CEBIT eröffnet : Sorge um Sicherheit im Internet

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der britische Premierminister David Cameron halten auf ihrem Eröffnungsrundgang die Hand eines humanoiden Roboters. Großbritannien ist das Partnerland der diesjährigen Cebit.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der britische Premierminister David Cameron halten auf ihrem Eröffnungsrundgang die Hand eines humanoiden Roboters. Großbritannien ist das Partnerland der diesjährigen Cebit.

Mit vielen mahnenden Stimmen zum Leitthema startete die weltgrößte Computermesse Cebit . Die Bundesregierung möchte Datenschutz per Gesetz regeln.

svz.de von
10. März 2014, 19:13 Uhr

Neun Monate nach Ausbruch des NSA-Skandals verspricht die Politik auf der weltgrößten Computermesse Cebit rasches Handeln für ein sichereres Internet. Die Bundesregierung kündigte für dieses Jahr den ersten Entwurf für ein IT-Sicherheitsgesetz an. Sie will dabei mit der IT-Industrie zusammenarbeiten. Die EU-Kommission will ebenfalls in diesem Jahr eine europäische IT-Sicherheitsrichtlinie auf den Weg bringen.

„Snowden gab uns einen Weckruf. Lassen Sie uns ihn nicht verschlafen“, betonte die für Digital-Themen zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes am ersten Cebit-Tag gestern in Hannover. Datenschutz und Sicherheit sind fest in den Mittelpunkt der Branchenschau gerückt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Großbritanniens Premier David Cameron setzen sich gemeinsam für einen IT-Binnenmarkt in Europa ein. „Der digitale Markt ist unsere Zukunft“, sagte Merkel bei ihrem traditionellen Rundgang. An der Seite von Cameron – dem Regierungschef des Cebit-Partnerlandes Großbritannien – warb sie für ein gemeinsames europäisches Regelwerk, das die digitale Infrastruktur des Kontinents voranbringt.

Cameron machte nur einen Teil des Messerundgangs mit, blieb den Ständen von auf Datenschutz und Verschlüsselungstechnik spezialisierten Unternehmen aber fern. Die Rolle der britischen NSA-Partnerdienstes GCHQ in dem seit Monaten köchelnden Überwachungsskandal wurde in Hannover nicht angesprochen. Merkel sagte, es sei ein guter Schachzug der Cebit gewesen, Großbritannien dieses Jahr zum Partnerland zu machen.

Bundesinnenminister Thomas De Maizière, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Infrastrukturminister Alexander Dobrindt (CSU) stellten in Hannover die „Digitale Agenda“ der Bundesregierung vor.

De Maizière betonte, beim geplanten deutschen IT-Gesetz gehe es um die Frage, auf welche Weise das Internet geschützt werden könne, um die Gesellschaft funktionsfähig zu halten. Mit Blick auf die NSA-Affäre meinte er, eine alleinige Fixierung auf ein Abkommen, das derartige Spionage unterbinde, sei nicht ausreichend. Mittlerweile seien auch private Unternehmen eifrige Datensammler. Es gelte daher, den Datenschutz auf eine breitere Basis zu stellen.

Der IT-Branchenverband VDE schlug auf der Cebit Alarm: In Deutschland und Europa sei dringend eine „Reindustrialisierung“ bei IT und Telekommunikation nötig. „Wir dürfen nicht die Gefahr übersehen, dass wir in den nächsten 10 bis 15 Jahren sonst in eine Abhängigkeit von ausländischen Firmen kommen“, sagte der Vorsitzende der Informationstechnischen Gesellschaft im VDE, Ingo Wolff.

Der russische Virenjäger Eugene Kaspersky warnte auf der Cebit vor IT-Sabotage als einer bisher unterschätzten Gefahr. Inzwischen steuerten Computer immer mehr lebenswichtige Systeme, die Software dieser Anlagen sei aber unzureichend geschützt. „Wenn nichts unternommen wird, könnte es irgendwann gewaltig krachen“, griff er zu deutlichen Worten.

Unter dem Motto „Datability“ lockt die Messe bis Freitag ausschließlich Fachbesucher in ihre Hallen – 230 000 Profi-Anwender und IT-Experten werden erwartet.

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