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Digital

23. November 2017 | 08:52 Uhr

Kommunikation : Wenn es piept und ploppt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Experten: Neue Medien beeinflussen Sprechenlernen nicht / Ein paar Grundsätze sollten Eltern aber beachten

Kinder wachsen heute inmitten einer stetigen Kommunikationsflut auf: Sie sind umgeben von telefonierenden Eltern, die E-Mails und WhatsApp-Nachrichten schreiben, bei Facebook Neues posten oder skypen – fast rund um die Uhr. Doch wie wirken sich die neuen Medien auf das Sprechen und die Sprache der Kleinen aus? Auf das Sprechenlernen selbst hätten die neuen Medien nur indirekt Einfluss, sagt die Logopädin Sonja Utikal. Sie ist Leiterin des Referates Sprachförderung des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie. Genau wie die Sprachfähigkeit sind auch Sprech- und Sprachstörungen zu einem großen Teil im Erbgut eines Menschen angelegt. Trotzdem lernen Kinder erst durch den Dialog mit ihrer Umwelt, also vor allem den Eltern, zu kommunizieren.

Smartphones und andere Medien können dabei störend sein: „Wenn etwa die Mutter etwa an der Bushaltestelle pausenlos telefoniert, anstatt sich mit dem Kind zu unterhalten und zu erklären, was alles zu sehen ist.“ Generell sei für Kinder das sprachliche Begleiten von Alltagshandlungen und -situationen sowie der direkte Kontakt beim Sprechenlernen sehr wichtig, sagt Utikal. Auch Mimik und Gestik gehören dazu.

Eltern sollten in der Familie für Freiräume sorgen, in denen auf digitale Kommunikation verzichtet wird. „Etwa beim gemeinsamen Essen“, sagt Verhaltenswissenschaftlerin Elsbeth Stern von der ETH Zürich. „Es kommt immer darauf an, wie viel Zeit Kinder und Eltern am Smartphone oder am Computer verbringen.“ Mit Menschen müsse man sich im Dialog auseinandersetzen – mit technischen Geräten nicht, bestätigt Sonja Utikal. Gerade die Auseinandersetzung sei für Mädchen und Jungen wichtig, um ihre Sprach-, Sprech- und Kommunikationsfähigkeiten auszubilden.

Eine Vielzahl von Faktoren beeinflussen Sprache. Schon seit mehr als 40 Jahren diskutieren Pädagogen beispielsweise die Wirkung des Fernsehens auf die Kindesentwicklung. Die müsse nicht immer schlecht sein, sagt die Medienpsychologin Ute Ritterfeld von der Technischen Universität Dortmund: „Durch das Fernsehen wird die Sprachentwicklung nie behindert, sondern entweder positiv oder gar nicht beeinflusst.“

Generell komme es aber auf den Inhalt eines Mediums an, sowie auf das Angebot, das Kinder außerhalb erfahren. „Die Angst, etwa eine Chat- oder Jugendsprache könne die Alltagssprache ersetzen, ist völlig unbegründet“, sagt Ritterfeld. „Kinder sind durchaus in der Lage, mehrere Sprachcodes nebeneinander zu beherrschen.“ Haben gesunde Kinder Probleme mit dem Sprechen, können schon einfache Strategien helfen. „Eltern sollten ihren Kindern vermitteln, dass es auf den Inhalt und nicht die Form des Gesagten ankommt“, rät Utikal.

Dies gilt auch für Kinder in den ersten Lebensjahren, die Wörter oder Satzteile mehrere Male wiederholen. „Häufig ist es am besten, gar nicht groß auf das stotterähnliche Sprechen einzugehen, sondern die Äußerung des Kindes flüssig zu wiederholen.“ In den meisten Fällen legen sich solche Unflüssigkeiten wieder. Dennoch rät die Logopädin, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen, wenn ernsthafte Probleme beim Sprechen auftreten.

Mit speziellen Stottertherapien lassen sich Störungen in den meisten Fällen positiv beeinflussen. Das zeigt auch die Statistik: In Deutschland stottern fünf Prozent der Kinder, aber nur ein Prozent der Erwachsenen.

Sprachfördernd wirken laut Ritterfeld vor allem Medien, die ohne Bilder auskommen. „Seit Jahrzehnten haben konstant etwa sieben Prozent der Kinder Sprachprobleme“, sagt sie. „Es hat sich gezeigt, dass Hörspiele in diesen Fällen besonders gut beim Erinnern sprachlicher Zusammenhänge helfen.“

Haben Kinder hingegen eine Sprachentwicklungsstörung – zum Beispiel eine Störung der Aussprache – brauchen laut Sonja Utikal eine individuelle logopädische Diagnostik und Therapie. „Weit mehr Kinder zeigen allerdings Auffälligkeiten, die sie selbst überwinden können, wenn sie in einer sprachreichen Umgebung aufwachsen.“

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