Ewige Störer : „Trolle“ im Netz

Stehen symbolhaft für Provokanten im Web: Trolle
Stehen symbolhaft für Provokanten im Web: Trolle

Wie Grobiane in Foren und Kommentarspalten Chaos verursachen und Hass verbreiten

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14. August 2015, 21:00 Uhr

Im Internet eskalieren immer wieder Diskussionen: Es braucht nur einen kontroversen Text, über Russland oder Flüchtlinge. Die Provokateure gelten als „Trolle“ – Menschen, die Debatten im Netz mutwillig stören. Eine Troll-Typologie.

GROLL-TROLL
Voller Hass auf die Welt verbreitet der wütende Störer seine Tiraden. Meist sind es Männer. „Sich so zu äußern, dass ich auch keine Lust mehr habe, zu diskutieren – das ist ein eher männliches Phänomen“, ist sich Torsten Beeck sicher, der bei „Spiegel Online“ für Social Media zuständig ist. Der Groll-Troll donnert gegen alles und jeden. Kaum gesperrt, benutzt er einen neuen Namen.

TOLL-TROLL
David Schmidt, Community-Redakteur von „Zeit Online“, erkennt einen der Trolle immer wieder. „Er ist in der Manipulation sehr geschickt und unheimlich kreativ, hat eine hohe soziale Intelligenz“, sagt Schmidt. „Ich liebe diesen Troll in gewisser Weise.“ Der Störer verbreitet seine herablassende Botschaft geschickt: „Er schreibt höchst menschenverachtende Dinge, ohne künstlich zu wirken.“ Die Leser nehmen ihm den Hass ab, reagieren emotional.

LÜGENDETEKTOR
Politiker, Journalisten, Forscher – sie alle betrügen die Bürger, glauben die Anhänger mindestens einer Verschwörungstheorie. Dunkle Mächte, wahlweise der Staat, Geheimdienste, religiöse Gruppen oder Aliens, wollen Böses und verbringen ihre gesamte Zeit damit, die Menschen zu täuschen. „Das sind die Schwierigsten“, sagt Beeck von „Spiegel Online“. Denn wer alles als Lüge abtut, dem ist mit Argumenten nicht beizukommen.

MISSIONAR
Kritik lassen propagandistische Trolle nicht zu. Der Klassiker: Impfgegner. Wer sein Dogma anzweifelt, ist aus Sicht des Missionars der Sünde verfallen.

HOOLIGAN 
Sie haben Bock auf Krawall – und tauchen vor allem unter Sport-Artikeln auf, erzählt Beeck. Ihr Mechanismus ist die Abgrenzung, nach dem Schema „dein Verein ist scheiße“. Sie sind zuverlässig: „Es gibt welche, die mit 100-prozentiger Verlässlichkeit bei jedem Artikel auftauchen“, so Beeck.

FREMDENFEIND
Rechtsextreme und Rechtspopulisten, die gegen Juden, Schwarze, Muslime und Flüchtlinge hetzen und sie diskriminieren. Das seien nicht einzelne Kommentatoren, sondern „organisierte Rechte“, schreibt die Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich gegen Rechtsextremismus im Netz einsetzt. Sie wollten so die Deutungshoheit gewinnen und andere Meinungen an den Rand drängen.

FRAUENHASSER
Dieser Mann greift Frauen im Netz an. Er beleidigt sie, belästigt sie sexuell, droht. Der Maskulinist schlägt vor allem dann zu, wenn es um Feminismus geht. Er will vor allem Autorinnen zum Schweigen bringen. „Erst, wenn die Betroffenen aufhören, sich zu engagieren, ist das Ziel erreicht. Dass dahinter Menschen stecken, wird verdrängt“, schreibt Bloggerin Yasmina Banaszczuk.

ANTIFEMINISTIN
Hetze gegen Feminismus ist keine reine Männersache. Auch Frauen, vor allem in rechtskonservativen Kreisen, verteidigen eine konventionelle Frauenrolle oder stehen aggressiven Männern bei. Community-Redakteurin Juliane Löffler vom „Freitag“ ist schon Frauengruppen begegnet, die sich gemeinsam in Rage schreiben.

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