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Digital

20. November 2017 | 13:05 Uhr

App aus MV : Smarte Sehhilfe für Blinde

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

E-Mails unterwegs schreiben, in der S-Bahn Zeitung lesen - für Blinde und Sehbehinderte ist das meist unmöglich.

svz.de von
erstellt am 10.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Bettina Schmidt ist Geschäftsfrau in Schwerin und blind. Für ihr Reinigungsunternehmen mit zehn Mitarbeitern ist die 53-Jährige viel unterwegs, holt Aufträge herein, erledigt Geschäftspost von unterwegs, beantwortet gleich noch die Mail des Steuerberaters. Seit einer Tumor-Operation vor zwölf Jahren kann die Schwerinerin nichts mehr sehen. Sie schwört auf ihr Smartphone, ohne das sie ihr Geschäft kaum so führen könnte und das ihr viel fremde Hilfe erspart. Smartphones mit ihren eingebauten Kameras und einer großen Zahl verfügbarer Apps fürs Lesen von Schriftstücken, für die feine Farbunterscheidung, für das Erkennen von Geld oder für die Suche nach Geschäften und Restaurants in der Umgebung kommen einer Revolution für Blinde und Sehbehinderte gleich. „Trotzdem können sich viele Betroffene nach wie vor nicht vorstellen, mit einem internetfähigen Handy und insbesondere mit dem Touchscreen zurechtzukommen“, bedauert der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband DBSV. Rund eine Million Menschen sind allein in Deutschland blind oder sehbehindert. Doch erst wenige vertrauen dem Gerät. Bettina Schmidt gibt seit kurzem Kurse. Ein wertvoller Tipp für die Woche des Sehens (8. bis 15. Oktober). Das A und O für Blinde und Sehbehinderte ist die Sprachfunktion. Schmidt wischt über die Oberfläche ihres Geräts. Eine Stimme liest in enormem Tempo vor, auf welchem Symbol sich ihre Fingerspitze gerade befindet. Unzählige Apps nutzt die Geschäftsfrau. Dazu gehört „Prizmo“, eine Anwendung, die Dokumente scannt und vorliest. Hilfreich ist das auch im Restaurant, wenn man wissen will, was auf der Speisekarte steht. „BlindSquare“ sagt, welche Straßen, Kreuzungen und Läden in wie vielen Metern Entfernung vom Standort es gibt und in welche Richtung man gehen muss. Der nächste Supermarkt liegt in 300 Metern auf zwölf Uhr, also geradeaus. Wer kennt nicht die Großmutter aus dem „Heidi“-Buch, die das kleine Mädchen abtastet, um sich eine Vorstellung von ihm zu verschaffen? Das ist mit dem Smartphone Vergangenheit. Die Kamera wird auf die Person gerichtet und der Stimme aus dem Gerät gelauscht: „Ein kleines Mädchen mit grünem Kapuzenshirt.“ Ohne fremde Hilfe Wäsche waschen und im Supermarkt einkaufen? Auch das ermöglichen iPhone und Co., mit der Feinfarben-Unterscheidungs-App oder einer App zum Lesen der Codes auf der Verpackung. Die Farben-App hilft auch bei der Auswahl der Garderobe.  „Toll wäre es , wenn mit Pieptönen vor Hindernissen auf meinem Weg gewarnt würde, so ähnlich wie der Einpark-Assistent beim Auto das tut“, sagt sie und würde gerne in unbekanntem Terain auf Entdeckungssuche gehen.

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