Happy Birthday Twitter : Sorgenfalten zum Geburtstag

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Twitter wird am Montag zehn, doch ausgerechnet zum Jubiläum hat der Kurzmitteilungsdienst wenig zu feiern

svz.de von
18. März 2016, 21:00 Uhr

Knackige Botschaften in einer Länge von maximal 140 Zeichen, schnell und authentisch: Das Versprechen von Twitter klingt verlockend. Zehn Jahre nach seiner Gründung steht der Kurzmitteilungsdienst aber vor großen Herausforderungen.

Zuletzt ging erstmals die Zahl aktiver Nutzer leicht zurück, Quartal für Quartal stehen tiefrote Zahlen in der Bilanz und die Aktie hängt im Kurskeller deutlich unter dem Ausgabepreis des Börsengangs von 2013 fest. Twitter hat die Welt verändert, einen einzigartigen Kanal geschaffen. „Jeder kann seine Ideen und Informationen sofort und über Grenzen hinweg teilen“, lautet das offizielle Motto. Doch daraus ein profitables Geschäft aufzubauen, erweist sich als äußerst schwierig.

Zum Start von Twitter vor zehn Jahren ging es zunächst auch nicht darum, einen Online-Service zum Geldverdienen zu gründen. Der Dienst entstand eher zufällig nebenbei. Die kleine Firma Odeo in San Francisco wollte eigentlich einen Audio-Dienst für das Netz entwickeln. Bei einem Brainstorming schlug der Entwickler Jack Dorsey vor, kurze Statusmeldungen an alle Teammitglieder per SMS zu senden, damit jeder weiß, woran die anderen arbeiten. In zwei Wochen entstand ein Prototyp. Das einflussreiche US-Blog „TechCrunch“ entdeckte den Dienst drei Monate später. Auf der Tech-Konferenz SXSW Interactive in Texas gelang Twitter dann im März 2007 der Durchbruch, einen Monat später wurde Twitter Inc. gegründet.

Inzwischen gibt es kaum ein großes Ereignis, das nicht auch bei Twitter stattfindet. Die Notwasserung des Passagierflugzeugs bei New York im Januar 2009, die gewaltigen Demonstrationen beim „Arabischen Frühling“ ab 2011, der Bombenanschlag auf den Marathon in Boston – historische Momente, die man ohne Twitter anders wahrgenommen hätte. Doch wie geht es jetzt weiter mit Twitter? Irgendwann muss jedes Unternehmen Geld verdienen. Mitgründer Jack Dorsey steht in seiner zweiten Runde als Twitter-Chef vor einer gewaltigen Herausforderung. Er muss den Kurznachrichtendienst reparieren – darf dabei aber nicht die Millionen zufriedener Twitter-Nutzer verärgern. Und schon gar nicht die „Power-User“ wie Journalisten, Politiker oder Prominente.

Der Internet-Unternehmer Sean Parker, der einst die Musiktauschbörse Napster mitgründete, sieht gerade darin ein Problem. Die Begeisterung der Medien habe Twitter in den Anfangsjahren schnell wachsen lassen, erklärte er. „Aber aus den Nutzern wurde keine eng gestrickte Community.“ Unter Druck scheint Dorsey derzeit an jeder Schraube zu drehen, die er findet. Er deutete an, dass die anfangs eingeführte Obergrenze von 140 Zeichen pro Tweet fallen könnte. Zudem experimentiert Twitter mit einer Sortierung der Posts nach Relevanz-Algorithmen.

In den vergangenen Jahren schien es oft, dass der Twitter-Chefetage eine klaren Strategie fehlt. Erst verzichteten die Gründer ganz auf Werbung, um die Nutzer nicht zu verschrecken, dann sollte Geschäft gemacht werden und im Nachrichtenstrom tauchten plötzlich bezahlte Tweets und „Trends“ auf.

Zum Ende vergangenen Jahres hatte Twitter 305 Millionen aktive Nutzer, zwei Millionen weniger als noch drei Monate zuvor. Trotz aller Herausforderungen kann Twitter darauf bauen, dass viele Prominente sich über den Dienst direkt an ihr Publikum wenden. An der Spitze der Twitter-Promis stehen die Popstars Katy Perry, Justin Bieber und Taylor Swift.

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