Vier Jahrzehnte Apple : Vom Niemand zum Pionier

Als Steve Jobs 2007 der Welt das iPhone vorstellte, verkündete er voller Stolz: „Apple hat das Telefon neu erfunden.“
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Als Steve Jobs 2007 der Welt das iPhone vorstellte, verkündete er voller Stolz: „Apple hat das Telefon neu erfunden.“

Apple wird 40: in seiner Geschichte erlebte der heutige Computer-Riese zahlreiche Höhen und Tiefen

svz.de von
31. März 2016, 21:00 Uhr

Zwei Zufallsbegegnungen haben den Lauf der Computergeschichte entscheidend geprägt. Über einen gemeinsamen Freund lernten sich 1971 der 15 Jahre alte Highschool-Schüler Steve Jobs und der fünf Jahre ältere College-Student Steve Wozniak kennen.

Wozniak, den alle „Woz“ nannten, war ein leidenschaftlicher Tüftler, der als technisches Genie herausragte. Jobs fehlte dieses Talent, er hatte aber eine konkrete Vorstellung davon, wie man mit Technologie die Welt verändern kann.

Auch eher zufällig traf 1977 der Wagniskapitalgeber Mike Markkula die beiden langhaarigen Jungs, die damals in der Garage von Jobs’ Eltern in Los Altos ihre ersten Computer zusammenschraubten. Am 1. April 1976 hatten die Steves bereits die Firma Apple gegründet. Um aus der Bastler-Nische rauszukommen, brauchte die junge Firma Geld. Markkula war früh zu einem Millionen-Vermögen gekommen und erkannte das Potenzial von Apple sofort.

Lange bevor IBM, Intel und Microsoft das Fundament für ihre Personal Computer legten, hatten Jobs und Wozniak bereits die Vision eines persönlich einsetzbaren Rechners in die Tat umgesetzt. 1978 setzten die Jungunternehmer 7,8 Millionen Dollar um, zwei Jahre später zum Börsengang von Apple war der Umsatz auf 117 Millionen angewachsen. Um in die erste Liga der US-Unternehmen aufsteigen zu können, warb Jobs 1983 den bekannten Pepsico-Manager John Sculley ab. „Wollen Sie den Rest Ihres Lebens Zuckerwasser verkaufen, oder wollen Sie die Chance ergreifen und die Welt verändern?“, lautete die legendäre Frage von Jobs,. Doch unter dem „Traum-Duo“ Jobs und Sculley lief es bei Apple nicht mehr rund. Das Verhältnis zwischen den beiden wurde zerrüttet. 1985 verließ Apple-Mitbegründer Jobs nach einem Showdown mit Sculley sein Unternehmen, gründete kurze Zeit später NeXT und kaufte das Trickfilmstudio Pixar.

Nach dem Weggang von Jobs konnte Apple zwar mit dem Mac einige Erfolge erzielen. Allerdings gelang es Sculley und seinem Team nicht, den Siegeslauf von Microsoft und seines Windows-Systems zu stoppen.

1996 verbuchte Apple einen Jahresverlust von einer Milliarde Dollar, der Börsenkurs, der 1991 noch bei 70 Dollar lag, fiel auf 14 Dollar. Versuche, das veraltete Betriebssystem durch Eigenentwicklungen abzulösen, scheiterten. Apple stand vor der Pleite: Der damalige Chef Gilbert Amelio suchte den Ausweg bei Steve Jobs und bot an, seine Firma NeXT samt Betriebssystem zu kaufen und den einst gehassten Apple-Mitgründer als Berater zurückzuholen. Ein Jahr später verdrängte Jobs Amelio vom Chef-Posten.

1977 konnte Jobs ausgerechnet einen Erzfeind, Microsoft-Chef Bill Gates, als Partner gewinnen. Microsoft steckte 150 Millionen Dollar in den notleidenden Konkurrenten und verpflichtete sich auch, „Microsoft Office“ weiter für den Mac zu entwickeln.

Jobs erneuerte nach seiner Rückkehr zunächst die Computer-Modelle von Apple. Der erste iMac war ein Erfolg. 2001 krempelte er dann auch den Musikmarkt um. Zwar gab es schon vor dem iPod mobile MP3-Player, doch nirgendwo war es so einfach, tausende Songs für unterwegs in die Tasche zu packen.

