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Onlinedienste : Was wurde aus Napster, ICQ & Co.?

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Realplayer Altavista oder Netscape waren einst populäre Onlinedienste. Was ist aus den Größen der digitalen Frühzeit geworden?

svz.de von
erstellt am 18.Feb.2017 | 19:00 Uhr

Sie waren die Überflieger im Netz oder als Standardprogramm auf jedem Rechner installiert. Mittlerweile sind sie bedeutungslos oder sogar komplett verschwunden: Viele Online-Dienste, aber auch Programme aus den Frühjahren des Internets sind mittlerweile Geschichte. Eine Erinnerungsrunde:

Netscape Navigator

Lange vor Firefox & Co. war Netscape der Standardbrowser schlechthin. „Mitte der 1990er-Jahre hatte Netscape einen Marktanteil von 80 Prozent“, erklärt der Bremer Historiker Daniel Crueger, der die digitale Geschichte und ihr kulturelles Erbe erforscht. Doch: „1995 begann mit der Markteinführung des Microsoft Internet Explorers der sogenannte erste Browserkrieg“, so der Experte. Netscape konnte diesen ungleichen Kampf nicht gewinnen. 2007 wurde er eingestellt.

Realplayer

Der Realplayer und das gleichnamige Format war für alle Systeme verfügbar und brachte Mitte der 1990er-Jahre zwei Vorteile: „Es erlaubte eine hohe Komprimierung der Daten, die in den Anfangszeiten des Internets mit seinen geringen Bandbreiten wichtig war, und es war für Video- und Audio-Live-Streams geeigneter als konkurrierende Formate wie Quicktime und MPEG“, erklärt Stephan Dörner vom Digitalmagazin „t3n“. Letztlich verdrängte das Flash-Format den Player.

Altavista

Die Suchmaschine ging 1995 online und war jahrelang Marktführer. „Altavista hat seine Suchergebnisse vor allem aus den Meta-Daten einer Website erstellt, etwa auf Grundlage von Seitentiteln oder vom Autor vergebener Stichwörter“, erklärt Timm Lutter vom IT-Verband Bitkom. Dann kam 1998 Google und machte es „besser“, indem der Gesamttext analysiert wurde. Für Altavista ging es stetig bergab, bis sie 2013 abgestellt wurde

ICQ

Der Messenger ging 1996 an den Start und blieb mehr als 470 Millionen Nutzern weltweit mit seinem einprägsamen „Uh-oh“ beim Eingang neuer Nachrichten in den Ohren hängen. ICQ verpasste die aufkeimende Smartphone-Revolution und ist erst seit 2010 mobil nutzbar.

Aber der Dienst verschwand nicht ganz in der Versenkung: „ICQ illustriert sehr gut, dass im World Wide Web parallel verschiedene Nutzungskulturen bestehen“, erklärt Daniel Crueger. Zwar sei ICQ aus unserer Wahrnehmung verschwunden, in Russland aber stark geblieben und „sogar enorm prägend für die dortige Webkultur“.

Napster

Napster machte ab 1999 das Musik-Filesharing – völlig ungeachtet der Rechtslage – zu einem weltumspannenden Phänomen und etablierte das Audio-Format MP3. „Kostenlose Musikdateien nach Wunsch, mit diesem Angebot wurde Napster zwischenzeitlich zur am schnellsten wachsenden Web-Community“, erzählt Crueger. Kurz vor seinem Ende im Februar 2001 hatte der Dienst weltweit 80 Millionen Nutzer. „Napster kostete die Musikindustrie immensen Umsatz, weshalb diese sich juristisch gegen den Dienst wehrte“ – am Ende erfolgreich. Nach der Insolvenz wurde der Markenname mehrfach verkauft und wird heute von einem kostenpflichtigen Musik-Streamingdienst geführt.

Geocities

„Geocities hat Privatnutzern kostenlos Speicherplatz für eigene Homepages zur Verfügung gestellt, als es nur sehr wenige andere kostenlose oder für Privatleute nutz- und bezahlbare Angebote dieser Art gab“, sagt Lutter. Eine eigene Seite im Netz wurde mit dem Start des Angebotes 1994 auf einmal erschwinglich. Zwischenzeitlich von Yahoo übernommen, wurde der Dienst 2009 eingestellt. Grund war vor allem die wachsende Konkurrenz. Plötzlich gab es unzählige Möglichkeiten, im Netz präsent zu sein, so der Experte. „Letztlich fehlten bei Geocities Innovationen, um die Nutzer zu halten, und eine Strategie, wie sich mit dem Dienst ausreichend Geld verdienen lässt.“

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