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Bundes- und Landtagswahl 2017 : Spam-Welle zu den Wahlen 2017: Anti-CDU-Kampagne bei Google und Bing

vom

Absichtliche Manipulation der Nutzer? Die großen Suchmaschinen liefern zu den anstehenden Wahlen nicht nur Fakten.

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erstellt am 31.Jan.2017 | 14:17 Uhr

„Wähle niemals CDU!“ steht in fetten Lettern quer über das Bild geschrieben. Abgebildet ist ein Mann im weißen Hemd mit Hosenträgern. Vor dem Bauch hält er eine Schusswaffe. Sein Gesicht sieht man nicht. Außerdem zu lesen: „Verbrechen, Kinderklau, Polizeigewalt, Geheimdienste. Korruption, Psychiatrie, Finanzamt, Tierquälerei“ – Schlagwörter mit Gewicht. Ein Rundumschlag gegen die Partei, der viel weiter unter der Gürtellinie kaum platziert sein könnte.

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Montagen wie diese überschwemmen die Ergebnisse der Bildersuche zu den Wahlen.

Foto: Screenshot Bing-Bildersuche
 

Bilder wie diese finden sich dieser Tage zuhauf ganz vorn in den Ergebnissen der großen Suchmaschinen von Google und Microsoft zu den Schlagworten „Bundestagswahl 2017“, „BTW 2017“ oder auch „Landtagswahl Schleswig-Holstein“. Wahlweise sind auf den Fotomontagen auch die Botschaften „CDU wählen ist ein Verbrechen“, „CDU verdient am Verbrechen“, „Wähle niemals die kriminelle CDU“ oder auch „Langfristig sind wir alle tot! Wähle keine CDU“ – um nur einige zu nennen – auf Symbolbilder montiert. Die gezeigten Models blicken mal verzweifelt, mal wütend drein, sie raufen sich die Haare, weinen und schreien, einige von ihnen haben Hämatome im Gesicht. Dramatik pur.

Erste Aufmerksamkeit für das Thema gab es in der vergangenen Woche durch den Medienjournalisten und Blogger Stefan Niggemeier.

Was steckt hinter der Bilderflut?

Die Spam-Welle ist kein Zufall, sondern eine gezielte Kampagne: Die Bilder sind mit den richtigen Schlagworten versehen, die die Inhalte für Nutzer der Suchmaschinen sichtbarer machen, also weiter vorne oben in den Ergebnissen platzieren als schlecht verschlagwortete Beiträge. Eine Methode, die auch Unternehmen oder Nachrichtenwebseiten anwenden, um ihre Inhalte für die Nutzer leichter auffindbar zu machen.

Hinter den Montagen stecken Wordpress-Blogs und -Webseiten, die unter anderem Inhalte zu Verschwörungstheorien beherbergen. So führt „grundrechtsverletzung.de“ eine Liste von „Untaten“, die durch die „überwiegend CDU dominierte krimielle CDU-Bundesregierung organisiert und verschuldet“* (*Rechtschreibfehler im Original) wurden. Zusammenfassend sei erkennbar, „dass ehrliche Menschen sterben sollen, damit sich kriminelle Geschäftspraktiken entfalten können“, heißt es dort. Nachfolgend geht es um Themen wie „Massentötungsantalt psychiatrische Forensik“*, „CDU und Scientology“ oder „Experimente am Körper: Hölle, Unfall und Menschen-Experimente“. Inhalte des Web-Angebots von „weltgigant.de“: „Kostenlose Werbeplakate zu wichtigen Themen als Download“. Material im selben Stil wie in den Suchergebnissen wird hier für Kampagnen gegen andere Parteien (SPD und FDP) angeboten.

Verantwortlich für mehrere der Seiten ist laut Angaben auf den Webseiten ein Mann aus Bielefeld. Angegeben sind außerdem eine Adresse, Handynummer und E-Mail-Adresse. Dazu der Hinweis über eine telefonische Erreichbarkeit „zum Teil“ von 12 bis 22 Uhr. Ob die Angaben der Wahrheit entsprechen, ist unklar.

Während Google nach einem Bericht von RP-Online scheinbar aktiv geworden ist und viele der Bilder aus der Suche verschwunden sind, sind die Suchergebnisse bei Bing noch immer von den Spam-Montagen geflutet. „Google wurde mit dem Ziel gebaut, stets die bestmöglichen Suchergebnisse zu liefern, aber das gelingt uns nicht immer“, sagte ein Google-Sprecher auf Anfrage. „Unser Team hat dieses Problem untersucht und festgestellt, dass einige der Seiten, die diese Bilder hosten, unsere Webmaster-Richtlinien verletzen.“ Man verbessere die Systeme ständig, um Nutzern die bestmöglichen Ergebnisse zu liefern. „Und wir nehmen diese Angelegenheit sehr ernst.“

Auch der Verfassungsschutz untersuche nach Angaben von RP-Online zwar nicht den konkreten Fall, Manipulationsversuche wie diese seien aber unter Beobachtung.

Doch den gut verschlagworteten Spam als solchen erkannt hat der Internet-Riese anscheinend erst jetzt. Denn diese Kampagne ist nicht neu: Bereits vor einem Jahr öffnete ein Diskussionsforum auf der Plattform „Reddit“, in dem es um die montierten Plakate und ihre Macher geht. Google und Bing scheinen die Bilder und ihre Hintermänner allerdings bis vor kurzem nicht als Spam erkannt und aussortiert zu haben.  Eine Stellungnahme dazu gab es auf Anfrage nicht.

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