Sein Meisterstück lieferte Jobs im Januar 2007 ab. In San Francisco präsentierte er das erste iPhone und stellte damit die Mobilfunkbranche komplett auf den Kopf. Das iPhone deklassierte Platzhirsche wie Nokia und Blackberry. Nur Google konnte mit seinem Android-System mithalten.

Mit dem iPad unternahm Jobs 2010 – schon schwer gekennzeichnet von einer Krebserkrankung – seinen letzten Anlauf, einen etablierten Markt aufzumischen. Der Tablet-Computer legte ähnlich wie das iPhone die ersten Quartale ein enormes Wachstumstempo vor. Doch schon nach drei Jahren schrumpfte der Absatz.

Apple-Chef Tim Cook, der kurz vor dem Tod von Steve Jobs im Oktober 2011 den Chefposten übernahm, setzte in seiner Ära bislang andere Akzente. Er kümmert sich um die politischen Rahmenbedingungen wie die Verbesserung von Arbeitsbedingungen in den chinesischen Fabriken der Apple-Partner.

Nach einem bescheidenen Börsenjahr 2015 verlor Apple im Februar 2016 einen Tag lang die Position des wertvollsten börsennotierten Unternehmens an die Google-Muttergesellschaft Alphabet – obwohl Apple in einem Quartal mehr Gewinn machte als der gesamte Google-Konzern in einem Jahr. Ob und wie lange sich Apple an der Spitze behaupten kann, wird vor allem vom Erfolg des iPhones abhängen. Außerdem muss Apple eine Antwort auf die Frage liefern, ob es erneut gelingen kann, einen Markt umzukrempeln, beispielsweise mit einem Apple-Auto.

Apple in Zahlen

• 18,4 Milliarden Dollar: der Gewinn von Apple im vergangenen Weihnachtsquartal war der höchste, den ein börsennotiertes Unternehmen bislang erzielen konnte. Der Konzern sitzt auf einem Geldberg von 216 Milliarden Dollar und ist an der Börse über 580 Milliarden Dollar wert.

• 68 Prozent: so hoch war im vergangenen Quartal der Anteil des iPhones am Apple-Umsatz.

• 110 000: so viele Mitarbeiter hatte Apple zum Abschluss des vergangenen Geschäftsjahres 2015. Zehn Jahre zuvor waren es noch 14 800 feste und 2000 befristete Beschäftigte.

Tim Cook bringt neues Image

Tim Cook mag nicht das charismatische Auftreten seines legendären Vorgängers Steve Jobs haben – aber der 55-jährige Manager hat Apple in den vergangenen Jahren seinen Stempel aufgedrückt. Der Konzern achtet mehr auf Umweltaspekte, Datenschutz sowie die Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferern, kommuniziert offener als in der Jobs-Ära und schüttet Milliarden Dollar an Aktionäre aus. Zuletzt wagte Cook eine Konfrontation mit der US-Regierung um Verschlüsselung beim iPhone.

Cook schlug zum Start als Apple-Chef  2011 einige Skepsis entgegen. Denn er  galt nicht als ein Produkt-Visionär wie sein Vorgänger. Doch Cook versuchte gar nicht erst, in Jobs’ Fußstapfen zu treten, sondern überließ viel Verantwortung Chefdesigner Jony Ive und anderen Top-Managern. Spätestens das iPhone 6 bewies, dass Apple auch unter Cook erfolgreiche Geräte bauen kann.

Cook ist seit 1998 bei Apple, als das Unternehmen damals  ums Überleben kämpfte. Cook griff schnell durch: Er schloss eigene Produktionswerke und setzte auf Auftragsfertiger. Die Lagerbestände ließ er von Monaten auf Tage schmelzen und verschlankte die Zulieferkette.

Privat war über Cook lange so gut wie gar nichts bekannt. Im Herbst 2014 offenbarte er dann seine Homosexualität. Sein Vermögen kündigte Cook an, zu spenden - bis auf Geld für die Ausbildung seines Neffen.  Christoph Dernbach

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