Hasskommentare auf Facebook : Onlinehetze: So reagieren Politiker

Politiker reagieren auf rassistische Äußerungen auf ihren Facebookseiten.
Politiker reagieren auf rassistische Äußerungen auf ihren Facebookseiten.

Politiker bekommen auf Facebook immer mehr Hasskommentare / Manche reagieren mit Ironie, andere schimpfen zurück

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24. Januar 2016, 21:00 Uhr

Renate Künast setzt auf Ironie.„Sie wollen mir einen Hass-Kommentar schicken? Sich mal so richtig auskotzen?“, schrieb sie Mitte Januar auf ihrer Facebook-Seite. „Dann gebe ich Ihnen hier ein paar Hinweise, die Ihnen das Schreiben und mir das Lesen erleichtern.“ Zu verschiedenen Aspekten sammelte die Grünen-Abgeordnete in ihrem „Hass-Tool“ Tipps. „Sparen Sie nicht an Ausrufezeichen“, riet sie zum Beispiel augenzwinkernd. Kreativ und ironisch gehen bislang nur sehr wenige Politiker mit dem Hass im Netz um.

Zwar habe es schon immer Hetze in politischen Debatten gegeben, aber das Problem sei in den vergangenen Monaten größer geworden, sagen Experten. Im Fadenkreuz stehen vor allem Politiker, die sich für Flüchtlinge einsetzen. „Die meisten Hasskommentare kommen eindeutig von rechten politischen Aktivisten“, erläutert Caja Thimm, Medienwissenschaftlerin an der Universität Bonn. Hintergrund sei die „Pegida“-Bewegung, deren Anhänger sich über soziale Medien vernetzt hätten. Weil es zudem kaum Gegenrede gebe, seien die Hemmungen gefallen. Die betroffenen Politiker gehen damit ganz unterschiedlich um. Bei besonders schlimmen Fällen stellen einige Strafanzeige.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt wies vergangenen September auf die Hetze hin, sie las Hasskommentare in einem Onlinevideo vor. Einen anderen Weg ging kürzlich CDU-Generalsekretär Peter Tauber: Er schimpfte zurück. „Sie sind ein Arschloch“, schrieb er einem pöbelnden Nutzer auf seiner Facebook-Seite, ergänzt mit einem Smiley. Damit stieß er auf große Resonanz. Die „Arschloch“-Antwort sei ein „Weckruf“ gewesen: „Ich finde gut, dass er damit eine Debatte über Hass im Netz ausgelöst hat“, sagt Berater Fuchs. Prinzipiell sollten Politiker aber verbal abrüsten, empfiehlt Berater Fuchs.

„Es gibt kein Patentrezept, wie Politiker mit Hasskommentaren umgehen können“, sagt Forscherin Thimm. Martin Fuchs betont, es sei wichtig, eine Netiquette mit klaren Regeln für die Debatte auf der jeweiligen Seite zu formulieren. Außerdem sei es unerlässlich, die Kommentare zu moderieren. Ein anderes Mittel kann die Counterspeech sein, die Gegenrede.

Diese gilt als der Königsweg: Wenn jemand Hass postet, könnte ihm die Community widersprechen. Die Netzwerke selbst stärken diesen Weg. Facebook kündigte kürzlich die Gründung einer „Initiative für Zivilcourage Online“ an.

Caja Thimm plädiert dafür, dass politische Akteure nicht nur individuell auf Anfeindungen reagieren. „Ich würde mir überparteiliche Reaktionen wünschen: Wenn Politiker von Hasskommentaren berichten, dann könnten politische Akteure aller Parteien deutlich machen, dass solche Botschaften in der Demokratie nicht akzeptiert werden.“

Nicht zuletzt ist es in den sozialen Netzwerken einfach wie nie zuvor, mit Hass Aufmerksamkeit zu erzielen. „Dafür braucht man noch nicht einmal eine Briefmarke. Früher war der Weg zum Briefkasten eine Hemmschwelle - diese gibt es jetzt leider nicht mehr“, so Künast.

Matthias Klein/epd

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