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Fotografie : So gelingen Architekturfotos

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ob Eiffelturm, Strandbungalow oder Industrieruine, Gebäude sind beliebte Fotomotive: So setzen Sie sie richtig in Szene

Unbeweglich und geduldig stehen sie da, die Gebilde aus Stein, Stahl und Glas. Und doch ist es gar nicht so leicht, Gebäude und Räume auf Fotos zu bannen. Entweder man bekommt den Kirchturm nicht ganz aufs Bild, hat ein vorbeifahrendes Auto mit drauf oder erkennt den schönen Erker nicht, weil er im Schatten lag. Deshalb braucht es in der Architekturfotografie Geduld, Planung und ein Gefühl für Raum und Linien.

Vorbereitung
„Ich habe alle Zeit der Welt, mich dem Gebäude zu nähern“, sagt Constanze Clauß vom Photoindustrie-Verband. Das solle man nutzen, um sich von allen Seiten einen ein Eindruck zu verschaffen. Ein Grundverständnis von Aufbau, Statik und Proportionen eines Gebäudes helfen beim Fotografieren.

Ausrüstung
„Wir brauchen weitwinklige Objektive, um das Gebäude ganz drauf zu kriegen“, erklärt Thomas Nutt, Architektur-Fotograf aus Hamburg. Dazu sind kurze Brennweiten nötig, zum Beispiel mit 20 mm. Nutt empfiehlt außerdem ein hohes Stativ. „Damit man jede Nuance unter Kontrolle hat“, sagt er. Wer die Architektur möglichst korrekt abbilden will, muss Geld in die Hand nehmen. Objektive ohne optische Fehler sind teuer, genauso wie Tilt-Shift-Objektive. Ein Polfilter gegen Reflexionen auf spiegelnden Oberflächen kann die Arbeit ebenfalls erleichtern.

Perspektive
„Die Perspektive muss man sich erlaufen“, sagt Thomas Nutt. Am besten wählt man sie nach den Linien aus, denen man folgen will, zum Beispiel Dachkanten oder Säulen.

Will man die Symmetrie eines Louis-XIV-Schlosses zeigen, ist ein mittiger Standpunkt hilfreich. Bei asymmetrischen Gebäuden gibt es vielleicht ganz andere reizvolle Blickwinkel.

Oft sind maßstabgebende Elemente sinnvoll, um Proportionen zu verdeutlich. Das können Menschen sein, aber auch banale Dinge wie etwa Türklinken. Wer Menschen verschwinden lassen will, kann das elegant per langer Belichtungszeit tun, erklärt Clauß: Passanten verschwimmen so zu kaum sichtbaren Schwaden.

Licht Hier kommt das Wetter ins Spiel. „Jedes Gebäude braucht ein eigenes Licht“, erklärt Nutt. „Eine große Glasfläche würde ich versuchen, im Sonnenschein zu fotografieren“, gibt er ein Beispiel. Hier kann man gut mit Spiegelungen arbeiten. Andere Gebäude wirken mit Wolkenhimmel oder Nebelschwaden beeindruckender. Constanze Clauß rät, vormittags oder nachmittags zu fotografieren. Auf Lageplänen kann man Schattenwurf und Lichteinfall bereits im Voraus abschätzen.

Innenarchitektur Natürlich kann man Gebäude auch von innen ablichten. Um den Raum möglichst ganz aufs Bild zu kriegen, sollte man aus einer Ecke heraus fotografieren. Und zwar nicht mittig, sondern eher im Verhältnis ein Drittel zu zwei Dritteln, rät der Kölner Fotograf Oliver Rausch. „Wenn man ein Bild von einem Zimmer machen will, sollte die Kamera nach Möglichkeit gerade sein“, sagt Thomas Nutt. „So sind auch Decke und Boden auf dem Bild zu erkennen.“ Und: Auf keinen Fall blitzen.

Stil Hier muss jeder seinen eigenen Ansatz finden. Entweder man geht ganz nüchtern an die Architektur heran, zeigt Gegensätze oder wählt extreme Perspektiven. Auch mit Farbfehlern oder Verzerrungen darf man Akzente setzen. Schwarz-weiß sollte man im RAW-Format fotografieren und die Bilder später am PC bearbeiten, rät Clauß. So behalten die Bilder ihre vollen Kontraste.

Julia Ruhnau

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