Cebit Hannover : Technologie-Messe ohne Glamour

Der Andrang auf der CeBIT hält sich in Grenzen – im Vergleich zum Rekordjahr 2001 sank die Besucherzahl um drei Viertel.
Der Andrang auf der CeBIT hält sich in Grenzen – im Vergleich zum Rekordjahr 2001 sank die Besucherzahl um drei Viertel.

Gut im Geschäft – aber nicht sexy: Das scheint das heimliche Motto der Technologie-Messe zu sein

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20. März 2015, 22:00 Uhr

Die CeBIT ist das Jagdrevier der Verkäufer. Sie stehen an ihren Ständen und scannen Besucher auf Kaufinteressen für Technologien ihrer Firmen ab. Sie haben leichteres Spiel als früher: Im Vergleich zum Rekordjahr 2001 schieben sich drei Viertel weniger Besucher durch die Hallen.

Die CeBIT hat weniger Glamour als die CES Las Vegas oder der Mobile World Congress in Barcelona im Januar. In Vegas sorgte Daimler-Chef Dieter Zetsche für Aufsehen, der einen selbstfahrendes Konzeptauto präsentierte. In Barcelona stellte Samsung seinen iPhone-Rivalen Galaxy S6 vor. Auf der CeBIT können sich auch treue Besucher kaum an eine Ankündigung erinnern, die international Schlagzeilen gemacht hätte.

Bei der CeBIT hatten vor allem die großen Aussteller wie IBM und SAP Druck gemacht, die Besucherflut einzudämmen und zu einer „Business-Messe“ von Profi zu Profi zu werden. In diesem Jahr sind 16 von 26 Messehallen belegt, eine mehr als 2014. Die Messe-Führung seien „alles aufrechte Leute, aber träge“, kritisiert ein wichtiger Aussteller. Dass die Messe dem Land Niedersachsen und der Stadt Hannover gehöre, sei auch ein Grund dafür, das neue Themen nur zögerlich erschlossen würden.

Achim Berg, Chef der arvato AG und Bitkom-Vizepräsident, sagt, die CeBIT eigne sich sehr, um die Themen „Internet der Dinge“ und „Industrie 4.0“ zu Schwerpunkten zu machen. „Außerdem könnte hier ein erfolgreicher Marktplatz für Start-up-Firmen entstehen, die nach erfolgreichem Start eine Anschlussfinanzierung suchen.“ Die Start-ups sorgten bereits jetzt dafür, dass auch Technikfans auf ihre Kosten kamen. In der Halle des Start-up-Wettbewerbs Code_n tummelten sich die Besucher an Ständen von 50 jungen Firmen.

Auch traditionelle CeBIT-Aussteller wie die Deutsche Telekom, SAP und Microsoft versuchten auf der Messe, abstrakte Digitalthemen wie das „Internet der Dinge“ oder den Umgang mit großen Datenmengen („Big Data“) anschaulich zu machen. So konnte man sehen, wie ein moderner Landwirt mit Hilfe der SAP-Datenbank „Hana“ Daten aus der metergenauen Analyse der Böden mit Wetterprognosen und den Einsatzplänen der Landmaschinen in Echtzeit verbinden kann, um seine Äcker möglichst effizient und umweltschonend zu bewirtschaften.

Das vernetzte Auto spielte kaum eine Rolle auf der CeBIT, obwohl es Gesprächsstoff und Orientierungsbedarf bietet. Zwar ließ Vodafone die Reifen aufgemotzter Sportwagen quietschen. Doch damit wollte der Telekomkonzern nur das Tempo in seinem ausgebauten LTE-Mobilfunknetz illustrieren.

Einen Achtungserfolg erzielte die Messe mit dem Video-Auftritt von Edward Snowden. Der NSA-Whistleblower hatte zuvor schon auch bei anderen Konferenzen per Video gesprochen. Doch vor dem CeBIT-Publikum ließ sich Snowden – auch dank geschickter Interviewführung – mehr Details entlocken als bei der Konkurrenz. Nach Auswertung der Analyse-Firma Meltwater war Snowden das heißeste CeBIT-Thema im Netz.

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