, sagte Kriminaldirektor Hermann Utz. Besonders regelmäßig habe David S. den Ego-Shooter „Counter-Strike“ gespielt. Schon die Amokschützen von Erfurt, Winnenden und Emsdetten waren Fans von Computerspielen, die Gewaltakte simulieren. Und so rückt der gewaltverherrlichende Charakter solcher Games als möglicher Antrieb für Amokläufer erneut in den Fokus.

Für vollkommen unbedenklich hält auch Lars Reisner von der Universität Kiel Ego-Shooter nicht: „Solche Spiele haben einen Einfluss auf Aggressivität“, sagt er. Insbesondere Kinder seien mit den Inhalten oft überfordert. „Das hat aber nichts mit Amokläufen zu tun“, sagt der Diplom-Psychologe. „Die haben vielfältige Ursachen.“ So gehe es hierbei vielmehr um die Gesamtsituation, in der ein Mensch sich befinde, sagt auch Heidrun Allert, Professorin für Medienpädagogik an der Uni Kiel. „Die Mediennutzung kann nicht isoliert betrachtet werden.“ Man solle Medien weder unter- noch überschätzen, sagt sie. „Aber es wäre falsch zu sagen, Medien hätten gar keinen Effekt.“ Problemlagen, wie sich einsam oder ausgegrenzt zu fühlen, könnten durchaus verstärkt werden. Wenn Jugendliche sich in ihr Zimmer zurückziehen und stundenlang Ballerspiele spielen, könnte dies zwar ein ernstzunehmender Hinweis sein, dass im Leben des Kindes etwas nicht in Ordnung sei, sagt Riesner. „Das muss es aber nicht.“ Den Ego-Shooter online zu spielen habe durchaus eine soziale Komponente: in Chats oder per Sprachfunktion können sich die Spieler untereinander austauschen, in Foren vernetzten oder Wissen austauschen. Ein Verbot gewaltverherrlichender Spiele hält Bundesinnenminister Thomas de Maizière nicht für sinnvoll. Warum aber kocht diese Debatte immer wieder hoch? „Menschen wollten in solchen Momenten der Unsicherheit Erklärungen haben, um ein Gefühl der Kontrolle zurückzuerlangen.“ , sagt Lars Riesner. In Ballerspielen lasse sich eben schnell ein Sündenbock finden.

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