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Internet-Kriminalität : Schnäppchenjäger in der Falle

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Das heiß ersehnte Smartphone zum halben Preis? Solche Angebote lockenKunden oft auf Webseiten gefälschter Online-Shops

svz.de von
erstellt am 25.Okt.2016 | 21:00 Uhr

Es hört sich nach einem echten Schnäppchen an: Internet-Shops bieten Smartphones, Laptops oder Markenschuhe zu besonders günstigen Preisen an. Eine böse Überraschung erlebt der Schnäppchenjäger dann aber, wenn er das Paket auspackt. Oft wird mangelhafte, falsche oder gar keine Ware geliefert. Das Geld ist weg, wenn der Käufer per Vorkasse gezahlt hat. Die Verbraucherzentralen und die Polizei geben Tipps, wie sich Online-Shopper vor Scheinangeboten schützen können.

Wie funktioniert das System der gefälschten Shops?

Betrüger imitieren Online-Shops bekannter Markenhersteller - zum Beispiel von Bekleidung, Elektronik oder Schmuck. Sie kopieren Beschreibungen und Bilder, damit die gefälschte Seite möglichst echt aussieht. Die Produkte werden zu billigen Preisen angeboten und locken so Schnäppchenjäger an. Die Kunden geben ihre Adress- und Zahlungsdaten an, zahlen mit ihrer Kreditkarte. Die gewünschte Ware kommt allerdings nie an, ist gefälscht oder minderwertig.

Wie erkenne ich Fake-Shops?

Die Shops sehen oft täuschend echt aus. Verbraucherschützer und Polizei raten dazu, sich das Impressum anzuschauen. Dort müssen die Handelsregister, die Umsatzsteuer-ID-Nummer und ein Kontakt zum Unternehmen angegeben sein. Wird nur eine Mailadresse genannt, ist das Webangebot unseriös. Wenn die Preise dazu übertrieben günstig sind und die Bezahlung nur per Vorauskasse möglich ist, sind das Anzeichen für ein Schein-Portal.

Welche Produkte sind besonders beliebt?

Die Warenpalette ist extrem vielseitig. „Das geht querbeet vom topaktuellen iPhone, das beim Händler nicht mehr verfügbar ist, bis zu Markenkleidung und Designerware von Adidas, Puma, Ray-Ban oder Nike“, sagt Hans-Joachim Henschel, der beim Landeskriminalamt Niedersachsen zu Prävention von Internet-Kriminalität arbeitet. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen warnt besonders vor illegalen Medikamenten-Shops.

Wie oft fallen Käufer auf die Schein-Shops herein?

Das Bundeskriminalamt hat im Jahr 2015 in seiner Kriminalstatistik 74 421 Fälle von Warenbetrug im Internet registriert, wozu Fake-Shops zählen. Das sind 708 Fälle mehr als im Jahr 2014. Von allen im Internet begangenen Straftaten macht der Warenbetrug damit rund 30 Prozent aller Delikte aus. Warenbetrug schließt alle Fälle ein, bei denen Käufer um ihre Ware betrogen wurden, die sie bestellt und bezahlt hatten.

Was können ehrliche Online-Händler tun?

Durch Fake-Shops verlieren Online-Anbieter nach Angaben des Einzelhandelsverbands HDE das Vertrauen der Kunden. Über 60 Prozent der kleinen und mittelgroßen Online-Händler würden daher ein Gütesiegel nutzen. Das häufigste Siegel ist laut einer Händlerbefragung dasjenige des Unternehmens Trusted Shops. Käufer können die Internetseite des Anbieters dort eingeben und somit überprüfen, ob das Siegel tatsächlich vergeben wurde. Auch der Händlerverband der Internet-Händler vergibt ein Käufersiegel.

Was können Kunden unternehmen?

Wer nach einer Online-Bestellung von Ware feststellt, dass er auf einen Betrüger hereingefallen ist, muss schnell handeln. Am besten fertigt er dann einen Screenshot von der Webseite des Fake-Shops an und druckt alle Unterlagen aus. Anschließend ist es wichtig, den Fall bei der Polizei anzuzeigen.

Außerdem sollten Betroffene unverzüglich Kontakt mit ihrer Bank aufnehmen. Denn je nach der gewählten Zahlungsart können sie unter Umständen ihr Geld auch über das Kreditinstitut zurückbekommen.

Wenn Kunden die Ware per Vorkasse gezahlt haben, sind sie ein Risiko eingegangen. Denn stellt sich der Online-Händler als Betrüger heraus, steht der Verbraucher am Ende oft mit leeren Händen da: „Meist ist die Chance dann sehr gering sein Geld zurückzubekommen“, warnt Christian Aldenhoff von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Auch Thomas Schlüter, Sprecher des Bundesverbandes deutscher Banken, bestätigt: Das Kreditinstitut kann bei Zahlung per Vorkasse die Überweisung nicht mehr zurückholen. „Der Verbraucher muss sich dann an den Händler wenden.“ Im Betrugsfall ist das meist schwer möglich, deshalb bleiben dann oft nur zivilrechtliche Schritte. Auch das ist gar nicht so einfach: „Oft fehlt eine richtige Adresse, um gegen den vermeintlichen Anbieter vorzugehen und ihm etwa eine Klageschrift zu schicken“, erklärt Aldenhoff. Er rät: „Vor dem Kauf sollten Verbraucher unbedingt das Impressum auf Vollständigkeit prüfen.“ Auch dann sei aber nicht ausgeschlossen, dass es sich um einen Fake-Shop handelt, da selbst das Impressum täuschend echt gefälscht sein kann.

Wollen Kunden mehr Sicherheit, sollten sie eine andere Zahlungsart als Vorkasse wählen. „Wer die Ware per Lastschriftverfahren bezahlt hat, kann den Auftrag bei seiner Bank innerhalb einer Frist von acht Wochen zurückholen“, erklärt Schlüter. Das sei in der Regel ohne Angabe von Gründen möglich.

Zahlt der Kunde per Kreditkarte, kann er einzelnen Buchungen widersprechen. Dafür muss er sich an das zuständige Kreditinstitut wenden. Meist haben Verbraucher auch dafür acht Wochen Zeit - die Frist kann aber je nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Banken auch variieren. Deshalb rät Schlüter: „Verbraucher sollten ihre Kreditkartenabrechnungen regelmäßig und unverzüglich prüfen.“ Dies gelte auch für Kontoauszüge.

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