„White Rabbit“ : SMS statt Reiseführer

Die Tipps kommen einfach per SMS.Foto:
Die Tipps kommen einfach per SMS.Foto:

Wer kennt sich besser aus – ein Einheimischer oder der Reiseführer? Insider geben Touristen Tipps per Handy

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20. August 2015, 21:00 Uhr

Nur, weil sie dem weißen Kaninchen folgt, landet Alice im Wunderland. Das Mädchen läuft dem Tier hinterher und erlebt Dinge, auf die sie ohne das Kaninchen nicht gestoßen wäre. Ähnlich funktioniert ein SMS-Reiseführer, den zwei Berliner ins Leben gerufen haben: In Anlehnung an die Alice-Geschichte nennt der sich „White Rabbit“ - und gibt Touristen Tipps, die im klassischen Reiseführer eher nicht zu finden sind. „Wir dachten, es wäre besser, sich einfach mit einem wirklichen Insider kurzschließen zu können“, sagt Mitgründer Luke Atcheson, der selbst schon herkömmliche Touri-Bibeln verfasst hat.

Das Prinzip von „White Rabbit“ ist schnell erklärt: Touristen fragen per SMS nach Tipps und bekommen dann Vorschläge. Der Service ist kostenlos, um eine Spende wird allerdings gebeten. Die Nummer teilen sich Atcheson und sein Mitstreiter Jan Tewes Thede. „Wir haben ungefähr 50 Anfragen pro Tag“, sagt er. Am Wochenende seien es mehr. „Wir bekommen überraschend viele Anfragen zu Live-Konzerten und Orten für ungewöhnliche Dates“, sagt der 29-Jährige. Aber auch Illegales ist dabei: „Wir werden regelmäßig gefragt, wo Drogen zu bekommen sind.“ Bei einigen Fragen können manchmal selbst die Insider nicht helfen: „Wenn wir kein tolles Fisch-Restaurant in Reinickendorf kennen, dann sagen wir das auch.“ Dass Menschen im Urlaub mehr wollen als ein Hotelzimmer und ein Foto vor einem Wahrzeichen, beobachten auch andere: „Die Standards sind out“, sagt ein Sprecher vom Tourismusportal VisitBerlin. „Die Leute wollen ein authentisches Erlebnis.“ Inzwischen seien viele schon mehrmals in Städten wie Berlin gewesen – und suchten beim nächsten Besuch etwas Neues und Besonderes.

Seine SMS-Tipps beschreibt Atcheson als schneller, individueller und deutlich aktueller als die im gedruckten Reiseführer. „Das ist der Grund, warum traditionelle City Guides aussterben und Services wie “White Rabbit„ gefragt sind“, glaubt er. „Post-Tourismus, Hipster-Tourismus, was auch immer“ - eine gewisse Gruppe von Touristen wolle echte Erlebnisse statt Postkarten-Ansichten.

Dazu passen Portale wie AirBnB oder Wimdu, die Privatunterkünfte an Urlauber vermieten. Auch auf der Seite „Spotted by Locals“ (Entdeckt von Einheimischen) empfehlen Ortskundige Ecken, die nicht im Reiseführer stehen.

Diesen Trend machen sich auch Tourismusbehörden zunutze: VistBerlin hat eine eigene App mit Insider-Tipps entwickelt. Statt Reichstag oder Brandenburger Tor finden Besucher dort einen Waldhochseilgarten oder Tipps für eine Paddeltour. Den Reiseführer sieht man dort aber noch nicht für vom Aussterben bedroht. „Das ergänzt sich ganz wunderbar“, sagt der Sprecher.

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