zur Navigation springen

Einfache Täuschung : So leicht gehen Menschen manipulierten Fotos auf den Leim

vom

Falten weg, Wolke rein, Passant raus: Fotos zu manipulieren ist für Profis ein Klacks. Wie leicht erkennen Menschen den Betrug?

svz.de von
erstellt am 21.Jul.2017 | 15:33 Uhr

Menschen fallen relativ leicht aufmanipulierte Fotos herein - selbst wenn sie gezielt danach gefragtwerden. Zu diesem Schluss kommen Forscher der britischen UniversitätWarwick, nachdem sie Hunderten Probanden echte und verfälschteAufnahmen zur Beurteilung vorgelegt hatten.

Die Wissenschaftler montierten beispielsweise ein Boot auf einen See oder veränderten Lichtverhältnisse. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachblatt «Cognitive Research: Principles and Implications». Mit moderner Software zur Bildbearbeitung können Profis Fotos relativeinfach verändern. Mittlerweile gibt es sogar spezielleComputerprogramme, die verfälschte Fotografien entlarven sollen.

Frühere Studien mit computergenerierten Bildern hätten gezeigt, dassviele Menschen Ungereimtheiten bei geometrischen Formen nichterkennen können, schreibt die Gruppe um Sophie Nightingale. DieForscher wollten nun wissen, wie gut Menschen Manipulationen aufechten Alltags-Fotos erkennen können.

«Bilder haben einen starken Einfluss auf unsere Erinnerungen. Wenn also Menschen nicht zwischen realen und gefälschten Details in Fotos unterscheiden können, könnten Manipulationen häufig verändern, was wir glauben und woran wir uns erinnern», sagte Co-Autor Derrick Watson laut einer Mitteilung.

Bei einem der Experimente legten die Forscher 707 Probanden jeweilszehn Fotografien vor, davon fünf echt und fünf verfälscht. DieAufnahmen stammten aus der Google-Bildersuche. Die Wissenschaftlermontierten beispielsweise in das Foto mit einem Mann, der einen Fischhält, ein Boot hinein. Oder sie hellten die Zähne deutlich auf. Diesebeiden Veränderungen gelten als plausibel hinsichtlich physikalischerGesetze. Die Wissenschaftler manipulierten die Bilder aber auch aufnicht-plausibele Art: Eine Baumgruppe im Hintergrund wurde verzerrtoder Schatten von Bäumen entfernt, obwohl sie in einerWasserspiegelung noch zu sehen waren.

Die Versuchsteilnehmer sollten sagen, ob das Bild manipuliert wurdeoder nicht. In 66 Prozent der Fälle lagen sie dabei richtig, wobeidie Probanden bei Originalen besser abschnitten. Wenn alle nurgeraten hätten, hätte die Quote bei 50 Prozent gelegen. «Dies hatgravierende Konsequenzen wegen der großen Anzahl an Bildern undmöglicherweise gefälschten Bildern, denen Menschen täglich durchsoziale Netzwerke, andere Internetseiten und die Medien ausgesetztsind», sagte Sophie Nightingale.

War den Probanden ein verfälschtes Bild aufgefallen, sollten sie denFehler in einem Raster von drei mal drei Teilbildern lokalisieren.Das gelang nur in 45 Prozent der Fälle. Teilnehmer erkanntenphysikalisch nicht plausible Veränderungen etwas besser alsphysikalisch plausible.

Bei einem zweiten, ähnlich aufgebauten Experiment fanden die Forscherheraus, dass die Fälschungen umso eher erkannt wurden, je mehrBildpixel von den Manipulationen betroffen waren. Zudem warenProbanden wesentlich besser darin, eine Verfälschung in einem Bildgezielt zu finden, als generell ein manipuliertes von einem echtenBild zu unterscheiden. Probanden mit einer skeptischen Grundhaltunggegenüber der Echtheit von Bildern schnitten in den Experimenten einwenig besser ab.

Hier kann man das Experiment selbst machen

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen