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Programme auf dem Computer : Vorinstallierte Quälgeister

vom
Aus der Onlineredaktion

Unnötige Programme können sich auf fertig gekauften PCs als Ballast erweisen: Entfernen der Bloatware mit Augenmaß empfohlen

svz.de von
erstellt am 24.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Kein Müll und keine Altlasten, vom Hochfahren bis zum Programmstart läuft einfach alles: Für viele Computernutzer gibt es nichts Schöneres als einen brandneuen Rechner. Doch manch ein frischgekaufter PC ist gar nicht so unberührt, wie man denken sollte. Denn oft ist auf solchen Geräten neben dem Betriebssystem weitere Software installiert. Fachleute sprechen von Bloat- oder Crapware, abgeleitet von den englischen Wörtern für „aufblähen“ oder „Mist“. Glaubt man den unzähligen Klagen genervter Computerkäufer in Foren und Produktbewertungen, passt der Name.

Fragt man Computerhersteller nach vorinstallierter Software, klingt das naturgemäß anders: „Unsere Umfragen haben ergeben, dass Nutzer sich einfach zugängliche Apps wünschen, die es ihnen erlauben, produktiv zu sein und unterhalten zu werden“, heißt es zum Beispiel von Lenovo. Gleichzeitig verweist das Unternehmen darauf, dass Nutzer Testversionen zusätzlicher Programme leicht entfernen können.

Bei Asus sollen Computerkäufer über ein System namens Giftbox selbst auswählen, welche Programme sie installieren. Sogenannte Pure-Installationen ohne weitere Programme soll es bald ebenfalls geben – allerdings eher für erfahrene Nutzer. „Vorinstallierte Software ist in erster Linie dazu gedacht, den Endanwender bei der Einrichtung seines Geräts zu unterstützen“, sagt Jan Schneider von Asus.

Tatsächlich ist nicht jede vorinstallierte Software automatisch schlecht: Manches sei sogar wichtig für den Rechner, Treiber für Hardware zum Beispiel, sagt Jan Schüßler, Redakteur der Fachzeitschrift „c’t“. „Dann gibt es Tools, die direkt vom Hersteller des Rechners kommen, zum Beispiel für das Akkumanagement in einem Notebook.“ Die könne man nutzen, rät der Experte – Pflicht ist es aber nicht.

Und dann ist da die mitgelieferte Software von Drittherstellern: Virenscanner, Office-Pakete oder PDF-Reader zum Beispiel, gerne als Testversion, die sich nur ein paar Monate kostenfrei nutzen lässt. Die Rechenleistung beeinträchtigt die Bloatware kaum, so der Experte. Ein Virenscanner könne das System aber schon ausbremsen. „Und viele Tools, die erst geladen werden müssen, verlangsamen eventuell den Systemstart.“

Größter Nachteil von Bloatware ist aber die Sicherheit. „Das Problem mit Bloatware ist immer, dass man mehr Software hat als nötig“, erklärt Chris Wojzechowski vom Gelsenkirchener Institut für Internet-Sicherheit. „Und je mehr Software man auf einem Rechner hat, desto höher ist die Gefahr einer Sicherheitslücke.“ Sicherheitsexperte Wojzechowski rät deshalb beim Umgang mit Bloatware auch zur Radikallösung: „Die beste Methode ist immer, das System neu aufzusetzen“, sagt er. Am einfachsten ist die Runderneuerung unter Windows 10 mit dem sogenannten Medienerstellungstool: Mit ein paar Mausklicks erstellt es eine von allem Ballast befreite Installationskopie des Betriebssystems – etwa auf einem USB-Stick.

Wer mitgelieferte Software einzeln löschen will, muss sich in die Untiefen der Windows-Systemsteuerung begeben. Unter „Software“ lassen sich dort alle installierten Programme anzeigen und entfernen. Doch welche kann man gefahrlos löschen? Jan Schüßler kennt Faustregeln. Erstens: Alles, was in irgendeiner Form „Microsoft“ im Namen hat, ist vermutlich wichtig für das System – also besser nicht löschen. Zweitens: „Wenn ein Programm aus der Softwareliste nicht im Startmenü auftaucht, ist das in der Regel auch ein Hinweis darauf, dass es wichtig für das System ist.“ Auch hiervon lässt man besser die Finger. Ansonsten rät er, das fragliche Programm zu starten. Wer auf das manuelle Aufräumen keine Lust hat, kommt vielleicht in Versuchung, spezielle Anti-Bloatware-Tools zu nutzen. Sie versprechen, den Rechner automatisch von allem Ballast zu befreien. Chris Wojzechowski mahnt jedoch zur Vorsicht: „Da wissen Sie nie, ob die Tools wirklich alles löschen – oder ob sie Programme löschen, die eigentlich nicht gelöscht werden sollten.“ Wer nicht aufpasst, kann sich außerdem eine andere Sorte Crapware einfangen: Testversionen kostenpflichtiger Software, unsinnige Tools oder nervige Browser-Erweiterungen schmuggeln sich mit auf den PC.

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