Videodienst : Netflix startet in Deutschland

Betreiber stellen die Funktionalitäten der Netflix-Dienste in Deutschland vor.
Betreiber stellen die Funktionalitäten der Netflix-Dienste in Deutschland vor.

In den deutschen TV-Markt drängt ein neuer starker Konkurrent aus den USA

svz.de von
16. September 2014, 22:55 Uhr

Der US-Videodienst Netflix will den deutschen TV-Markt aufmischen. Er wolle in fünf bis sieben Jahren Kunden in jedem dritten deutschen Haushalt haben, sagte Gründer und Chef Reed Hastings der dpa zum Deutschland-Start des Dienstes am Dienstag.

Netflix bietet einen Videostreaming-Dienst an, bei dem Filme und Serien für eine monatliche Abo-Gebühr direkt aus dem Internet abgespielt werden. In den USA ist Netflix der Platzhirsch in diesem Geschäft. Für den Markteintritt in Deutschland bietet es die vom Unternehmen selbst produzierte Serie „Orange is the New Black“ über das Schicksal einer New Yorker Managerin in einem US-Frauengefängnis an. Außerdem zeigt Netflix hierzulande erstmals Serien wie „Fargo“ und „Sons of Anarchy“. „Wir haben uns bemüht, so viel wie möglich exklusive Inhalte für Deutschland zu bekommen“, sagte Hastings.Ansonsten hat Netflix zum Start auch viele Serien und Filme im Programm, die es auch bei anderen Anbietern zu sehen gibt. Die Kinofilme sind zudem wie bei der Konkurrenz zumeist mehrere Jahre alt. Mit mehr Kunden könne Netflix auch mehr dafür bieten. Außerdem erweitere Netflix das Programm gezielt auf Basis der Daten-Auswertung: „Wir lernen daraus, was die Menschen gerne sehen und fügen dann entsprechend Inhalte hinzu.“ In einigen Jahren könnte Netflix auch eigene Serien in Deutschland drehen. Netflix setzt auch auf eine gestaffelte Preisstruktur. Für 7,99 Euro im Monat kann der Dienst auf einem Gerät in Standard-Auflösung genutzt werden. Für 8,99 Euro bekommt man Zugriff von zwei Geräten gleichzeitig sowie Inhalte in HD-Auflösung. In der teuersten Variante für 11,99 Euro kann der Dienst von vier Geräten abgerufen werden, und der Kunde bekommt auch Sendungen in der aktuell besten Bildqualität Ultra-HD. Dafür ist allerdings ein entsprechendes TV-Gerät nötig. Zum Start gibt es einen Probemonat gratis. Das Programm sieht man allerdings erst nach der Anmeldung. Andere Anbieter in Deutschland hatten sich in den vergangenen Wochen mit Preissenkungen und dem Ausbau ihres Angebots auf den Netflix-Start vorbereitet. So senkte der Bezahlsender Sky den Preis seines Streaming-Dienstes Snap auf 3,99 Euro. Zudem verlängerte Sky den bestehenden Exklusivvertrag mit dem amerikanischen Pay-TV-Kanal HBO bis zum Ende des Jahrzehnts. Amazon bietet den Kunden seines Premium-Angebotes Prime ein Jahr Video-Streaming mit einer Auswahl von Filmen und Serien für 49 Euro. Für 4,99 Euro erhalten Liebhaber anspruchsvoller Filme Zugriff auf 30 Arthouse-Produktionen und Dokumentarfilme im Monat. Die Erlöse mit Kauf- und Verleihvideo lagen im vergangenen Jahr insgesamt bei rund 1,7 Milliarden Euro. Digital wurde erst etwa ein Zehntel davon abgewickelt. Zugleich ist Deutschland mit vielen frei verfügbaren Sendern, die sich über Werbung finanzieren grundsätzlich ein schwierigerer Markt für Bezahlfernsehen und Videodienste als die USA.

Klassisches lineares TV sei wohl der größte Konkurrent für Netflix, räumte auch Hastings ein.

Zuletzt hatte Netflix rund 50 Millionen Kunden, davon gut 35 Millionen in den USA. Das Unternehmen wuchs in seinen rund 40 Auslandsmärkten aber schneller als in der Heimat.

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