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Nach dem Tod : Wenn das digitale Ich weiterlebt

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Was passiert nach dem Tod mit unserem „Hab und Gut“ im Internet? / Angehörigen sollten Zugangsdaten für Netzwerke zugänglich sein

svz.de von
erstellt am 26.Jan.2015 | 21:59 Uhr

Der E-Mail-Account bei GMX, das Profil bei Facebook, der Kanal bei Youtube, für die Karriere muss es auch eine Präsenz bei Xing sein – die Möglichkeiten, das Internet in den Alltag zu integrieren sind beinahe unerschöpflich. Und mit jeder Bewegung im Netz hinterlässt der Nutzer Spuren, auch für die Nachwelt. Doch was passiert mit unserem digitalen Hab und Gut, wenn wir mal nicht mehr sind?

Franz-Helmut Pohlmann sieht mit der Verwaltung des digitalen Erbes eine neue Aufgabe auf die Bestattungshäuser zurollen: „Ein Bestatter muss umfassend alles bedenken, was heute zutreffen kann“, sagt der Obermeister der Bestatterinnung Schleswig-Holstein. Neben der Pflichtmeldung an Krankenkasse und Pflegeversicherung, einen eventuellen Steuerklassenwechsel, dem Einstellen des Zeitungsbezugs und vielen anderen Dingen mehr gehört dazu heute auch der digitale Nachlass. „Wir sprechen über die Zukunft“, schränkt er ein. „Alle, die jetzt sterben, sind 70 plus und nutzen kaum Digitales.“ Wird aber ein jüngerer Mensch aus dem Leben gerissen, wird der Umgang mit dem Nachlass im Netz akut.

Deshalb sei ein gutes Ordnungssystem und Weitblick im Umgang mit den digitalen Spuren bereits im Jetzt wichtig, sagt Pohlmann. So könne jeder eine Liste anlegen mit Profilen oder Konten, die von Angehörigen einsehbar ist. Benutzerdaten auf einem – ebenfalls passwortgeschützten – USB-Stick zu speichern sei ebenfalls sinnvoll.

Um als Angehöriger Zugriff auf die Daten beispielsweise bei Facebook zu bekommen, müsse im Zweifel schnell gehandelt werden, rät Weichert. In dem sozialen Netzwerk können Nutzer beantragen, die Profile von Verstorbenen in den Gedenkzustand zu versetzen. Facebook prüft die Meldung auf ihre Richtigkeit, stellt das Profil um – und schränkt so die Rechte des Passwortinhabers ein: Hinterbliebene können dann zum Beispiel nicht mehr auf das Profil zugreifen, um die Daten zu sichern. „Die Rechte an den Daten liegen komplett bei Facebook“, erklärt Weichert. Wie man mit dem Tod umzugehen hat, werde von den Anbietern bestimmt, kritisiert der Datenschützer. Wechselt ein Profil in den Gedenkzustand, bekommen alle Facebook-Freunde des Verstorbenen als Status-Update im Feed mitgeteilt und erfahren spätestens dann von seinem Tod. Wenig angemessen, meint Weichert: „Das Löschen eines Profils ist pietätvoller.“ Das Unternehmen gibt hingegen an, mit dem neuen Status auch einen Ort der Trauer und des Andenkens einzurichten.

Um im digitalen Dschungel nach Daten zu forsten, gibt es Dienstleister, die anhand des Namens, der E-Mailadresse und dem Geburtsdatum des Verstorbenen Anfragen nach vorhandenen Kundenkonten und Profilen bei verschiedenen Online-Diensten stellen, erklärt Michaela Schröder vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Von Unternehmen, die anböten, die gesammelten Daten zu verwahren, rät Schröder ab. Die Sicherheit solcher Unternehmen sei schwer einzuschätzen, zumal die Daten in der Regel in einer Cloud hinterlegt werden. Schließlich werden Nutzernamen und Passwörter gemeinsam verwahrt und begehrte Beute für Hacker.

 

 

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