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Interview : „Wer im Internet nicht agiert, hat ein Problem“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Online-Händler Matthias Baerens über Geschäfte im Internet: Erfolgschancen, Herausforderungen und Kundenwünsche

svz.de von
erstellt am 14.Okt.2014 | 11:50 Uhr

Matthias Baerens betreibt seit dem Jahr 2000 einen Versand für Fachbücher im Internet und macht damit einen jährlichen Umsatz von rund einer halben Million Euro. Er verrät, was nötig ist, um Produkte erfolgreich online zu vermarkten.

Was macht Ihrer Ansicht nach das Internet als Absatzkanal für Unternehmer attraktiv?
Baerens: Ganz einfach weil dort die Kunden zum Einkaufen unterwegs sind: Bereits 94 Prozent der Internetnutzer über 14 Jahre kaufen inzwischen auch im Internet ein. Dies entspricht 51 Millionen Bundesbürgern oder etwa einer Million Kunden aus MV. Wer das als Unternehmer ignoriert oder nicht entsprechend agiert, hat ein Problem.
Worauf kommt es Ihrer Meinung nach an, um online erfolgreich zu sein?

Wenn ich im Internet nicht gefunden werde, dann nützt mir die schönste Internetseite nichts. Wichtig sind neben einem gut merkbaren Namen der eigenen Internetseite die dazugehörigen Marketingmaßnahmen. Die sollten online und offline dort stattfinden, wo potenzielle Kunden unterwegs sind. Man sollte also gut über seine Kunden und ihre Wünsche Bescheid wissen.

Kommerzielle Internetangebote, die nicht die Wünsche der Kunden erfüllen oder die keinen wirklichen Nutzen für den Kunden haben, sind überflüssig.
Mit welchen Anforderungen sind Online-Händler konfrontiert, die bei einem Verkauf über ein Ladenlokal weniger eine Rolle spielen?
Die Großen im Web setzen die Standards im technischen Bereich und beim Service. Dadurch erwarten Kunden auch von kleineren Anbietern immer mehr. Das ist schon eine hohe Herausforderung. Allein durch die vielen mobilen Endgeräte entsteht Druck für kleine Anbieter: Sie müssen ihre Webshops auch dafür optimieren. Das haben wir zum Beispiel auf www.fachbuch-mv.de gemacht.
Haben Online-Kunden andere Ansprüche als normale Kunden?
Ich möchte das mal umdrehen. Online-Kunden sind normale Kunden. Sie haben ein Interesse an einem guten Preis, einem guten Service und einer freundlichen und fachkompetenten Kommunikation. Das ist im Internet genauso wie in einer Bäckerei oder in einer Autowerkstatt. Einen Unterschied gibt es vielleicht doch: Der Online-Kunde ist mit einem Klick sehr schnell von einer schlechten Internetseite verschwunden. Im Ladengeschäft ist er etwas länger bis zur Ausgangstür unterwegs und bis dahin sogar noch ansprechbar.
Einzelhändler kritisieren, dass der Online-Handel die klassischen Ladenlokale bedroht und zum Sterben der Innenstädte führt. Wie stehen Sie dazu?
Das beklagte Sterben der Innenstädte hat bereits durch die Shoppingcenter und die Lebensmittel-Discounter vor mehr als 20 Jahren begonnen. Unsere Innenstädte sterben nicht zwangsläufig, weil jetzt alle im Internet einkaufen. Aber der Online-Handel setzt die klassischen Ladenlokale unter Druck. Sie müssen sich der Situation stellen. Der lokale Buchhandel ist hier bereits Vorreiter. Fast jeder Buchladen hat zusätzlich einen Webshop. Und es ist wichtig, den Kunden klarzumachen: Lass den Klick in deiner Stadt! Kauf auch im Internet regional ein! Dann bleiben auch Jobs und Steuern im Land.

Und was tun Sie dafür?
Wir bieten auf www.fachbuch-mv.de für Firmenkunden in der Region mehr als 1,7 Mio Buchtitel an. Und wir haben gerade für Privatkunden einen neuen Online-Buchservice in Schwerin gestartet. Auf www.ziegelsee-buch.de können Bücher und Medien bestellt und am nächsten Tag bei uns abgeholt werden. Wer keine Zeit hat, der kann sich die Bücher auch schicken lassen. Genau diese Kombination hilft aus meiner Sicht Innenstädten, attraktiv zu bleiben und den großen überregionalen Internet-Anbietern die Kunden wieder abzunehmen. Wir müssen hier online und offline vor Ort präsent sein.

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