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Nachhaltigkeit der Technik : Umweltproblem Smartphone

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Unmengen Schrott, hohe Energiekosten und teils katastrophale Produktionsbedingungen: Wie fair und nachhaltig können Handys sein?

Stets das aktuellste Smartphone, das modernste Tablet besitzen, immer auf dem neuesten Stand der Technik sein: Der Markt der Mobilfunktechnik ist ein Milliardengeschäft. Was aber schnell übersehen wird: Es ist ein Geschäft, das oft zu Lasten der Umwelt geht. „Die Hersteller verursachen mit ihren kurzlebigen Geräten und unnötig schnellen Produktzyklen massive Umweltschäden und katastrophale Arbeitsbedingungen“, sagt Manfred Santen, Elektronik-Experte von Greenpeace.

Seit Einführung des ersten iPhones vor zehn Jahren wurden laut Marktforschern über sieben Milliarden Smartphones produziert, viele von ihnen sind längst Elektroschrott. Santen appelliert an Hersteller wie Samsung, Apple oder Huawei, Produkte künftig so zu bauen, dass Schäden leichter behoben und Module besser ausgetauscht werden können. Denn: „Jedes reparierte Smartphone schont Ressourcen.“

Für die Herstellung werden wertvolle Edelmetalle und sogenannte Seltene Erden benötigt, die mittels gesundheitsschädigender Chemikalien gefördert werden. Auch fügt die Jagd nach immer größeren Rohstoffmengen der Natur massiven Schaden zu und kann dazu führen, dass manche Ressourcen schon bald erschöpft sind. Hinzu komme der massive Energieaufwand: In den vergangenen zehn Jahren verschlang die Smartphone-Produktion laut Greenpeace weltweit 968 Terawattstunden Strom, das entspreche der kompletten jährlichen Energieversorgung Indiens. „Angesichts dessen sollte man sich wirklich Gedanken darüber machen, ob man einen Vertrag braucht, der einem jedes Jahr ein neues Handy beschert“, meint Santen.

Einen nachhaltigen Ansatz verfolgen Unternehmen wie Puzzlephone oder Fairphone: „Im Kongo riskieren Menschen ihr Leben in Minen, um Mineralien zu gewinnen, damit die Nutzer immer neuere und dünnere Smartphones bekommen“, sagte Fairphone-Gründer Bas van Abel. „Wir haben uns gefragt: Wie macht man ein Smartphone, mit dem man etwas verändern kann?“ So produziert das Unternehmen Geräte, deren Module austauschbar sind und die recht einfach repariert werden können.

„Der größte Umwelteinfluss kommt von der Produktionsphase des Telefons, vor allem der Produktion von bedruckten Leiterplatten und Halbleitern. Die Batterie, das Display und das Back-Cover haben hingegen einen kleineren Einfluss“, erklärt Karsten Schischke von der Fraunhofer-Gesellschaft. Würde die Nutzungsdauer auf fünf Jahre erhöht, könnte der Einfluss auf die globale Erwärmung dank des eingesparten Kohlendioxids um 30 Prozent reduziert werden.

Fast alle Geräte sind jedoch deutlich kürzer im Einsatz. Was an den Konzernen liegt, aber auch an den Kunden, die den neuesten Trends hinterherjagen. Laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom haben nur zwölf Prozent der Deutschen ein Smartphone, das älter ist als zwei Jahre. Bei knapp einem Viertel ist es ein bis zwei Jahre alt. 63 Prozent besitzen ein Modell, das nicht älter als ein Jahr ist.

Ein weiteres Problem ist das Recycling. Laut der Universität der Vereinten Nationen fielen in Deutschland bereits 2014 pro Kopf 21,6 Kilogramm Elektroschrott an, in den USA waren es 22,1 Kilogramm. Selbst in Recyclingbetrieben bereiten Smartphones Probleme. Denn die Demontage ist aufgrund des Designs – insbesondere der Verwendung patentierter Schrauben und eingeklebter Akkus – schwierig. Santen findet aber auch versöhnliche Worte für die Branche. So habe Apple, deren Chef Tim Cook massiv auf Erneuerbare Energien setzt, in den letzten Jahren in Sachen Umweltschutz deutliche Fortschritte gemacht. Ein Sorgenkind sei Samsung. Nach dem Fiasko um das Galaxy Note 7 mit in Brand geratenen Geräten hatte der Konzern Millionen Smartphones zurückgerufen. Aber, so Santen: „Ein überzeugender Plan für deren Entsorgung oder Wiederverwertung wurde immer noch nicht vorgelegt.“

Jenny Tobien

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