(A-)Soziale Netzwerke : Was bei Cybermobbing hilft

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Eltern machtlos: Laut JIM-Studie waren 17 Prozent aller Schüler schon einmal Opfer von Schikane im Internet

svz.de von
27. September 2015, 21:00 Uhr

Social-Media-Plattformen laden dazu ein, sich öffentlich zu präsentieren. Doch: „Diese Art der Selbstdarstellung bietet immer auch eine Möglichkeit, andere zu mobben“, sagt Brigit Kimmel, Pädagogische Leiterin der EU-Initiative Klicksafe. „Gerät ein digitaler Inhalt in falsche Hände, kann es zu einer rasanten Verbreitung kommen.“

Cybermobbing ist eine neue Form von Gewalt. „Es bezeichnet das Schikanieren einer Person mit Hilfe von Internet, Handy oder Sozialen Netzwerken“, sagt Kriminaloberrat Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention. Dabei werden beleidigende Kommentare, Bilder oder Videos eines Opfers im Internet verbreitet. Ein großes Problem: Solche Inhalte lassen sich kaum mehr aus dem Netz löschen. Pädagogin Birgit Kimmel kennt vier Arten: Bei der Schikane erhält das Opfer wiederholt beleidigende und verletzende Nachrichten per E-Mail, SMS oder Messenger. Bei der Verleumdung verbreiten sich Gerüchte großflächig übers Netz. Das Bloßstellen funktioniert, indem ein Täter Vertrauliches über das Opfer an Dritte sendet. Und beim Ausschließen oder Ignorieren wird dem Opfer eine Teilnahme verweigert - etwa an Gruppen oder Chats. Die Opfer leiden unterschiedlich. „Häufige Folgen sind Leistungsabfall, psychosomatische Erkrankungen, selbstverletzendes Verhalten wie auch extreme Rache- und Gewaltfantasien bis hin zu Selbstmordgedanken“, erklärt Brigit Kimmel.

Mädchen richten ihre Aggressionen häufig gegen sich selbst, Jungen dagegen tragen dies eher nach außen. Viele Betroffene behalten ihre Probleme für sich. „Die meisten Mobbingopfer verschweigen oft, was sie erleben, denn sie fühlen sich schuldig“, betont Kimmel.

Wer von Cybermobbing betroffen ist, sollte einiges beachten. Erfolgt das Mobbing über Social Media, kann man  den Mobber melden oder blockieren. „Wenn das nichts bringt, besteht die Möglichkeit, sich ein neues Profil, eine neue Handynummer oder eine neue Mail-Adresse zuzulegen.“ Wer beleidigene Nachrichten erhält, sollte erst gar nicht reagieren.

Passiv sollte man aber nicht unter allen Umständen bleiben: „Je nach Eskalationsgrad des Konflikts kann es auch angebracht sein, den Täter sehr bestimmt zum Aufhören aufzufordern“, rät Birgit Kimmel. Wichtig ist das Sichern der Beweise: „Kopien von unangenehmen Nachrichten, Bildern oder Online-Gesprächen können helfen, anderen zu zeigen, was passiert ist, und bieten eine höhere Wahrscheinlichkeit, die Täter zu ermitteln“, erklärt die Pädagogin.

Generell empfiehlt die Expertin, so wenig persönliche Angaben wie möglich im Netz preiszugeben und sich bei Bildern im Zweifel gegen das  Veröffentlichen zu entscheiden - je nachdem, was auf dem Foto zu sehen ist. In jedem Fall sollten Eltern zur Prävention so früh wie möglich mit ihren Kindern über Cybermobbing sprechen.

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