Digitalisierungsbericht 2016 : Second Screen: TV von morgen

Fernseher und Handy werden parallel genutzt.
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Fernseher und Handy werden parallel genutzt.

Die Zeiten, in denen der Fernseher die ungeteilte Aufmerksamkeit hatte, sind vorbei. Parallel wird gesurft, geliket und getwittert

svz.de von
29. August 2016, 09:35 Uhr

Für viele Zuschauer gehört es längst zum Alltag, neben dem laufenden TV-Gerät ein Smartphone oder Tablet zu nutzen. Die Sender richten ihr Angebot zunehmend auch auf diesen Second Screen aus, und auch die Werbewirtschaft hat den zweiten Bildschirm für sich entdeckt.

„Fakt ist, dass genau wie bei den gedruckten Zeitungen das Fernsehen immer mehr Aufmerksamkeit an die sozialen Medien abgibt. Das wird auch so weitergehen.“, sagt Prof.Stephan Weichert von der Macromedia-Hochschule in Hamburg.

Und der Digitalisierungsbericht 2016 zeigt: Die Second-Screen-Nutzung ist erneut leicht gestiegen. Rund jeder zweite Zuschauer (46,5 Prozent) setzte das Smartphone parallel zum Fernseher ein, bei den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar mehr als drei Viertel (78 Prozent). „Wir beobachten einen Trend, dass der Second Screen zunehmend wichtiger wird und das TV-Gerät - also den bisherigen First Screen - als relevanteres Medium ablöst“, sagt Weichert.

Wie können die TV-Macher am besten darauf reagieren? Sie sollten „von sich reden machen und auch kontroverse Themen zulassen“, rät der Experte. Ein gutes Beispiel ist Moderator Jan Böhmermann: „Er ist ein Phänomen, weil er beide Klaviaturen beherrscht: das analoge Programmfernsehen und die digitalen Netzwerke, die er für sich gewinnt und vereinnahmt.“

Die Sender lassen sich jede Menge einfallen, um die Zuschauer auch über den kleineren Bildschirm zu erreichen. RTL bietet seit einigen Jahren mit RTL Inside eine eigene Second-Screen-App, die TV-Formate live begleitet, etwa mit Extra-Informationen zu Magazinsendungen oder zu den Darstellern täglicher Serien“. Darüber hinaus werden Shows wie „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ intensiv über Twitter und Facebook begleitet.

Besonders gut läuft Second Screen beim Sport. Zu den Olympischen Spielen in Rio boten die öffentlich-rechtlichen Sender bis zu sechs Live-Streams von allen möglichen Wettkämpfen an.

Auch für die Werbewirtschaft ergeben sich neue Möglichkeiten. Die „Second Screen Usage ist eine ernstzunehmende Änderung des Mediennutzungsverhaltens“, erklärt Helmut Kammerzelt von der FH St. Pölten. Die österreichische Hochschule hat die Auswirkung der Multi-Screen-Nutzung auf die Branche untersucht und festgestellt, dass sich die Zuschauer besser an Marken erinnern und der Wiedererkennungswert höher ist, wenn die Werbung parallel im TV und mobil gezeigt wird.

Aber was macht das Multitasking mit dem Zuschauer? Die Meinungen dazu gehen auseinander. „Es gibt Psychologen, die behaupten, dass dieses Mehrrezeptionsverhalten dauerhaft zu einer höheren Konzentrationsfähigkeit führt - vor allem was das kognitive Wahrnehmungsverhalten angeht, also dass wir schneller Dinge verstehen und aufnahmebereiter sind“, sagt Weichert. Andere glauben, es fördere die Zerstreuung und führe dazu, dass man sich nicht mehr auf eine Sache konzentrieren und einlassen könne. „Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.“

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