Digitalisierung : Rund um die Uhr erreichbar - ein Graus

Eine Umfrage ergab zumindest, dass es den Deutschen nicht wichtig ist, immer und überall erreichbar zu sein.
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Eine Umfrage ergab zumindest, dass es den Deutschen nicht wichtig ist, immer und überall erreichbar zu sein.

Im Minutentakt ploppen auf Smartphones News auf und wollen beantwortet werden

svz.de von
22. Juni 2016, 12:00 Uhr

Chat-App, SMS, Mail und Telefon: Die ständige Erreichbarkeit empfinden nur wenige Deutsche als erstrebenswert. Das Smartphone stets im Anschlag, den Blick aufs Display gerichtet – das ist für die meisten Bundesbürger anscheinend Stress.

Eine Umfrage ergab zumindest, dass es den Deutschen nicht wichtig ist, immer und überall erreichbar zu sein. Nur 16 Prozent halten die ständige Erreichbarkeit für wichtig, wie die GfK gestern mitteilte. Anders sieht es im Ausland aus.

Im internationalen Durchschnitt beträgt die Zustimmungsrate 42 Prozent. Vor allem in Russland und China ist die Erreichbarkeit den Befragten besonders wichtig. Dort stimmen jeweils 56 Prozent der Befragten der Aussage „Für mich ist es wichtig, immer und überall erreichbar zu sein“ zu – gefolgt von der Türkei (53 Prozent) und Mexiko (50 Prozent).

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Dabei legten die Deutschen die gesündere Einstellung an den Tag, meinen Experten. E-Mails und SMS nach Feierabend stehen seit Längerem in der Kritik, weil ein Zusammenhang mit Stress und psychischen Erkrankungen vermutet wird. „Die ständige Erreichbarkeit ist absolut ungesund, weil wir überhaupt keine Gelegenheit mehr haben, abzuschalten und uns gehen zu lassen“, sagt Gesundheitspsychologin Julia Scharnhorst.

Den Druck, ständig erreichbar zu sein und ständig sofort reagieren zu müssen, erlebt sie in ihrer täglichen Arbeit gerade bei jungen Menschen sehr stark. „Junge haben oft viel zu viele Kontakte und setzen sich dann gegenseitig unter Druck, immer schnell zu antworten“, sagt Scharnhorst. Das laufe dann unter dem Vorwurf: „Ich sehe doch, dass du online bist, warum hast du mir noch nicht geantwortet?“ Teils resultierten aus dem Druck auch Streitigkeiten. „Es haben sich schon Freundschaften getrennt deswegen. Manche empfinden das als Vernachlässigung oder Beleidigung.“

Im internationalen Vergleich der Altersgruppen zeigt sich laut der GfK-Studie auch, dass es vor allem den Menschen zwischen 30 und 39 Jahren wichtig ist, ständig und überall erreichbar zu sein: Knapp die Hälfte stimmt hier der Aussage zu, dass dies wichtig ist – dicht gefolgt von den 20- bis 29-Jährigen (45 Prozent) und den Teenagern (43 Prozent). Einen Unterschied zwischen Männern und Frauen bei der Zustimmung gibt es der Umfrage zufolge nicht.

Insgesamt sei die Zahl der Krankheiten wegen psychischen Störungen in den vergangenen Jahren massiv gestiegen, sagt Scharnhorst.

Einige Unternehmen regeln zum Gesundheitsschutz ihrer Angestellten deshalb inzwischen sogar den Einsatz von Smartphones oder Tablets in der Freizeit.

Gesundheitspsychologin Julia Scharnhorst rät dennoch dazu, dass Handy auch mal auszumachen: „Wir brauchen einfach Zeiten, in denen wir komplett abschalten können und nicht noch mit halbem Gehirn im Arbeitsmodus sind“, warnt sie.

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