Abo-Dienste : Suche nach passendem Lied für jede Lebenslage

Napster will den Musikmarkt revolutionieren.
Napster will den Musikmarkt revolutionieren.

svz.de von
30. Juli 2014, 11:26 Uhr

Der Sprung von der CD zur Musik aus dem Internet war erst der Anfang. Mit den neuen Abo-Diensten haben die Nutzer plötzlich ganz legal Zugang zu jedem Lied der Welt – und brauchen Hilfe. „Einfach einen Verbraucher in einen Raum mit 30 Millionen Songs zu setzen – das funktioniert nicht“, sagt Thorsten Schliesche, Europachef beim Streamingdienst Napster.

Das „nächste große Ding“ ist, den Nutzern die richtige Musik im richtigen Moment zu bieten. Die Anbieter arbeiten unter Hochdruck an Computer-Algorithmen, setzen auf Menschen als Playlisten-Ersteller – oder kaufen zu. So schluckte Google jüngst für angeblich knapp 40 Millionen Dollar den Dienst Songza, der Lieder für verschiedene Lebenslagen zusammenstellt.

Napster verfolgt eine ähnliche Idee beim Internetradio-Dienst UnRadio. Streaming-Marktführer Spotify kaufte den Empfehlungs-Spezialisten Echo Nest. Und auch Apple betonte beim drei Milliarden Dollar schweren Kauf des Kopfhörerspezialisten Beats besonders die Qualität der Playlisten in dessen Streaming-Service. „Manch andere Dienste setzen nur auf Computer-Algorithmen, das funktioniert nicht“, betont Beats-Gründer Jimmy Iovine. Beats dagegen versuche, den Musik-Mix von Menschen mitbestimmen zu lassen.

Streaming-Dienste, bei denen die Musik direkt aus dem Netz kommt, machen zwar erst einen Bruchteil des Musikmarkts aus. Nach Zahlen des Branchenverbandes IFPI erlösten die Abo-Angebote wie Spotify, Rdio, Deezer oder Napster im Vorjahr 1,1 Milliarden Dollar bei 28 Millionen Nutzern. Aber es war ein Umsatzsprung von 51 Prozent. Und so, wie die Internet-Giganten in dieses Geschäft stürmen, bleiben kaum Zweifel, dass es ein Zukunftsmarkt ist. Die Konkurrenz ist groß. Allein in Deutschland gebe es 17 legale Streaming-Anbieter, von denen drei gemeinsam über 90 Prozent Marktanteil hielten, rechnet Schliesche vor.

Rund 70 bis 80 Prozent der Einnahmen gehen als Lizenzgebühren an die Musikkonzerne, zeigen die Zahlen der Anbieter. Allerdings klagen Künstler schon heute, sie verdienten mit den Streaming-Diensten drastisch weniger als mit CD-Verkäufen oder Downloads.

Schliesche kontert, man müsse es als langfristiges Geschäft betrachten: „Wenn wir über einen Zeitraum von zehn Jahren nachrechnen, bin ich mir sicher, dass ein Künstler mit Streaming mehr verdient haben wird als mit CD-Verkäufen.“

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