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Ratgeber : Schallplatten richtig digitalisieren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Was beim Umwandlen von Vinyl-Tonträgern in digitale Formate zu beachten ist.

von
erstellt am 05.Feb.2015 | 20:21 Uhr

In vielen Haushalten ist es noch vorzufinden, das „schwarze Gold“: Singles, Maxis, Langspielplatten, kurz Musik auf Vinyl. Ob bei niemals auf CD erschienener Rarität oder nostalgisch verklärtem Oldie, oft keimt der Wunsch auf, diese Schätze auch mobil oder auf Datenträgern in die Gegenwart zu retten. Doch das Umwandeln der Stücke in Digitalformate wie MP3 oder FLAC ist gar nicht so einfach. Denn bevor es ans Überspielen geht, ist noch ein wenig Vorarbeit nötig. Zwar gibt es Geräte, die damit direkt per USB Vinyl-Aufnahmen in Computerdateien umwandeln können, jedoch ist generell die Aufnahmequalität durch die voreingestellte Komprimierung dermaßen schlecht, dass der Ruf nach Alternativen laut wird.

Die Vorbereitung

Zunächst muss überprüft werden, ob der korrekt geerdete Plattenspieler als zwingende Voraussetzung über einen Audioausgang verfügt. Besitzt außerdem das Gerät keinen eingebauten Phono-Vorverstärker, kann und muss ein solcher separat erworben werden. Sie sind normalerweise in jedem Elektronikmarkt ab etwa 30 Euro erhältlich.

Nachdem der Vorverstärker mit dem Audioeingang Ihres Computers angeschlossen ist (per Stereo-Cinch-Stecker auf Klinkenstecker 3,5 mm), ist es wichtig, in den Eigenschaften der Soundkarte (finden sich meist per Rechtsklick auf das Lautsprechersymbol rechts in der Taskleiste) das Aufnahmegerät zu konfigurieren. Als Standardformat empfiehlt sich die Voreinstellung „CD-Qualität“ und beim Pegel ist ein Wert um die 70 ratsam. Hier hilft aber späteres Experimentieren, falls die Resultate zu wünschen lassen.

Sind Verkabelung und Einstellungen korrekt, sollte nun die Schallplatte über die Computer-Lautsprecher wiedergegeben werden.

Als nächsten Schritt wählen wir die Software aus, mit der die Aufnahmen digitalisiert werden sollen. Empfehlenswert sind die Freeware Audacity oder das etwas umfangreichere Steinberg Wavelab. Hier reichen ältere Versionen völlig aus, diese sind schon günstig zu bekommen.

Per rotem Aufnahme-Button wird nun die erste Probe gestartet. Es erscheint ein Fenster, in dem der Pegel des Eingangssignals angezeigt wird. Dieser sollte den Maximalwert stets etwas unterschreiten, sonst können ärgerliche Übersteuerungen entstehen. Wird unsere Musikaufnahme zu laut, kann der Nutzer einfach den Pegel in der Einstellung der Soundkarte wie beschrieben senken.

Eine kurze Probeaufnahme zeigt klar an, ob wirklich maximale Ausschläge vermieden werden konnten. Leider ist jede Platte unterschiedlich laut aufgenommen, so dass hier gelegentliches Nachjustieren sinnvoll ist. Während aber zu leise Aufnahmen im Nachhinein verlustfrei korrigiert werden können, führen zu laute unwiederbringlich zu Qualitätsverlust. Abgeschnittene Lautstärke-Spitzen wären dann endgültig weg.

Die Aufnahme

Es empfiehlt sich, die kompletten Seiten einer Vinyl-Scheibe als Ganzes mitzuschneiden. Nach dem Ende der Aufnahme markieren wir einen Titel, der durch die grafische Darstellung in der Software gut auszumachen ist und schneiden diesen Bereich aus. Sodann erstellen wir eine neue Datei im WAV-Format mit den vorgegebenen Eigenschaften (Kanäle: Stereo, Samplerate 44100, Genauigkeit 16 Bit in CD-Qualität), um die Kompatibilität mit modernen Abspielgeräten zu gewährleisten. Nun wird hier die Zwischenablage eingefügt und wir erhalten den Titel als einzelne Datei. Je nach Anspruch kann diese noch bearbeitet werden. So ist es ratsam, leises Grundrauschen am Anfang und Ende jeweils durch Blenden (Fade) zu unterdrücken. Weitere Software-Filter sollten mit Bedacht angewendet werden, um den originalen Sound nicht zu verfälschen. Audiophile Perfektionisten können an dieser Stelle jedoch jedes Knistern oder Rauschen wegretuschieren. Die Möglichkeiten dazu sind durch die jeweilige Software definiert.

Die letzten Schritte

Bei dem finalen Abspeichern der Datei auf dem Computer sind verschiedene Formate denkbar. Generell beanspruchen unkomprimierte Audiofiles wie WAV oder FLAC ein Vielfaches an Speicherplatz. Als gängigstes Format hat sich MP3 etabliert. Sollte Ihr Programm dieses nicht anbieten, empfiehlt sich der Download des entsprechenden Codec aus dem Internet. Sehr gute Ergebnisse liefert der Lame-MP3-Encoder. Die Bitrate der MP3s sollte 192 nicht unterschreiten, sonst sind Qualitätseinbußen unüberhörbar.

Dieses Prozedere wiederholt sich bei jedem Titel auf beiden Seiten der Schallplatte und nach kurzer Eingewöhnung gelingen diese Schritte wie automatisch, so dass die eigentliche Aufnahme kaum mehr Zeit in Anspruch nimmt als die Plattendauer.

Da jeder Musikliebhaber den Überblick über seine Sammlung behalten möchte, ist eine vernünftige Benennung der Titel ein Muss. Hier hilft das kostenlose Tool Mp3Tag, über das alle relevanten Informationen zum Track eingetragen werden können, die dann am Ende vom Wiedergabegerät ausgelesen werden. Will man sich mühsames Abschreiben sparen, bietet die Internetseite discogs.com einen nahezu lückenlosen Fundus an allen je erschienenen Tonträgern mit all ihren Informationen, die dann per copy&paste in Mp3Tag eingetragen werden können.

 

Vinyl bleibt Vinyl

Keine Vinylaufnahme wird jemals die Qualität eines Stückes von CD erreichen . Alterungserscheinungen wie Kratzer oder ein Grundrauschen, statisches Knistern, selbst das Klangecho von Schritten wird immer hörbar bleiben, auch wenn die Lebensdauer eines Vinyls durch Waschen, sorgfältige Lagerung und geringe Nutzung erhöht werden kann. Aber schlußendlich macht das doch auch den Reiz von Vinylplatten aus, oder?

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