Ratgeber : PC-Mythen auf dem Prüfstand

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Programme nie plötzlich beenden, Festplatte regelmäßig formatieren: Regeln für die richtige Nutzung eines Computers sind oft überholt

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03. August 2015, 21:00 Uhr

Seit es Computer gibt, hört man immer wieder von Regeln, denen man gerne Glauben schenken möchte, weil sie irgendwie überzeugend klingen – an manchen ist etwas dran, andere waren früher einmal richtig. Ein Überblick:

Der Rechner kann kaputtgehen, wenn man ihn mitten im Betrieb ausschaltet: Jein. Die Hardware steckt so etwas problemlos weg. Allerdings können das Betriebssystem oder ein Programm beschädigt werden, wenn durch plötzliches Ausschalten ein Schreibprozess unterbrochen wird, erklärt Christoph de Leuw von der „Computerbild“.

Man sollte 15 Sekunden warten, bis man einen PC neu startet: „Dafür gibt es keinen Grund“, sagt Michael Schmelzle von der „PC Welt“ – es sei denn, der BIOS-Chip soll zurückgesetzt werden. „Dieser benötigt etwa 15 Sekunden, um sich zu entladen.“

Je mehr Kerne und Gigahertz ein Prozessor hat, desto schneller ist er: Im Prinzip sei das schon richtig, sagt Thomas Rau von der „PC Welt“. Es sei aber immer die Frage, ob die jeweilige Software überhaupt mehrere Kerne nutzen kann. Bei einem aktuellen Rechner, auf dem häufig viele Programme gleichzeitig laufen, seien mehrere CPU-Kerne immer von Vorteil. Viel hängt aber auch vom Aufbau eines Prozessorkerns und der Taktfrequenz ab.

Um zu verhindern, dass der PC langsamer wird, muss man regelmäßig die Festplatte defragmentieren: Das war früher einmal, heute machen das Microsoft-Betriebssysteme ab Windows 7 wunderbar im Hintergrund. Bei SSDs sollte man es sogar tunlichst unterlassen, warnt Michael Schmelzle. Diese „reinigten“ sich auf eine andere Art selbstständig.

USB-Speicher können kaputtgehen, wenn man sie ohne Abmelden vom Rechner abzieht: „Ein typischer Mythos, den ich mit einem Jein beantworten würde“, sagt Georg Schnurer. „Die Geräte selber können in der Regel nicht kaputtgehen.“ Die Daten aber sehr wohl – nämlich dann, wenn gerade noch ein Schreibvorgang läuft, vielleicht auch unsichtbar im Hintergrund. Die Schäden könnten so weit gehen, dass das Laufwerk überhaupt nicht mehr lesbar ist und der USB-Stick neu formatiert werden muss: „Dann sind die Daten futsch.“

Nur ganz leere Notebook-Akkus dürfen wieder aufgeladen werden: Nein, für Lithium-Ionen-Akkus gilt das nicht mehr, sagt Thomas Rau. „Notebook-Hersteller empfehlen eine einmalige komplette Entladung bei einem neuen Akku nur deshalb, damit sich die Ladestandanzeige des Betriebssystems oder von Software-Tools mit dem neuen Akku kalibrieren kann.“

Man muss einen Bildschirmschoner nutzen, um zu verhindern, dass sich auf dem Bildschirm ein Bild festbrennen kann: „Wenn ich einen alten Röhrenmonitor habe, dann ist das eine supergute Idee, weil es da tatsächlich Einbrenneffekte gibt“, sagt Georg Schnurer. „Bei Flachbildschirmen gibt es das nur in sehr abgeschwächter Form.“ Nötig sei ein Bildschirmschoner deshalb nicht. In jedem Fall sinnvoll ist es aber, in den Energieoptionen des  Betriebssystems einzustellen, dass sich das Display bei Nichtnutzung nach einiger Zeit abschaltet.

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