Organisierter Betrug : Promi-Todesmeldung als Abzocke

Quicklebendig: Stefan Raab wurde für tot erklärt - ein Betrug.
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Quicklebendig: Stefan Raab wurde für tot erklärt - ein Betrug.

In sozialen Netzwerken wie Facebook locken Betrüger Nutzer in die Falle, indem sie schlichtweg Lügengeschichten verbreiten. Doch warum?

svz.de von
15. März 2016, 08:00 Uhr

Es war eine Schlagzeile, die für Furore sorgte: „++SELBSTMORD++ Stefan Raab wurde der Stress zu viel“ lautete der Titel einer Meldung, die jüngst auf Facebook aufpoppte. Der angebliche Urheber: niemand Geringeres als Raabs früherer Arbeitgeber „Prosieben.de/TV TOTAL“. So sah es zumindest auf den ersten Blick aus. Wer auf die Meldung klickte, wurde allerdings schnell eines Besseren belehrt. Der Beitrag war gefälscht, der Link führte zu einem Gewinnspiel. Um an Daten heranzukommen, setzen Betrüger neuerdings auf die Masche: je größer die Sensation, desto mehr Klicks.

Den Betrug enthüllt hat die österreichische Non-Profit-Organisation „mimikama“. Der gemeinnützige Verein deckt gemeinsam mit deutschen Behörden seit fünf Jahren Abofallen und Falschmeldungen auf - und machte jüngst einen neuen Trend aus. „Seit ein paar Wochen können wir gehäuft beobachten, dass Todesüberschriften von Prominenten erfunden werden und es so ausschaut, als ob es von Nachrichten- oder TV-Sendern kommt“, sagt Andre Wolf von mimikama. Unter den vermeintlichen Todesopfern: Schauspieler Leonardo DiCaprio, Rapper Kay One oder etwa Hollywood-Star Charlie Sheen. Gepostet würden die Beiträge gezielt in Facebook-Gruppen mit Tausenden Nutzern. Mit der Angabe bekannter angeblicher Urheber wie „Bild.de“ steige die Glaubwürdigkeit der Quelle. Doch warum das alles? Wolf erklärt das Prinzip: Es geht um Namen, Alter, Anschrift, E-Mail, um gezielt Werbung verschicken zu können. Mittelsmänner verbreiten die Links dann im Netz und erhalten bei erfolgreicher Datensammlung Provision von den Firmen. Doch genau da wird es oft kriminell, denn die Links werden in völlig anderen Kontexten versteckt: „Dann werden dramatische Meldungen aufgebaut, damit möglichst viele draufklicken“, sagt Wolf. Das Ziel: möglichst viel Geld abzugreifen. Besonders gefährlich für User ist es vor allem dann, wenn sich hinter dem Link Trojaner verstecken, die den Rechner befallen, wie etwa bei einer Meldung zum vermeintlichen Tod des philippinischen Schauspielers Vic Sotto, die im Sommer vergangen Jahres im Netz kursierte.

Neben Sterbeanzeigen kursierten auch zunehmend Vermisstenanzeigen im Netz, überwiegend von jungen Mädchen, sagt Wolf. Der Vorteil: Das Ganze geht noch schneller viral, denn aus Anteilnahme teilten viele die Posts ganz unbedarft auf ihrer eigenen Seite. Damit die Daten auch wirklich verbreitet werden, muss der Nutzer diese zwar erst mal selber eingeben. Doch wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass unter 28 Millionen Facebook-Nutzern in Deutschland einige darauf reinfallen, liegt auf der Hand.

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