zur Navigation springen
Digital

22. Oktober 2017 | 19:29 Uhr

Bestattung : Start-up mit dem Tod

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Online-Konkurrenz für Bestatter: Neue Portale im Internet versprechen, das günstiger zu machen als das etablierte Gewerbe

svz.de von
erstellt am 31.Okt.2016 | 21:00 Uhr

Wenn von „einem besonders attraktiven Marktsegment“ die Rede ist, denkt man nicht an Tod und Trauer. Doch genau so beschreibt der Manager eines Berliner Wagniskapitalfonds das Bestattungsgewerbe. Der VC Fonds Kreativwirtschaft Berlin der landeseigenen Investitionsbank und eine Investorengruppe unterstützen seit dem Frühjahr die Start-up-Firma Mymoria. Sie betreibt eine Online-Plattform, die die Planung einer Bestattung „sicher von zu Hause“ verspricht, und das „bei voller Kostenkontrolle“.

Bestattungskosten sind ein heikles Thema für das Gewerbe. Es steht unter dem Generalverdacht, Verzweiflung und Hilflosigkeit Angehöriger auszunutzen, um dicke Geschäfte zu machen. Oliver Wirthmann, der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Bestatter, meint dazu: „In diesem Segment gibt es kein Preisgefühl.“ Statistisch werde man alle 18 Jahre mit dem Tod eines engen Angehörigen konfrontiert, den Kunden fehlten deshalb Erfahrungswerte. Vergleichsportale wie Bestattungen.de und Bestattungsvergleich.de werben damit, günstige Angebote für den Trauerfall zu finden. Mymoria bietet selbst Arrangements an.

Wirthmann als Vertreter der etablierten Branche ist von den Online-Wettbewerbern nicht begeistert: „Viele wissen nicht, dass diese Portale provisionsbasiert sind. Das ist ein großes Problem“, sagt er. „Wir raten davon ab, solche Vergleichsportale zu nutzen. Besser ist ein Preisvergleich von mehreren Bestattern in der Region und dabei Kostenvoranschläge einzuholen.“

Verbraucherschützer halten hingegen neue Angebote von Online-Portalen und Discountern grundsätzlich für positiv. „Wir freuen uns über Alternativen“, sagte der Jurist Matthias Wins von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. Er erfahre immer wieder von Fällen, in denen sich Hinterbliebene vom örtlichen Bestatter überrumpelt fühlten. Ein Test vor zwei Jahren habe gezeigt, dass die Unternehmen selten bereit seien, ihre Geschäftsbedingungen offenzulegen.

Klar sei aber auch, dass es bei Online-Angeboten ebenso „böse Überraschungen“ geben könne. Mymoria-Mitgründer Björn Krämer wirbt für sein Portal mit Preistransparenz und einem kompletten Angebot: „Wir machen alles bis auf die Dienstleistungen vor Ort wie Überführung und Trauerfeier.“ Dafür werde einer von mehr als 100 Partner-Bestattern engagiert. Im Falle des Falles informierten sich ohnehin viele Hinterbliebene im Internet über alles rund um die Bestattung, sagt Krämer. Warum also nicht Informationen mit einem Angebot verbinden – das war die Idee.

Wirthmann verweist auf eine wenige Wochen alte Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag des Bestatterverbands. Dabei nannten 70 Prozent der Befragten die persönliche Beratung als wichtigsten Punkt bei der Beurteilung eines Bestattungsunternehmens. Genau das könnten Online-Portale nicht bieten.

Manche lokale Bestatter wollten mit den Portalen kooperieren, weil sie sich zusätzliche Aufträge versprächen, berichtet Helbach. Anderen wiederum seien Provisionen von 10 bis 20 Prozent zu teuer und lehnten Partnerschaften deshalb ab.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen