zur Navigation springen

Breitbandausbau : Streit um das schnelle Internet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kupfer oder Glasfaser? Zwischen der Telekom und ihren Wettbewerbern tobt seit Monaten ein erbitterter Kampf

svz.de von
erstellt am 29.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Internetnutzer haben nur ein Interesse: Schnell soll es gehen, wenn Daten durchs Internet rauschen. Doch das geht nur, wenn entsprechende Netze geknüpft und auf Tempo getrimmt sind. In rund 8000 Hauptvermittlungsstellen will die Telekom die sogenannte Vectoring-Technik installieren und für neue Überholspuren auf dem Daten-Highway sorgen. Doch das funktioniert nur, wenn andere draußen bleiben. Die Wettbewerber sprechen von Remonopolisierung und drohen mit dem Gang zum Bundesverfassungsgericht.

Was ist Vectoring?

Die Technik ermöglicht kostenschonend die Aufrüstung bestehender Kupferleitungen, ohne dass neue Kabel verlegt werden müssen, wie es bei Glasfaser der Fall ist. Das spart enorme Investitionsausgaben. Zudem kann das Ziel des Bundes, jedem Haushalt in Deutschland bis Ende 2018 einen Internetanschluss mit Übertragungsgeschwindigkeiten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde zu bieten, kurzfristig umgesetzt werden. Mit Vectoring wird sogar das doppelte Tempo möglich. Der Nachteil dieser Technik besteht darin, dass sie in den Schaltpunkten nur einmal aufgebaut werden darf.

Müssen Wettbewerber Vermittlungsstellen räumen?

Ja, überwiegend. Nur in Nahbereichen, in welchen ein Konkurrent der Telekom dominierend ist, kann sich dieser nach dem Entwurf der Bundesnetzagentur für die exklusive Nutzung und den Aufbau von Vectoring im Hauptverteiler bewerben. Infrage kommen Anbieter mit einer starken lokalen Verankerung wie Netcologne in Köln oder Ewetel in Oldenburg. Beide hatten der Bundesnetzagentur Investitionszusagen zum Ausbau des Nahbereichs gegeben.

Wer den Hauptverteiler dann künftig exklusiv mit Vectoring ausrüstet, muss allen anderen Anbietern ein Vorleistungsprodukt bereitstellen. Denn diese können ihren Kunden durch den Rauswurf keine schnellen Anschlüsse mehr bieten. Das ist auch die Hauptkritik: Statt auf Glasfaser zu setzen, wolle die Telekom wieder ein Monopol aufbauen und den letzten Cent aus den längst abgeschriebenen Kupferleitungen herauspressen, kritisiert der Branchenverband VATM.

Was fordert die Telekom-Konkurrenz?

Vor allem einen Schutz ihrer Investitionen in Glasfasernetze. Vectoring würde solche Anstrengungen untergraben, heißt es. Das Bundeskartellamt warnte schon 2013: Die Behörde sehe die Gefahr, dass die Technik einer weiteren Schwächung von Infrastrukturwettbewerb Vorschub leisten könnte, hieß es in einer Stellungnahme zu einer früheren Entscheidung der Bundesnetzagentur. „Ein zukunftsträchtiger Glasfaserausbau wäre nicht mehr möglich“, sagte der Präsident des Bundesverbands Breitbandkommunikation, Norbert Westfal, vor wenigen Tagen. Zugleich drohte er mit Verfassungsbeschwerde und verwaltungsrechtlichen Schritten.

Welche Argumente führt die Telekom ins Spiel?

Telekom-Chef Tim Höttges betont immer wieder, dass es dem Unternehmen nicht um den Ausschluss von Konkurrenz oder gar eine Remonopolisierung der Netze gehe. Im Vordergrund stehe vielmehr das Ziel, den Kunden schnelle Internetanschlüsse zu bieten – und zwar kurzfristig. Vectoring sei „ein Booster“ für das Kupferkabel und mit ihr gehe eine ausgereifte Technik am Start, die das Netz bis zu viermal schneller mache.

Betroffen in den Hauptverteilern seien zudem nur 1,5 Prozent oder 135  000 angemietete Leitungen der Wettbewerber. Aber fast sechs Millionen Haushalte in Ballungsgebieten und ländlichen Regionen ließen sich durch den Vectoring-Ausbau an das schnelle Internet anschließen. Auch die Konkurrenz werde vom Ausbau profitieren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen