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Datenschutz : Online-Tracking sorgt für Wirbel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Viele Webseiten benutzen Techniken, um ihre Nutzer wiederzuerkennen und ihnen Werbung anzuzeigen

svz.de von
erstellt am 05.Sep.2014 | 23:10 Uhr

Daten sind die Wertmarken der digitalen Welt: Unternehmen wollen möglichst viel davon sammeln, Nutzer möglichst wenig davon preisgeben. Eine neue, besonders hartnäckige Technik zur Nachverfolgung der Nutzer im Netz sorgt nun für Aufsehen.

Auf tausenden beliebten Webseiten findet sich die Technologie namens „Canvas Fingerprinting“, wie Forscher aus Belgien und den USA feststellten. So werden die Klicks der Nutzer beobachtet und ausgewertet, damit ihnen passgenaue Werbung angezeigt werden kann. Das funktioniert selbst dann, wenn Nutzer herkömmliche Nachverfolgung, genannt „Tracking“, durch Cookies löschen oder verbieten.

Die „Canvas Fingerprinting“-Technik können Nutzer kaum unterbinden, kritisierten die Forscher um Gunes Acar von der Universität Leuven in Belgien. „Das legt nahe, dass selbst bewanderte Nutzer vor großen Schwierigkeiten stehen, wenn sie Tracking- Techniken ausweichen wollen“, schrieben die Wissenschaftler.

Die Forscher hatten die Technik bei ihrer Untersuchung auf mehr als 5000 Websites entdeckt. Auf hunderten Pornoseiten, auf Webseiten der US-Regierung und auf deutschsprachigen Nachrichtenportalen wurden demnach die digitalen Fingerabdrücke gesammelt.

Einige Website-Betreiber reagierten sofort. Nachdem die US-Seite „ProPublica“ von den Forschungsergebnissen berichtet hatte, entfernten sie die Technologie aus ihren Auftritten. Das IT-Nachrichtenportal Golem schrieb: „Wir haben umgehend dafür gesorgt, dass die Technik bei Golem nicht mehr eingesetzt wird.“ Golem habe nicht gewusst, dass die Technik auf ihrer Webseite lief.

Eingesetzt hatte sie ein Dienst zur Werbevermarktung. Der Fall offenbart ein Dilemma: Die Werbebranche will Nutzern möglichst präzise folgen können, um Anzeigen an Mann und Frau zu bringen. Von diesen Werbegeldern leben viele Websites. Doch einigen Internetnutzern ist nicht wohl bei der Vorstellung, dass im Hintergrund Informationen über ihren Computer und ihr Surfverhalten gesammelt werden. Sie blockieren „Cookies“, die kleinen Dateien von Werbenetzwerken und Websites, die Nutzer wiedererkennen. „Deswegen überlegt die Werbebranche, was sie für Alternativen entwickeln kann“, sagt der Software-Entwickler Henning Tillmann, der neue Tracking-Mechanismen untersucht hat.

Eine davon ist das „Fingerprinting“. Dabei werden Informationen über den  Internetbrowser und den Computer gespeichert. Diese Einstellungen sind überraschend unterschiedlich, erklärt Tillmann. Menschen installieren verschiedene Software, Zusatzprogramme oder Schriftarten auf ihrem Gerät. So entsteht ein digitaler Fingerabdruck. Das machen sich Entwickler beim „Canvas Fingerprinting“ zu Nutze.  Dabei wird im Browser eine Grafik generiert, meist ein Text mit möglichst vielen unterschiedlichen Buchstaben. Das macht jeder Computer ein klein wenig anders. So lässt sich ein Nutzer wiedererkennen. Forscher beschrieben die Technik schon 2012. Nun wurde erstmals ihr breiter Einsatz nachgewiesen, heißt es in der aktuellen Arbeit. Mehr als 5 Prozent der 100 000 meistbesuchten Websites nutzten sie. Die Daten wurden allerdings nicht von den Betreibern der Websites gesammelt, sondern größtenteils von der Firma AddThis.

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