Frost legt Akkus lahm : So wird Elektronik winterfest

Fallen die Temperaturen zu stark ab, sollte das Telefon nur kurz aus der Tasche geholt werden.
Fallen die Temperaturen zu stark ab, sollte das Telefon nur kurz aus der Tasche geholt werden.

Bei frostigen Temperaturen werden nicht nur Finger und Füße kalt: Auch Smartphone und Co macht der Winter zu schaffen.

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12. Januar 2016, 21:00 Uhr

Vom Auto kennt man das Problem: Fällt das Thermometer deutlich unter null, gibt es morgens Startschwierigkeiten, weil die Batterie schlappmacht. Und nicht nur Autos leiden unter der Kälte, auch Smartphone, Notebook oder Kamera sind ziemliche Frostbeulen.

Als Erstes wirkt sich die Kälte auf die Stromversorgung aus. Die Leistung von Smartphone- oder Kamera-Akku lässt mit der Zeit nach, wenn das Gerät zu kalt wird. Der Akku wird schneller leer und braucht länger zum Aufladen. Also: Geräte am besten bei Zimmertemperatur an die Steckdose. Auffälligen Leistungsabfall gibt es vor allem bei hohen Minusgraden: „Minus zehn Grad sind die kritische Grenze, ab da geht es rapide bergab“, erklärt Heidi Atzler vom Tüv Süd. Das Energieproblem betrifft nicht nur Smartphone-Akkus. Auch Powerbanks - also Batterien zum mobilen Laden - machen bei Kälte schneller schlapp, erklärt Johannes Weicksel vom IT-Verband Bitkom.

Auch Prozessoren in Smartphone, Tablet oder Laptop werden langsamer, wenn sie längerer Zeit großer Kälte ausgesetzt sind. Deswegen sollte man diese Geräte im Winter zum Beispiel nicht über Nacht im Auto liegen lassen - erst recht nicht, wenn die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen. Denn innerhalb des Fahrzeugs wird es nachts fast genauso kalt wie draußen.

Neben dem Akku ist vor allem das Display kälteanfällig. „LCD-Displays reagieren bei Kälte träge, sodass der Touch-Screen weniger bis gar nicht funktioniert“, sagt Michael Eck vom Tüv Nord. Grund dafür ist, dass die Flüssigkristalle innerhalb des Displays gewissermaßen einfrieren. Dadurch reagiert die Oberfläche deutlich langsamer als gewohnt auf Berührungen. Farbdarstellung und Beleuchtung können ebenfalls schlechter werden. Normalerweise verschwinden die Fehler, wenn das Gerät wieder aufgewärmt ist, manche Defekte bleiben aber dauerhaft.

Fast noch gefährlicher als tiefe Temperaturen sind große Temperaturschwankungen. „Abrupte Temperaturwechsel sind ein großes Risiko bei Handys“, warnt Wiebke Hellman von der Fachzeitschrift „Chip“. Wer etwa nach einem Nachmittag auf der Piste in die geheizte Skihütte zurückkehrt, riskiert den Gerätekollaps. „Kondenswasser bildet sich auf kalten Oberflächen in warmer Umgebung“, erklärt Michael Eck. Diese Feuchtigkeit kann zu Kurzschlüssen oder Korrosion an Kontakten oder auf der Platine führen.

Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man das Gerät erst aufwärmen lassen, bevor man es nutzt. Um dem Auskühlen vorzubeugen, tragen Nutzer ihre Geräte am besten nah am Körper, zum Beispiel in der Hosen- oder Jackentasche.

Um das empfindliche Gerät nicht unnötig Kälte und Schnee auszusetzen, kann man ein Headset benutzen. Handyhüllen bieten dagegen wenig Kälteschutz.

Und wenn das Gerät doch einmal schlappmacht oder Feuchtigkeit abgekommen hat? „Feucht gewordene Geräte kann man vorsichtig mit dem lauwarmen oder kalten Fön trocknen“, rät Eck. Bei Geräten wie Kameras, die aufgrund ihres Einsatzbereiches ungeschützt dem Frost ausgesetzt sind, hilft ein Ersatzakku. Wem der Saft ausgeht, kann dem Akku außerdem durch Reiben zwischen den Händen oft noch ein wenig Restenergie abtrotzen.

Julia Ruhnau

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